Re-Upload: 🔨 Müssen Feministinnen handwerkeln können?

Mann macht – Frau staunt

14.08.2025 41 min

Zusammenfassung & Show Notes

Ist doch nicht meine Schuld, dass ich nicht einparken, keinen Fahrradschlauch wechseln und kein Bild an die Wand bringen kann...

📢 Der Podcast über Genderfragen zwischen Identität, Kultur und Sexismus
🙏 Ich brauche deine Hilfe: Ich freue mich sehr, wenn du den Podcast finanziell unterstützt
Ein Transkript dieser Folge findest du 👉 hier
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🚗 Frauensache & Männerdomänen
Ich kann schlecht einparken, keinen Fahrradschlauch wechseln, das W-Lan nicht einrichten und auch keinen Dübel befestigen. Die Abhängigkeit von vermeintlich männlichen Kompetenzen ist unfeministisch, finde ich. 

💪 Autos, Handwerk, Technik
Es gibt keinen Grund, warum Frauen sich nicht mit Technik und Handwerk auskennen sollten, aber oft tun sie es nicht. Das schafft Unselbstständigkeit und reproduziert in einer endlosen Spirale Klischees und Vorurteile.

🔧 Warum ist es so schwer, daran etwas zu ändern? Und wie siehts in queeren Beziehungen mit zwei Frauen aus? Wer trifft da den Nagel auf den Kopf?

🎙️ weitere Folgen zu Wut & Widerstand:

📚 Buchtipps zum Thema:
• Antonia Baum. Stillleben
• Esther R. Greenglass. Geschlechterrolle als Schicksal
• Rebekka Endler. Das Patriarchat der Dinge
• Ann-Kristin Tlusty. Süß

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Musik: Danke an Heyohmann!
Cover: Danke an Scarlett Nimz

Transkript

Susi
00:00:00
Leute, the Sommerloch has arrived. Ich hasse es ja, wenn alle Freundinnen im Urlaub sind, wenn meine Lieblingspodcasts und Shows Sommerpause machen, aber jetzt ist es soweit. Verbittertalentlos geht in Urlaub. Ich bin drei Wochen in Holland. Ich schaffe es nicht, im August eine frische Folge zu produzieren, habe aber schon ganz brav vorgearbeitet für den September. Da erwartet euch eine ganz tolle Folge über feministische Krimis und ich werde natürlich auch im Urlaub weiterarbeiten, weiter recherchieren, damit das dann fließend weitergeht im Herbst. Aber in diesem Monat möchte ich euch eine quasi Archivfolge anbieten. Ich freue mich ja sehr, sehr, sehr, sehr doll darüber, dass dieser Podcast wirklich immer weiter wächst. Und ich könnte mir vorstellen, dass eben viele auch nicht in die älteren Folgen reingehört haben, obwohl ich die sehr mag. Und vielleicht kurz zur Erklärung, dieser Podcast ist so ein bisschen anders gestartet, hat sich jetzt so mehr in Richtung Popkultur-Analysen entwickelt. Aber am Anfang war das Konzept so, da habe ich mich mit meiner Freundin Carla verabredet und wir haben uns ausgetauscht und gerantet. Und das Interessante war eben, Ich lebe ja in diesem absolut klassischen Kleinfamilien-Hetero-Modell und habe auch irgendwie sehr lange gebraucht, mich da so rauszuemanzipieren aus diesen eingefahrenen Gender-Rollenmustern. Und Carla wiederum lebt in einem Modell mit einer Frau mit drei Kindern und die beiden verhandeln halt viel, viel stärker die Aufteilung von Care-Arbeit oder auch bestimmte Muster, die man in der Erziehung an den Tag legt. Und ich habe mich auch immer gefragt, wie ist das sozusagen in homosexuellen Beziehungen? Ist man dann trotzdem so in dieser Gender-Sozialisierung drin, dass man dann trotzdem Stereotype noch weiter reproduziert? Oder kann es nicht auch total überfordern und anstrengend sein, eigentlich gar keine Vorbilder zu haben, sondern jeden Furz dann immer einzeln zu verhandeln? Und das haben wir so in den ersten 20 Folgen diskutiert. Ich freue mich sehr, wenn ihr auch den älteren Folgen eine Chance gebt, weil ich eigentlich diese Freundinnen-Dynamik mir bis heute zurückwünsche. Das hat da einfach alles noch so eine Leichtigkeit und eine gewisse Anarchie. Die wir da gemacht haben und diese Folge, wo wir darüber nachdenken, warum kann ich denn keinen Fahrradschlauch wechseln, muss ich mich als Feministin nicht fragen, ob ich mir diese Bereiche wie Einparken, Handwerken und so weiter wirklich bewusster arbeiten muss, um eigentlich auch unabhängig oder unabhängiger zu sein von vermeintlich männlichen Fähigkeiten. Spoiler Alert, also diese Folge ist jetzt, glaube ich, zwei Jahre alt Und ich hatte mir eigentlich danach vorgenommen, ich will jetzt mal jeden Abend ein bisschen einparken, üben auf dem Supermarktparkplatz oder ich will mir jetzt mal so ein kleines Holzprojekt anschaffen und in irgendwie so eine Soli-Fahrradwerkstatt gehen. Ich habe nichts davon gemacht, aber ich habe mir die Folge jetzt nochmal angehört und mich echt geärgert, dass auch so wenig passiert ist in der Zwischenzeit und ich mich eigentlich noch mehr verhärtet habe, dass ich der Meinung bin, doch als Feministin sollte ich das mal unbedingt angehen. Ja, hört es euch an, schreibt mir auch mal, was ihr darüber denkt. Ansonsten zum Thema Sommerloch kann ich euch noch ein kleines Trostpflaster anbieten, denn mein Newsletter läuft weiter. Im August habe ich euch ein kleines Best-of von der Republika zusammengestellt. Es gab da so ein paar ganz interessante Talks zum Thema Digitalfaschismus und Finanzkriminalität. Dazu auch noch einen Serientipp. Wer den Newsletter noch nicht entdeckt hat, ich gebe dort ja jeden Monat meine Flinter-Highlights aus Büchern, Serien, Filmen, Dokus. Auch ganz gerne alles, was ich in der Mediathek, öffentlich-rechtlichen Arte und so weiter finde. Also stöbert doch mal durch die älteren Ausgaben durch, da findet ihr dann vielleicht auch noch was, was ihr dann im Urlaub wegbingen könnt. Den Newsletter findet ihr auf Steady, Link gibt es in den Shownotes und wie immer möchte ich euch auch bitten, diesen Podcast finanziell zu unterstützen. Ich bin ein Indie-Podcast und ich bin nicht nur Indie, ich bin auch komplett alleine mit allem von der Recherche bis zur Produktion und ich mache das natürlich aus Spaß an der Freude. Ich mache das aber auch aus feministischem Engagement und dem Willen, eine Art von Netzwerk-Community und auch Aufklärung zu betreiben. Und ich freue mich, wenn ihr mir dabei helft. Und zwar, indem ihr eine Mitgliedschaft auf Steady abschließt. Da gibt es verschiedene Modelle, angefangen bei drei Euro. Und das ist ganz easy. Das klickt ihr einfach an und dann werdet ihr zur Zahlungsmethode weitergeleitet. Das kann man auch ganz leicht wieder kündigen. Das ist überhaupt kein Problem. Aber jeder Euro hilft und auch um das nochmal transparent zu machen, wenn ich dann in meinem E-Mail-Postfach sehe, es hat wieder jemand eine Mitgliedschaft abgeschlossen. Für mich ist das nicht nur der finanzielle Aspekt, es ist auch diese unglaubliche Wertschätzung. Und deswegen möchte ich auch allen Mitgliedern, die schon da sind, ganz, ganz herzlich danken. Ich weiß, wie krass das ist in diesem Ganzen. Hier eine Petition, da soll man noch ein Bezahlmodell und so sich dort zu fokussieren und zu sagen, das mache ich jetzt. Also das ist für mich wirklich wahnsinnig, wahnsinnig toll. Ja, und dann hoffe ich, dass wir uns im September wieder hören. Viel Spaß mit Carla und dem Reupload und bis dahin bleibt unbequem, ihr Lieben.
