60. skinny, schön, ekelhaft: Feministischer Body-Horror
feministische Filmanalyse von The Substance und Die Fliege in Bezug auf Gender
11.06.2026 73 min
Zusammenfassung & Show Notes
Wie mich feministischer Body Horror mit meinem Körper versöhnt.
Zu Gast: Dr. Patricia Gwozdz
Zu Gast: Dr. Patricia Gwozdz
📢 Der feministische Podcast über Gender, Patriarchat & Popkultur
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💉 Was ist feministischer Body Horror?
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💉 Was ist feministischer Body Horror?
Body Horror zeigt den Ekel vor Körpern. Vor welchen Körpern ekeln wir uns? Körper im Wandel, in Transformation. Körper, die nicht das tun, was sie sollten oder wenn sie anders aussehen, als sie sollten. Body Horror verhandelt Normative und inszeniert Körperpolitik mit dem Körper als Schauplatz von Angst, Gewalt und Sehnsucht.
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🎙️ Zu Gast: Kulturwissenschaftlerin Dr. Patricia Gwozdz
Anhand der Filme The Substance und Die Fliege besprechen wir Body-Horror-Motive spezifisch weiblicher Körpererfahrung wie z.B. das Doppelgänger-Motiv, die Frau als Monster, Konsum und Auflösung.
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🎧 weitere Folgen mit Patricia:
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🎧 weitere feministische Filmanalysen:
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🎧 weitere feministische Filmanalysen:
- Pretty Woman unpacked – Das Pick me girl in mir
- Die Schöne und das Biest: Toxic Romance
- Fragile Männlichkeit in: Joker
- Die Denunziationsmännlichkeit in: Oppenheimer
📚 Referenzen:
- Interview: Demi Moore is done with the Male Gaze
- Demi Moore. Inside Out – Mein Leben (Autobiografie)
- 8 Bissen . Carmen Maria Machado (Erzählungen)
- Gruselige Zeiten (fluter)
- Der reinste Horror (DIE ZEIT 🔗 free Link)
- Monstrous Flesh: Women’s Bodies in Horror Film (Artikel)
- @jessicadefino_ (Beauty reporter NY Times, Vice, Vogue)
- Laury Penny. Non Compete Clause (The Baffler)
- Kannibalismus in der Weird Girl Fiction (Artikel)
- Laurie Penny. Fleischmarkt – Weibliche Körper im Kapitalismus (2012)
- Naomi Klein. Doppelgänger (Sachbuch)
- 🎞️ Titane (Film. 2021)
- 🎞️ Cannibal Mukbang (2025)
- 🎞️ Love lies Bleeding (2024)
- 🎞️ The Ugly StepSister (2025)
- 🎞️ Animale (2026)
- 📕 Die blutige Kammer. Angela Carter (Märchen feministsisch neu erzählt)
- 📕 Das beste sind die Augen (Roman. 2025)
- 🎧 Monstrous Flesh Podcast
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Transkript
Was mich am Monster immer so interessiert, dass das Monster vor allen Dingen
darunter leidet, dass es eine bestimmte Norm nicht erfüllt.
Body Horror hat immer schon mit diesen Geschlechtsgrenzen, also einerseits Geschlechtsidentität
natürlich, aber auch mit dem Fluiden natürlich auch gearbeitet.
Wenn ich das jetzt auf Weiblichkeitserzählungen beziehe, dann sehe ich da ganz
doll den Aspekt der Selbstregulation und der Kontrolle. Sodass vielleicht eine
Sehnsucht sein könnte, Kontrolle aufzugeben und Selbstregulation aufzugeben.
Der Schmerz ist das Wesentlichste. Innen und Außen verbindet sich nur über den Schmerz.
Okay Leute, ich gehe heute kalt rein. Da ist ein Unbehagen und ein Kampf gegen
meinen Körper, schon mein ganzes Leben lang.
Und man könnte meinen, dass dieses Unbehagen sich komplett normalisiert hat,
unmerklich geworden ist, so wie Schwerkraft.
All die Dinge, die Menschen tun, um schön zu sein, um zu genügen,
um sichtbar zu sein, weil sie denken, dass sie nur auf diese Weise liebenswert sind.
Von Make-up zum Entharren, Tangas tragen oder zu hänge Hosen,
die Kneifen, BHs, tut mir leid, es gibt nichts Unbequemeres.
Oder hohe Schuhe, Tippelschritte im Stiftkleid, Haare mit einem heißen Eisen
glätten, Augenbrauen zupfen, Vulva wechsingen, Unmengen an Geld für Kosmetik
ausgeben und ganz zu schweigen von chirurgischen Eingriffen.
Diäten, hungern, kotzen, Kalorien zählen, endloses Fitnesstraining,
Selbstregulation, Selbstdisziplin, Selbstoptimierung, Bad-Girl-Routines und
Hyaluron, weil ich es mir wert bin.
Und am Ende steht da diese Illusion deines Körpers, deines fragilen Stückwerks,
das jeden Moment zu platzen droht oder zu zerbröckeln.
Und dann bekommst du Angst, irgendjemand könnte hinter die Fassade sehen,
hinter diesen ganzen Aufwand, diesen Fake, diese Besessenheit.
Jemand wird bemerken, dass du noch kein wirksames Mittel gegen Pickel am Arsch
gefunden hast. Oder beim besten Willen dir kein Thigh-Gap antrainieren kannst.
Oder, dass der zweite Zeh größer als der große Onkel ist.
Oder deine unbarmherzigen Augenringe. Es wird nie weggehen, dieses Gefühl,
dass dein Körper für andere abstoßend ist.
Und das ist doch der absolute Horror.
Leute, herzlich willkommen zu Verbittertalentlos. Heute geht es um feministischen
Body-Horror, um Filme, in denen Körper sich verändern, auflösen, mutieren.
Seit The Substance 2024 rauskam, sehe ich immer mehr Filme, die von spezifisch
weiblichen Body-Horror erzählen,
zum Beispiel Love, Life, Bleeding oder Animale, The Ugly Stepsister.
Aber es gibt auch ältere Filme wie Titan oder Raw,
Denn das Genre eignet sich hervorragend, um Körperpolitik zu thematisieren.
The Substance hat mich nicht mehr losgelassen seitdem und wurde meiner Meinung
nach viel zu oberflächlich rezensiert.
Deswegen kümmern wir uns heute um eine tiefe Filmanalyse. Aber keine Angst,
ihr müsst weder Horrorfans sein, noch müsst ihr die Filme kennen.
Es wird heute um Erzählmuster gehen, um Motive und ihre Deutung.
Und dafür habe ich mir die Cineastin, die größte Brad aus Berlin und Kulturwissenschaftlerin, Dr.
Patricia Gwotscht eingeladen. Sie hat zu Schmerz, Horror und Monstern geforscht
und kann feministischen Horror wunderbar in die Genre-Tradition einordnen.
Mit Patricia gibt es auch schon zwei andere Folgen. Falls ihr jetzt nach dieser
Folge Fans werdet, stelle ich euch wie immer in die Shownotes.
Und ja, Patricia, erst mal schön, dass du da bist. Ich freue mich,
dass wir endlich über feministischen Body Horror sprechen können.
Danke für die Einladung. Ich freue mich sehr. Ich habe mir ganz viele Gedanken
gemacht, aber ich glaube, wir machen ganz viel Impro-Thinking, würde ich mal sagen.
Also ich glaube, ganz wichtig ist nochmal, warum gibt es diese Genre und was
verhandelt diese Genre? Was ist Body Horror?
Bei Body Horror ist ganz wichtig, dass es irgendwie eine Transformation von
einem Körper A in einen Körper B gibt.
Und dass es von etwas Bekanntem zu etwas Unbekanntem wird.
Also es muss irgendwie, wie soll ich sagen, ein Unterschied gemacht werden.
Und vor allem natürlich sichtbar sein. Also das ist total entscheidend.
Und im Grunde ist das erstmal so das wichtigste Merkmal, was man vom normalen
Horror jetzt unterscheiden könnte.
Also ich bin nicht so eine horrorversierte Person.
Ich mag das Genre auch wirklich nicht gerne, weil ich mich nicht gerne grusel
und so. Aber ich stelle es mir so vor, dass in so traditionellen Horrorfilmen
kommt der Horror so von außen.