Kahla
00:05:45
Frauen mit halb runtergelassener Latzhose, die zwinkern, einen Zollstock in die Kamera halten. Frau im Ledermini mit Kettensäge als Penisverlängerung. Und ich dachte so, okay, krass, so habe ich mich nie gesehen.
Susi
00:05:59
Es ist bei mir 100 Prozent diese beschissene Aufteilung. Mattes fährt Auto, repariert, wechselt den Fahrradschlauch.
Kahla
00:06:09
Wenn man sich immer darauf ausruht, naja, der kann das aber besser. Das ist ein Problem, warum auch Frauen da hängen, wo sie hängen und hängen bleiben.
Music
00:06:17
Susi
00:06:23
Liebe, wir sind zurück bei Verbitter Talentlos und heute haben wir wieder ein wunderschönes Thema mitgebracht. Ich habe es Not am Mann getauft und muss dir gleich danken, denn du hast mir in einer E-Mail das eigentlich in einem ganz anderen Zusammenhang geschickt. Du hattest dich auf unsere Gender-Folge vorbereitet und so herrlich patriarchale, sprachliche Floskeln aus dem Alltag recherchiert und schriebst mir dann noch, hier, guck mal, Not am Mann. Was meintest du denn damit?
Kahla
00:06:49
Not am Mann, tatsächlich kam das aus dem Alltag. Und zwar waren die Kinder wieder krank oder eins zu Hause, eins in der Kita. Ich war alleine und das Kind war so bettlägerig, dass ich ein Problem hatte, die anderen beiden abzuholen. Und ich dachte nur so, wow, jetzt ist hier wieder echt Not am Mann. Und in dem Moment, wo mir das durch den Kopf gegangen ist, wusste ich, wie Not am Mann. Also verstehe ich selbst nicht. Das Schöne ist tatsächlich.
Susi
00:07:12
Wenn man dann diesen Gedanken weiterführt und sich, was ist Not an der Frau?
Kahla
00:07:16
Habe ich gleich irgendwie komische sexuelle Gedanken.
Susi
00:07:20
Es gibt es nicht im sprachlichen Umgang.
Kahla
00:07:22
Und das bedeutet eben.
Susi
00:07:24
Dass irgendwo, wenn Not am Mann ist, ja, da braucht man jemanden, der reinspringt, der handelt, der was macht, der hilft. Das zeigt natürlich sehr schön auch die Wertigkeit von Männern und Frauen im sprachlichen Umgang. Und bei mir kam aber sofort eben nicht zum Thema Gendern die Assoziation auf, sondern zum Thema, wie sind männliche und weibliche Fähigkeiten konnotiert. Und dazu würde ich dir gerne auch noch einen kleinen Auszug vorlesen aus dem Buch, das ich gerade auf dem Nachttisch habe. Antonia Baum, Stillleben. Sie beschreibt so ihr Mutterwerden, auch das Unwohlsein mit Konflikten in der Identität und in ihrem Sein, in dieser Veränderung ihres gesellschaftlichen Status. Kann ich sehr empfehlen, das Buch. Und hier ist eine konkrete Stelle, wo wir auch gleich einen Hinweis bekommen, über was wir heute sprechen wollen. Ich lese Antonia Baum.
Kahla
00:08:18
Okay.
Susi
00:08:19
Ich dachte daran, dass ich bei uns diejenige war, die sich mehr für Sauberkeit und Ordnung zuständig fühlte als er. Dass ich die war, die daran dachte, wenn die nächste Untersuchung für das Baby anstand. Er fuhr Auto, weil ich davor Angst hatte. Er reparierte, er schleppte, er baute, er kochte. Ich dachte, dass wir uns zumindest in diesen Punkten absolut klassisch aufgeteilt hatten und dass ich mir, wenn ich neben ihm im Auto saß, regelmäßig komplett idiotisch vorkam, weil ich mich unselbstständig fühlte. Ebenso wäre ich niemals auf die Idee gekommen, irgendwelche Nägel in die Wand zu hauen, weil ich mich damit nicht beschäftigen wollte. Er konnte das besser. Natürlich, ich hätte es gekonnt, wenn ich gewollt hätte, genau wie Männer an Kinderuntersuchungen denken können, wenn sie es wollen. Ich hätte auch das mit dem Autofahren schaffen können. Ich versuchte es nicht, weil es anders angenehmer war und weil es ging. Dennoch, ich befürchtete gelegentlich, dass ich an der Stelle etwas falsch machte. Denn ja, indem ich mich immer wieder gegen das Auto und die Nägel entschied, verlängerte ich patriarchale Strukturen, wie mir die feministischen Bücher aus dem Regal meiner Mutter immer wieder zuflüsterten. Und ich muss sagen, das hat bei mir so angedockt, also diese Stelle zusammen mit deinem Not am Mann. Es ist bei mir 100 Prozent diese beschissene Aufteilung. Mattes fährt Auto, kümmert sich ums Auto, repariert den Traps, baut das Haus, wechselt den Fahrradschlauch. Der hat absolut gute handwerkliche Fähigkeiten. Auch selbst bei Nagel in die Wand schlagen, natürlich könnte ich das, aber dann bröckeln immer gleich irgendwie 30 Zentimeter vom Putz ab. Bei mir tatsächlich stellt sich ein absolutes unwohles Gefühl ein aufgrund so einer Abhängigkeit. Und gleichzeitig muss ich sagen, wenn ich mich dann mit den weiblich konnotierten Aufgaben betrauen muss.
Kahla
00:10:13
Jetzt wird es interessant.
Susi
00:10:14
Waschen, kochen, nähen, Untersuchungsheft, dass ich das auch scheiße finde. Also ich koche nicht gerne, ich kann nicht gut nähen. Ja, also ich habe da auch keinen Bock drauf. Und diese Aufgaben sind natürlich auch viel weniger anerkannt als handwerkliche Fähigkeiten.
Kahla
00:10:31
Auf was hast du denn Bock?
Susi
00:10:32
Ja, fiese Frage, genau. Also das Problem, was Antonia Baum hier sehr gut auf den Punkt bringt, ist diese Grundkonstellation. Wenn das Baby in den Haushalt kommt, merkst du auf einmal, verdammte Axt, wir müssen uns hier effizient aufteilen. Also es gibt eine Aufgabenteilung. Das ist erstmal der Ausgangspunkt. Man kann jetzt nicht mehr so ein bisschen in den Tag hineingucken, lass ich den Abwasch mal liegen oder so. Nein, das muss laufen, es gibt Protein.
Kahla
00:10:58
Aber du sagst halt, das gebe ich dir total recht. Aber du magst ja gar nichts von beiden. Auch nicht mal die effiziente Aufteilung, fies, ne? Nee, also...
Susi
00:11:08
Ja, das Problem ist, dass das auf einmal alles so eine Dringlichkeit bekommt und anders bewertet wird als Mutter.
Kahla
00:11:13
Vielleicht, dass du auch reingezogen wirst. Ja, genau. Und dann man halt eben nicht mehr rauskommt. Das finde ich ja persönlich auch an Leben mit Kindern, auch in beruflichen Zwängen oder halt eben, dass Sachen nicht mehr gehen. Man kommt einfach nicht mehr raus aus diesen Zwängen. Und das ist, glaube ich, auch das Unwohlsein. Egal, ob das jetzt Autofahren oder Waschen ist, aber wir kommen da nochmal drauf zurück, was sich ergibt.
Susi
00:11:35
Ich wollte jetzt eigentlich mal ganz andersrum anfangen. und fragen, wie sieht es denn bei dir aus? Denn ihr habt jetzt die Situation, ihr seid zweifelnd. Das heißt, ihr habt jetzt erstmal nicht die männliche Ressource. Das heißt, im schlimmsten Fall muss jetzt eine irgendwie den Fahrradschlauch wechseln. Und ich weiß ja auch schon von dir, dass du da durchaus anders aufgestellt bist als ich. Also erzähl mal.
Kahla
00:11:59
Ja, ich habe ja mit sechs Jahren schon angefangen, Beton anzumischen. Bäm.
Susi
00:12:04
Finde ich geil.
Kahla
00:12:06
Naja, also ich habe gesehen, mein Vater rührt Beton an, der schafft was, der baut was auf. Und das waren für mich die interessanteren Arbeitsprozesse als das, was meine Mutter macht. Also auch da gab es natürlich eine Wertigkeit, auch in der Besprechung, auch was bei uns ein Thema zu Hause war. Und das habe ich gleich gemerkt, also so erkläre ich mir das, dass das, was er tut, dieses Aufbauen, Bilden, Schaffen, in meinen Augen, Ja, das ist natürlich auch ein Irrlicht, dass das mehr Wert hat. Und natürlich habe ich dann auch angefangen zu Frauen. Was ja auch gesellschaftlich abgebildet wird.
Susi
00:12:38
Es bist ja nicht nur allein du, die das festgestellt hat. Das ist ja ein Spiegel, den man überall auch sieht.
Kahla
00:12:46
Ja.
Susi
00:12:47
Dass männliche Fähigkeiten oder handwerkliche Fähigkeiten höher angesehen sind, als wenn man den Haushalt gut schmeißen kann. Ja, ja.
Kahla
00:12:53
Ich wollte noch mal was sagen, auch zu diesem, weil es geht ja auch um Beziehungsmuster und Rollen. Und ich lebe ja in einer homosexuellen Beziehung und wir können beide Fahrradfläuche wechseln. Aber auch bei uns hat sich nach der Geburt natürlich Beziehungsrollen durchgedrückt. Auch, hatten wir ja schon mal darüber gesprochen, sie hat den Mental Load. Ich dattel da als Schweizer Männer Messer durch die Gegend und mache alles. Und da hat es auch natürlich nochmal richtig gerumst. Und ich glaube, wir haben vier, fünf Jahre gebraucht, bis wir zu einem Rollenverständnis gekommen sind, wo jeder auch Aufgaben übernimmt.
Susi
00:13:23
Also im Prinzip könntet ihr euch auch abwechseln mit bestimmten Aufgaben, weißt du, dass nicht einer immer kochen muss und einer immer irgendwie.
Kahla
00:13:33
Aber man muss nicht um des Gleichberechtigungswillens, also so sehe ich es in meiner Beziehung, alles immer zu 100 Prozent aufteilen.
Susi
00:13:41
Aber die Voraussetzung dafür ist ja, dass man erstmal irgendwo ein Portfolio an Fähigkeiten hat, wo man gucken kann, wie geruft sich wer damit ein. Und tatsächlich ist es so, wenn ich mir überlege, er ist mal auf Dienstreise, er ist krank oder wir trennen uns, er ist weg. Ja, dann muss ich meinen Vater anrufen oder ich muss einen Handwerker anrufen. Ich habe diese Fähigkeiten nicht und das macht eine Abhängigkeit und ich möchte nicht versauern in so einer Mutti-Rolle.
Kahla
00:14:13
Ja, dann musst du anfangen, sich damit zu beschäftigen und auseinanderzusetzen.
Susi
00:14:18
Ich will jetzt nochmal wirklich konkret fragen, was meinst du, ist der Unterschied zwischen uns? Warum hast du irgendwie diese Interessen entwickelt, dass du jetzt ein E-Piano reparieren kannst und ich nicht? Und hat das vielleicht was eben mit deiner Queerness zu tun? Oder habe ich es einfach selber verkackt?
Kahla
00:14:37
Tja, das ist ja eine steile These, ob dann das Handwerkergen in der Homosexualität verantwortet ist.
Susi
00:14:43
Nach dem Motto, die Lesben können das, weil die sind irgendwie maskulin.
Kahla
00:14:46
Naja, aber tatsächlich können ja viele queere Frauen auch in meinem Umfeld, die sind da dran. Also die haben diese Scheu nicht einfach vor, an Sachen ranzugehen.
Susi
00:14:59
Oder haben die einfach Not am Mann und müssen es deswegen machen, weil die quasi genau diese männliche Ressource halt nicht da ist.
Kahla
00:15:05
Das ist eine These, aber das kann sein, dass man sich irgendwann dahin entwickelt. Das ist so ein System.
Susi
00:15:13
Wie für mich.
Kahla
00:15:13
Ja, ja, ja, tatsächlich. Also ich glaube, wenn Frauen später dann mit Handwerken anfangen, kann das so sein. Bei mir ist es tatsächlich so, diese Respektlosigkeit vor Dingen, auch diese Dinge auseinanderzunehmen und zu sehen, wie sie funktionieren und auch eine Ermächtigung. Das habe ich ja auch von meinem patriarchalen Vater gesehen. Der hat alles auseinandergenommen, respektlos, alles. Jeden Fernseher, jede Röhre ersetzt. Es gab nichts, was er nicht auseinandergenommen hat. Diese Idee davon, nicht selbst in der Lage zu sein, diese Dinge anzufassen und auseinanderzunehmen, die wohnt tief in mir inne. Und ich merke das auch an meiner Partnerin, die auch dann sagt, nee, das können wir nicht, das geht nicht. Und ich denke auch aus meiner Sozialisation heraus, das muss aber gehen. Und so repariert man dann ein E-Piano. Das muss gehen.
Susi
00:16:03
Ich finde diese Reflexion Hammer, weil das ist ja genau das, was ich jetzt empfinde, dass ich einen Respekt habe vor Sachen, dass ich denke, oh scheiße, das übersteigt meine Fähigkeiten, das kriege ich nicht hin, jetzt brauche ich Hilfe.
Kahla
00:16:15
Woher, woher, Susi, woher kommt diese Idee... Von, das übersteigt meine Fähigkeiten.
Susi
00:16:22
Das ist die große Frage. Und vor allen Dingen, dass ich sehe, dass es eben auch anders geht und dass du dich da durchaus anders orientiert hast und das für dich angenommen hast.
Kahla
00:16:34
Das E-Piano habe ich zweimal repariert, beim dritten Mal ging es dann nicht mehr. Dann ist es auf dem Müll gelandet. Irgendwas habe ich falsch gemacht. Und das Ding ist, und das glaube ich überhaupt auch mit allen Dingen, die man lernt, das fällt ja nicht vom Himmel. Und das ist halt glaube ich auch immer der Unterschied zwischen Männern und Frauen. Und das beobachte ich ja auch, mit welcher Selbstverständlichkeit auch Männer sich auf Themen draufsetzen und sagen, wir können das. Und Frauen da echt ewig hinterherditteln. Und da kann ich nur sagen, beschäftige dich damit, mach es doch mal. Also knie dich mal da rein, auch wie mit anderen Sachen. Und dann wirst du auch merken, das geht. Mich erschüttert das, ehrlich gesagt, dass du keinen Fahrradschlauch reparieren kannst.
Susi
00:17:13
Ja, du, mir ist das peinlich.
Kahla
00:17:14
Nee, es ist gut, dass du drüber sprichst. Also das wäre jetzt mein erster Gedanke. Susi, mach einen Fahrradworkshop oder ich zeige dir das. Und tatsächlich, es geht um Unabhängigkeit. Und das ist nicht nur ein Sinnbild, sondern das ist auch genau so. Du fährst mit dem Fahrrad, du hast dein Flickzeug dabei und du bleibst liegen. Und was machst du dann? Am grünen Abend, dann läufst du nach Hause oder holst ein Taxi oder so. Nee, du reparierst deinen Schlauch.
Susi
00:17:35
Also ich sage dir, was mir noch peinlich ist. Also das hat Antonia Baum ja auch aufgegriffen. Autofahren ist, ich traue mir gar nichts zu sagen, aber ich kann halt schlecht Autofahren und schlechter Autofahren als Mattes. Und das ist ein Riesen-Streitthema bei uns, weil es natürlich immer darum geht, ich will üben, aber soll ich jetzt fahren und es ist dann alles irgendwie total shaky und zu weit rechts und zu langsam und nicht smooth genug und wir kommen nicht schnell genug an? Oder setz dich dann doch lieber Mattes rein und mir fehlt dann einfach die Fahrpraxis. Am Ende des Tages ist es einfach so, ich bin seit zwei Jahren nicht mehr Auto gefahren und beim letzten Mal gab es dann noch Berührung mit einem Baum.
Kahla
00:18:19
Ja, aber du sitzt ja noch hier, schon gut gegangen zu sein. Aber das ist halt echt ein zentraler Punkt. Und auch das ist nicht nur ein Bild oder ein Sinnbild, sondern das ist ja bei euch die Realität. Und Autofahren heißt ja auch Freiheit. Die Person, die am Steuer sitzt, bestimmt, wo es lang geht, wo es hingeht. Das macht auch unabhängig.
Susi
00:18:38
Naja, es ist im Alltag einfach so, wenn man dann im Sommer sagt, okay, wir wollen jetzt mal den und den See ausprobieren und der ist ein bisschen weiter weg und nicht mit Öffis zu erreichen. Ich lasse ja das Auto auch gerne mal stehen. Aber dann muss ich natürlich warten, bis Mattes nach Hause kommt und wir dann alle fahren. oder, naja, klar, oder ich frage mich dann, trage ich mir das jetzt zu? Auch wenn ich natürlich noch den Kleinen hinten drin habe. Und ich sage mal, als ich Autofahren gelernt habe, da hatte mir mein Vater so einen kleinen 80er-Jahre-Opel-Corsa besorgt und da hatte ich nicht so viel Respekt. Und da habe ich auch die Fahrpraxis gehabt. Und jetzt aber, das ist auch sofort mit Baby, Familienkarre, du hast dann irgendwie ein tolles Auto und dann pflegst du das und hegst du das Und dann geht es darum, ich sitze hinten beim Baby und halte Händchen und er fährt und so schleift sich das ein. Und auf einmal bin ich zwei Jahre nicht mehr gefahren.
Kahla
00:19:27
Aber es wird ja nicht besser, Susi. Ich weiß.
Susi
00:19:29
Wie gesagt, ich brauche jetzt eigentlich die Fahrpraxis. Und gleichzeitig ist es aber sofort, wenn wir in dieser Konstellation, dass ich am Steuer bin, im Auto sitzen, dann ist es schon eine unangenehme Grundstimmung zwischen uns.
Kahla
00:19:42
Aber die wird ja, ich kenne das ja, also das ist ja Thema Nummer eins in Partnerschaften beim Autofahren. Wie scheiße ist das T-Shirt? Der Beifahrer fährt mit. Das ist aber bei uns genauso. Es hat sich erst gebessert in dem Moment, wo sie auch jetzt aktiver gesagt hat, ist ja eine super Emanze, meine Partnerin. Ich fahre jetzt. Ich. Du fährst immer. Ich fahre jetzt. Und irgendwann, klar, knallst du dann auch im Auto. Lass mich jetzt fahren. Aber das wird ja nicht besser, indem du nicht fährst.
Susi
00:20:09
Ich weiß, aber ich habe schon so ein niedriges Selbstwertgefühl jetzt schon im Auto, dass ich immer schon denke, er denkt jetzt, dass ich was falsch gemacht habe. Weißt du, was ich meine?
Kahla
00:20:18
Ja, das ist aber wie mit, ob das jetzt das Auto ist oder der Hammer. Es wird nicht besser, indem man es nicht in die Hand nimmt.
Susi
00:20:23
Und trotzdem, was mich halt auch so verrückt macht daran, ist, dass ich halt so im fleischgewordenen Klischee irgendwie mutiert bin als Mutti. Ich sitze irgendwie daneben und reiche die Bonbons nach hinten. Das kommt für mich so an und ich komme irgendwie raus. Und dass diese ganzen bescheuerten Titel wie Männer kommen vom Mars und Frauen können nicht einparken, dass es dann wieder verletzt wird, weil mir einfach die Praxis fehlt und dass es eben kein Buch gibt, wo steht, Jeder Mensch kann super gut Auto fahren. Man muss einfach nur üben. Ist vielleicht auch einfach ein Punkt davon, wo man merkt, es ist wieder misogyn und frauenfeindlich. Weil das ist gar nicht so witzig, dass man immer wieder sagt, Frauen können nicht einparken, höh, höh, höh. Weil dieses Grundselbstverständnis, wie du sagst, man hat dann so einen Respekt vor einer Sache. Man setzt sich schon mit Angst ans Steuer und verkrampft dann die Fingernägel ins Lenkrad. Es ist auch keine gute Grund, irgendwie loszufahren.
Kahla
00:21:23
Mein Vater hat früher immer gesagt, wenn jemand schlecht gefahren ist, da sitzt ja wohl eine Frau am Steuer und hat dann blöd gelacht. Wenn einer sich blöd verhält auf der Autobahn.
Susi
00:21:31
Dann hupt man gleich die Olle weg, so nach dem Motto. Genau, das muss eine Frau sein. Und das fand ich auch spannend. Ich hatte mit Mattis natürlich auch schon oft darüber gesprochen und sagte, naja, guck mal, Frauen durften ja bis in die 50er Jahre rein nicht mal... Sie durften ja nicht mal Auto fahren.
Kahla
00:21:48
Jetzt werden einige sagen, zu Recht.
Susi
00:21:52
Ja, aber auch da wieder, der Vorsprung, die Selbstverständlichkeit,
Kahla
00:21:56
Die Konnotation. Der Vorsprung wird ja nur noch größer. Deshalb ist mein Plädoyer, man muss es ja nicht, aber sich die Möglichkeiten anzugucken und eventuell anzueignen und keinen Respekt zu haben vor Bohrmaschinen, Nägeln und Fahrradschläuchen, Lenkrädern. und fahlen.
Susi
00:22:13
Beim Autofahren wird das halt sichtbar, weil das irgendwie nicht so ein Add-on ist, wo man sagt so, hey, ich kann irgendwie an, weiß ich nicht, Fernsehkabel reparieren oder so, sondern es hat tatsächlich was mit Mobilität zu tun.
Kahla
00:22:25
Ja, aber wenn du ein Auto fahren kannst und vier Autos fährst, dann bist du auch schnell beim Moped. Weil das so ähnlich, ja, das hängt alles zusammen. Es hat auch ein Gas und so. Und wenn du beim Moped bist, bist du vielleicht dann auch schnell beim Traktor. Es hängt alles irgendwie zusammen. Und so erweitern Mobilität Und so erweitern sich dann auch die Fähigkeiten. Und so merkt man, die Räume, das kann ich und das kann ich und das kann ich. So erweitern sich Räume. In dem Moment, wo du natürlich in deinem Haushalt gefangen bist und in deinen zehn Aufgaben, erweitert sich gar nichts. Außer das I-Tüpfelchen auf der Torte.
Susi
00:22:58
Ich finde aber auch, dass man daran gut sehen kann, das ist ja eine These und die ist vielleicht unbequem, aber dass es eben auch so gewollt ist innerhalb des Patriarchats, dass Frauen zu Hause sind, isoliert sind, nicht mobil sind. Und damit meine ich jetzt nicht meinen Partner oder so, oder den einzelnen Mann oder so. Aber dass diese Aufgaben sich eben immer in handelnde, aktive und in passive, atende und treue.
Kahla
00:23:22
Ist jetzt sehr extrem, ja, und man muss reflektieren, was man will eigentlich und ob man sich damit wohlfühlt. Du und Antonia Baum aus dem Buch Stillleben, ihr scheint euch nicht wohl damit zu fühlen, aber ich kotze auf den Tisch, wenn man um Teufel komm raus, jetzt um Gleichberechtigung, ich muss jetzt einen Hammer in die Hand nehmen, wenn du keinen Bock hast, einen Schlauch zu reparieren und Auto zu fahren, dann lass es. Schwierig wird es doch nur, wenn es ein mega Ungleichgewicht wird. Weißt du, wenn du aus diesen Rollen nicht mehr rauskommst und unzufrieden bist, alles andere.
Susi
00:23:56
Das, was mich jetzt aber aus feministischer Perspektive interessiert, du kannst es gerne angreifen, es ist alles intellektuell und jetzt kann man wieder das Patriarchen.
Kahla
00:24:03
Nee, ist nicht intellektuell.
Susi
00:24:05
Aber die Frage ist, wir gehen jetzt von der Binarität aus, wir gehen jetzt von diesen Konnotationen aus, Männer können handwerkeln, Frauen nicht. Klar, das ist jetzt Stereotyp und darum geht es mir auch gerade, dass das einfach jetzt ein ganz klischeehafter gesellschaftliche Aufteilung ist, die oft stimmt, auch manchmal nicht stimmt in beide Richtungen. Aber das ist jetzt mein Ausgangspunkt, weil es auch auf mich zutrifft. Also Mathis hat schon früh angefangen, sich auch an seinem Vater zu orientieren, mitzuhelfen, Modellflugzeuge basteln, hat einen handwerklichen Beruf gelernt. Das heißt, er bringt da einfach jetzt schon ganz viel mit über sehr, sehr viele Jahrzehnte. Ich müsste jetzt von vorne anfangen und ich frage mich, warum diese Aufteilung, warum habe ich das verpasst?
Kahla
00:24:51
Welche Abfahrt hast du sie nicht genommen?
Susi
00:24:53
Welche Abfahrt habe ich nicht genommen? Was sind die Gründe dafür? Weil natürlich kann ich jetzt auch sagen, oh Mann, ich interessiere mich auch nicht dafür. Aber ich würde natürlich niemals mich verleiten lassen zu argumentieren, dass das grundsätzlich männliche Domänen sind, weil Frauen kein logisches Denkvermögen haben oder weil das einfach naturgegeben so ist. Das würde ich eben absolut in Frage stellen, sondern immer sagen, das scheint mir doch eine gesellschaftlich sozialisierte und auch patriarchal bedingte Aufteilung zu sein, auch Frauen klein zu halten. Denn jetzt kommen wir wieder an Not am Mann. Das zeigt ja sozusagen, Dass die weiblichen Fähigkeiten, weil diesen Begriff Not an der Frau ja gar nicht existiert, dass die weiblichen Fähigkeiten einfach weniger anerkannt sind. Und das, was gesellschaftlich konnotiert ist, also Pflege, Haushalt. Mutter sein und dieses männliche Handwerkeln, Bauen, Reparieren den Männern irgendwie mehr mitgegeben wird oder schon mehr auf das Gleis gestellt wird, dass sie das eben entwickeln können. Beziehungsweise das Problem ist, dass ich mich als Frau eigentlich schon von vornherein auch ausgeschlossen fühle aus dieser Domäne. Also ich habe auch, sage ich mal so ganz blöd, Diskriminierungserfahrungen gemacht im Fahrradladen oder im Baumarkt. Also ich hatte so ein paar Jahre, wo ich in meiner Studentenbude gewohnt habe und dann halt auch mal im Baumarkt gehen musste, weil ich ein paar Nöppel für die Dämpfung von der Tür oder sowas kaufen wollte. Und da wird man natürlich dermaßen blasiert und arrogant behandelt. Oder ich habe es oft erlebt, es gibt vielleicht ganz nette Beratungen. Ich habe es aber auch, muss ich ehrlich sagen, ganz oft erlebt, auch in Fahrradläden, dass mir gesagt wurde, was ist denn das für eine Schäse kaufen, sich lieber ein Neues. Und ich dann mit meinem Vater in den Fahrradladen gehen musste, weil ich eine Dienstleistung haben wollte. Also dass sie mir da irgendwie noch ein Gabel reparieren und so. Also, dass von vornherein auch schon auf Frauen dann so wirklich arrogant herabgeschaut wird und dann natürlich dieses, wenn man gerade in einem Erwachsenenalter dann auch sagt, okay, pass auf, ich nehme das jetzt an die Challenge, ich werde jetzt hier richtig zum Baumarkt-Guru, dass du natürlich sehr schnell spürst, du bist in einer Männerdomäne und das empfinde ich auch als unangenehm, ehrlich gesagt.
Kahla
00:27:20
Also, hier geht es ja um Sozialisierung. Das, was du beschreibst, auch wie man auch mit solchen Tätigkeiten auch umgeht. Ich habe noch einen Bruder und mein Vater hat immer zu meinem Bruder gesagt, du gehst aufs Dach, du machst das und das. Da war der 15. Diese Ansprache sozusagen, die Aufforderung zu handwerklichen Tätigkeiten, die gab es an mich nicht. Natürlich wurde er auch in diese männlichen Rollen gezwungen, auch in diese handwerklichen Tätigkeiten. Und der wollte das ja auch nicht, aber ich nicht. Und darüber hinaus ist noch, wenn es um Lampenverkabelung ging oder wie geht das, was machst du da? Dann habe ich natürlich gefragt, wozu ist das braune, gelbe, blaue Kabel? Ach, lass mal, lass mal, das ist nichts für dich. Also klar habe ich mir über Beobachtung diese Sachen zusammengereimt, aber mir wurde das nicht angetragen. Ich wurde sogar weggeschickt.
Susi
00:28:06
Ich glaube einfach, dass meine Eltern jetzt keine Stellschraube sind, wo ich sagen würde, okay, die haben mich da jetzt weggetrieben davon. Stopp.
Kahla
00:28:15
Ich glaube, dass überhaupt in dem Moment, wo deine Eltern eventuell auch so Stereotyp leben, in diesen Rollen und deine Mutter eben nicht mit einer Säge durch die Welt gelaufen ist, dass schon die Hälfte der Miete ist, beziehungsweise die vernagelte Abfahrt.
Susi
00:28:32
Good point. Das wollte ich vorhin auch nochmal zu dir sagen, weil das ist ja bei euch in eurem Lebensmodell auch der Unterschied. Ihr seid zwei Frauen, teilt irgendwie auf. Wir sind hier Mann und Frau. Und ich mache mir natürlich auch Gedanken darüber, wie mein Sohn das aufnimmt, wenn er sieht, Papa macht das und das und das. Der repariert auch Spielzeug, der schnitzt auch irgendwelche Wikinger-Schachspiele oder sonst was. Und Mama wäscht ab. Und es ist ja gar nicht so, also ich nehme ja Mattes ganz viel in die Pflicht, weil ich ja auch überhaupt keinen Bock habe auf Haushalt. Und es ist ja sogar so, dass Mattes Traumtyp auch abwäscht und den Müll rausbringt und Care-Arbeit übernimmt und ganz viel sich mit unserem Kind beschäftigt und auch kocht und so, weil ich das alles halt auch gar nicht leiden kann. Oh mein Gott, ich höre mich wirklich an wie so ein richtiger Hausdrachen gerade. Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass einfach nur diese Idee davon, was sehen die Kinder an Rollenverhalten. Genau das. Man versucht mit der Sprache und mit der Reflexion irgendwie dagegen zu arbeiten, mit Literatur und irgendwie Medienkonsum, aber man lebt eine komplette Reinaufteilung. Und dieses Imitieren von Lebensmodellen ist, glaube ich, tatsächlich, wie du sagst, da kannst du locker 50 Prozent schon mal an sozialisierten Verhalten und Weichenstellungen, glaube ich, schon mal von ausgehen, dass sie sich stark daran orientieren.
Kahla
00:29:58
Und was heißt das jetzt für dich?
Susi
00:30:02
Ach, ich weiß, was willst du jetzt von mir hören?
Kahla
00:30:05
Morgen, ich steche jetzt deinen Fahrradreifen kaputt und du reparierst den.
Susi
00:30:09
Weißt du, da können mich jetzt alle hassen. Es ist mir jetzt so scheißegal. Ich befasse mich intellektuell mit dem Thema Frauen in der Gesellschaft, feministische Perspektiven und wie muss ich mein Kind erziehen und was muss ich ändern. Ich will jetzt nicht sagen, das Kind ist in den Brunnen gefallen bei mir und meinen handwerklichen Fähigkeiten. Aber ich sehe einfach meine Stärken dann an anderen Stellen.
Kahla
00:30:32
Aber dann müsstest du doch kein Dilemma haben. Dann müsstest du doch nicht sagen, ich habe ein Unwohlsein damit.
Susi
00:30:37
Ich muss das sehen und muss das benennen können, um dann natürlich einerseits mein Verhalten infrage zu stellen, auch zum Beispiel die Beziehung. Wer übernimmt was und kann man sich abwechseln? Und klar kann man dann auch gucken, ob ich mich dann langsam auch mal an ein paar Fragen annähere oder wie man das macht. Das ist für mich dann auch eine Aufgabe, die man in einer Beziehung hat. Aber letzten Endes muss man einfach sagen, dass Mattes 30 Jahre Vorsprung hat. Den kann ich ja jetzt nicht mehr aufholen. Es wird immer so sein, wenn es um irgendwelche Aufgaben gibt, dass er einfach besser darin sein wird.
Kahla
00:31:06
Aber es geht doch nicht immer darum, dass es besser ist. Das ist auch so ein Ding. Das sagt zum Beispiel meine Mutter auch immer. Ja, wir teilen uns halt auf und dein Vater kann das halt so gut. Dann denke ich so, ja, aber mach doch mal. Also wenn man sich immer darauf ausruht zu sagen, naja, der kann das aber besser. Das ist ein Problem, warum auch Frauen da hängen, wo sie hängen und hängen bleiben. Weil die anderen, der andere, der kann das halt, der kann das halt besser. Und ich sage dir, 88,78 Prozent der Männer sagen, nee, kann ich. Die würden nie sagen, der andere kann das besser.
Susi
00:31:37
Ich finde es gerade wirklich spannend, nochmal auszustellen, das Thema Leistung, Effizienz und Erfolg. Wie gut ist das Ergebnis? Das finde ich gerade ganz spannend, was du gesagt hast. Also einfach auch mal zu sagen, das muss halt auch nicht alles irgendwie immer so hundertprozentig perfekt sein. Oder es muss auch nicht gleich alles klappen. Finde ich ganz toll, werde ich mir annehmen. Für mich stellen sich hier, so wie in dem Auszug von Antonia Baum, auch oft einfach, existenziell ist jetzt ein großes Wort, aber einfach Fragen des täglichen Lebens und Überlebens im Sinne von, wie komme ich durch den Tag? Und dass da einfach Ressourcen fehlen, mich von der Pike auf einfach nochmal mit irgendwelchen WLAN-Verkabelungen zu beschäftigen, das braucht ja dann sogar zwei Ressourcen. Also Mathis, der mir das erklärt und ich die Geduld aufbringe, mich da einzufuchsen. Das ist einfach was, was mir in der jetzigen Situation total fehlt. Das ist etwas, was ich in einer Situation ohne Kind viel besser hätte lernen können. Sie spitzt das zu,
Kahla
00:32:31
Die spitzt das zu. Das ist die Zuspitzung.
Susi
00:32:33
Aber deswegen will ich noch mal sagen, die Chance, die ich sehe, die ist an einem ganz anderen Punkt, nämlich bei unseren Kindern. Nämlich gleich von Anfang an zu sagen, die Ausfahrt nicht zu verpassen, nicht zuzumachen, sondern eben in der Gesellschaft den Finger in die Wunde zu legen und zu sagen, Da sind Stellschrauben. Wo Rollenstereotype passieren, wo sich Mädchen einfach an anderen Dingen orientieren als Jungs und wo diese Trennung passiert. Das sehe ich als spannendere und weniger individuelle Aufgabe, eher als gesellschaftliche Aufgabe, das immer wieder zu hinterfragen. Und das geht bis zu, habe ich letztens in Insta-Post gelesen, Leselernbücher, wo dann Sätze stehen wie, Opa liest im Garten. Oma häkelt, Papa repariert das Auto, Mama wäscht ab.
Kahla
00:33:27
Klar.
Susi
00:33:27
Schon in diesen, das ist ja sowas von subversiv,
Kahla
00:33:31
Ist man schon die gesellschaftliche Bildung. Aber das ist es, genau das ist es. Conny, Conny, Conny, Conny besucht Oma und Opa. Oma liest ihr eine Gute-Nacht-Geschichte vor. Opa gibt ihr ein Küsschen und geht. Das ist das Narrativ. Das sind jetzt richtig große Sprünge, aber gut.
Susi
00:33:52
Das sind große Sprünge, aber du hast mir dieses Pokémon-Beispiel jetzt reingereicht auf Arbeit, wo dein Kleiner sagte...
Kahla
00:34:00
Ja, warte, ich sag's dir, genau. Er kam nach Hause und meinte so, Mama, wir haben Pokémon geguckt, die Männer jagen und die Pokémon-Frauen brüten.
Susi
00:34:10
Ist doch ekelhaft. Da sind wir doch bei Jägern und Sammlern. Das ist doch das, auch ein guter Punkt wirklich, was wir von Anfang an auch in der Schule und in der Bildung schon ganz früh mitkriegen, Jäger und Sammler. Die Männer gehen raus, jagen, sie sind auch die Künstler dann in der Höhle natürlich, ist klar. Und die Frauen, die sammeln die Bären. Deswegen können die auch im Supermarkt sofort die Sonderangebote ganz schnell sehen und erfassen und können auch so gut shoppen und wollen auch immer zu shoppen. Und weißt du, das ist für mich die Suche nach der Abfahrt. Wo ist sozusagen die Abfahrt, dass Mädchen sich weniger interessieren für Handwerk, IT, Kabellage, was weiß ich was, Physik. Das ist so vielfältig und das ist schon so unsichtbar, glaube ich, in unserer Gesellschaft. In so kleinen Beispielen, in der Schule von mir aus, in Fernsehserien, wo sofort eine Aufteilung ist, die Männer handeln, die Frauen sammeln, bären, sind zu Hause, kümmern sich, sind passiv. Ich möchte jetzt nochmal ein wunderschönes Beispiel rausgreifen, was wir hier auch noch für Stereotype-Darstellungen und für, ich würde sogar, frauenfeindliche Darstellungen im handwerklichen Bereich und in der Rollenverteilung anführen können. Ich möchte auch gleich auf unseren Insta-Kanal hinweisen, denn es kommt eigentlich aus einer Insta-Produktion. Wir haben die sogenannten Bullshit-Hits gesammelt, beziehungsweise deine Idee war es eigentlich. Erzähl mal.
Kahla
00:35:41
Ich habe einmal ein Bild von einem Zollstock gesucht, an einer Bilddatenbank. Und also dann kamen Frauen mit halb untergelassener Latzhose, die zwinkern, einen Zollstock in die Kamera halten. Bei Kettensägen kam dann auch Frau im Ledermini mit Highheels auf dem Stein mit Kettensäge als Penisverlängerung oder Kettensäge mit Frau im Bikini, Kettensäge über dem Kopf, Frau eingeölt und ich dachte so, okay krass, also und ich stehe wirklich auf Holz und Handwerken und so und mache viel selbst und so habe ich mich nie gesehen. Das finde ich eine Ohrfeige für alle Frauen oder Trans- oder Intersexuellen, ich finde es eine Ohrfeige, Frauen, die sowas machen wollen oder machen, so darzustellen. Und ich finde es richtig scheiße.
Susi
00:36:35
Man muss sagen, wir haben ja in unserem Beruf oft mit Bildern zu tun und kommunizieren halt viel über Bilder und bewegen uns halt in diesen Stockarchiven. Und das ist auch dann nicht ein Bild von einer blinden völlig inkompetenten Zollstockverwenderin, sondern es ist massenhaft. Ich fühle mich mittlerweile auch extrem zugespampt. Du kannst alles eingeben, Gießkanne, Gummistiefel und es wird immer nicht nur eine nackische geben, sondern viele. Und das hat aber auch so Komponenten von, die lachen immer, die müssen freundlich sein,
Kahla
00:37:08
Die müssen pleasen. Ja, pleasen ist, also es geht weitestgehend auch um eine sexualisierte Darstellung. Also man spricht ja dann Frauen in dem Moment auch eine handwerkliche Kompetenz ab und reduziert oder sagen wir mal priorisiert eine sexualisierte Darstellung. Und das geht auch bei Lernvideos ist das genauso auch mit Photoshop, dass oft auch immer irgendwie halb begleitete Frauen auf Motorhauben sitzen. Also es ist so ein, da kann man nur sagen, da stimmt was nicht.
Susi
00:37:36
Ja, und es ist wirklich, wie du sagst, du kannst Motorräder eingeben, du kannst Schachspiel eingeben. Zum Thema Frauen und Handwerk in der Darstellung ist es sozusagen, dass sie entweder lächerlich gemacht wird, dass sie irgendwie völlig tapsig mit diesen Geräten umgeht und das aber kompensiert über eine Sexualisierung. Also das Gerät ist völlig lächerlich, spielt gar keine Rolle, aber es ist halt irgendwie hot.
Kahla
00:37:58
Es geht nicht um die Tätigkeit.
Susi
00:38:00
Weil es nicht falsch sein soll oder sowas. Oder dieses Gegenbeispiel würde man gar nicht sehen, aber wenn man sich jetzt vorstellt, man würde den Frauen nicht die Kompetenz absprechen. Also das heißt, du hast eine Frau, die handwerklich total versiert ist und begabt ist. Kann man sich gut vorstellen, dass es in männliche Konkurrenz steht und damit männlich konnotiert ist. Das heißt, diese Frau kann dann wiederum nicht sexy sein. Also das schließt sich aus. Entweder du bist handwerklich kompetent oder du bist sexy und handwerklich inkompetent. Und das ist extrem problematisch. Und das ist nur ein ganz, ganz kleiner Ausschnitt aus unserem Berufsfeld, wo wir sagen, stopp, das ist absoluter Bullshit.
Kahla
00:38:40
Also sagen wir es mal so, ich hätte nicht gedacht, ehrlich gesagt, dass nach den ganzen Diskussionen auch über sexualisierte Darstellungen auch... Dass es sowas eigentlich noch in so einer weitverbreiteten Form gibt, dass sich sowas große Archive eigentlich noch leisten können. Aber so what? Dann geht mal auf den Insta-Kanal, dann könnt ihr diese Bullshit-Hits mal sehen.
Susi
00:39:03
Genau, und ich wollte auch noch dazu sagen, dass ich vor zehn Jahren gab es diese Bilder ja auch schon, Frauen auf Motorhauben und so weiter. Aber da habe ich das irgendwie so im ätherischen Rauschen irgendwie halt konsumiert, weggeguckt oder da ist mir das gar nicht so aufgeschlossen.
Kahla
00:39:17
Interessant, dass man die Bilder eigentlich, es geht mir ja genauso, dass ich viele Bilder und auch Stereotype zwar wahrgenommen habe, mich da selber ausgeschlossen habe, was natürlich auch ein Fremdgefühl ausmacht, aber dass man jetzt viel kritischer damit umgeht und das auch viel stärker medial benennen kann. Das sind ja auch jetzt die sozialen Medien und andere Formen wie Podcast haben der Sache eigentlich gedient, auch das aufzudecken und auch zu kritisieren, kann man so sagen.
Susi
00:39:43
Ja, ich würde immer sagen, es gibt auch immer wieder beide Tendenzen, auch in Social Media, muss man immer aufpassen, weil es halt immer sehr stark von Goodies umlassen ist. Es gibt auch nach wie vor einen ganz, ganz starken Beauty-Hype und Sexualisierung und so weiter in Social Media. Aber ich hoffe immer, dass man irgendwie doch merkt, dass diese feministische Bewegung, zumindest bei mir selber und dann vielleicht auch oft das große Bild aufgezogen, eine Wachheit erzeugt, dass man überhaupt erstmal ein Störgefühl empfindet als Frau und sagt, das wollen wir nicht mehr. Insofern eigentlich auch wieder ein bisschen verbittert talentloses,
Kahla
00:40:21
Tatsächlich talentloses Schuss für heute. Ich habe mit sechs Jahren den Ofen betoniert und der ging. Ich habe darauf Bohnen gekocht. kann ich nur empfehlen, also nicht betonieren, aber einfach diese Dinge zu machen, egal wie sie aussehen und do it.
Susi
00:40:34
Ich finde das so super und das ist mein neues Lebensmotto Lieber Queer.
Kahla
00:40:39
Ja genau, okay.
Susi
00:40:41
Auf Wiedersehen ihr Lieben. Tschüss.
Music
00:40:42

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