Man wird verfolgt oder da ist irgendwas Übernatürliches oder.
Ein Horrorhaus oder so. Also die Umgebung.
Und bei dem Body-Horror ist sozusagen das Innere und der Körper,
der eigene Körper vielleicht sogar, das, was dann bedrohlich wird oder ich mach
mal ein Fragezeichen hinter bedrohlich, weil darüber werden wir noch sprechen.
Und dann ist es ja ganz interessant, überhaupt erstmal zu gucken,
was ist es denn für eine Körperlichkeit, vor der wir uns ekeln oder die wir
als bedrohlich empfinden.
Schleim, das Triefende, das Kriechende, also es muss so eine bestimmte Schleimigkeit,
so eine Viskosität haben, so was Klebriges.
Wenn ich es mal kurz mit Substance abgleiche, wir haben Blut und wir haben Eiter,
das ist so ekelhaft, wir haben auch noch andere Flüssigkeiten,
aber warum ist das so beunruhigend für uns, so Eiterschleim?
Und könnte es sein, dass Flüssigkeiten an sich gegenüber harten Materialien,
wir hatten das ja auch in unserer Rocky-Folge, also Stein versus Wasser,
dass Flüssigkeit an sich schon etwas Transformatorisches und deswegen Unheimliches oder ...
Und stet es etwas ist, womit wir nicht gut umgehen können gegenüber einem,
weil du vorhin gesagt hast, ein bekannter Zustand zu einem unbekannten Zustand,
dass die Flüssigkeit an sich eigentlich schon immer ein Verweis auf einen Zustand
ist, der nicht definierbar ist.
Ja, sehr gut, auf jeden Fall. Das, was Grenzen verwischt,
wo die Grenzen im Grunde aufgelöst werden bei Flüssigkeit, natürlich auch Viskositäten
oder Schleim oder was Klebriges kann begrenzend sein, aber wir wissen,
es kann sich ja auch weiter aussehen. Es ist sozusagen flexibel in den Grenzen.
Wir wissen nicht, wann es aufhört. Es kann sozusagen noch mehr werden.
Und bei den Flüssigkeiten generell, es gibt ja auch diese schöne philosophische
Kopplung von Mare und Mutter und natürlich auch der Frauenkörper in Body Horror,
der natürlich per se diese Flüssigkeiten einfach schon hergibt.
Das ist natürlich beim männlichen Körper auch, wenn wir sagen, Sperma ist super eklig.
Es ist mega eklig.
Müssen wir Ananas essen.
Die Schmecker sind halt verschieden.
Nee, genau. Also einerseits können wir jetzt sagen, dass Flüssigkeiten ja nicht
spezifisch Weibliches sind.
Und trotzdem hattest du es, glaube ich, auch in dem RockiBee-Podcast gesagt,
dass das Schleimige auch mit Weiblichkeit assoziiert wird.
Ich weiß nur nicht, ob wir heute damit weiterkommen. Wir machen noch einen kleinen
Vergleich nachher auch zwischen die Fliege und Substance. Wenn ich jetzt so an die Fliege denke...
Dann ist ja das Eklige an diesem Körper, was ist da eigentlich so eklig,
dass der aussieht wie umgekrempelt, so von innen nach außen.
So ist es, das Innere, was irgendwie nach außen kommt, ja geht es eigentlich
wirklich um den Körper oder ist es sozusagen das Seelische, was sich rauskitzeln
will, was irgendwie ausbrechen will aus dem Körper als Gefängnis.
Und was vielleicht auch noch dann interessant sein könnte, also gerade wenn
es im Hinblick natürlich auf Gender, Gender, Body Horror, im Grunde war Body
Horror immer, deswegen The Fly, das ist mir auch super spät eigentlich.
Ich kenne den Film in und auswendig, dann hatte ich den im Seminar und dachte,
oh mein Gott, es geht um Männlichkeit.
Warum habe ich das nicht gesehen?
Body Horror hat schon von vornherein, ohne sich selbst festzumachen oder zu
definieren, immer schon mit diesen Geschlechtsgrenzen.
Also einerseits Geschlechtsidentität natürlich, aber auch mit dem Fluiden natürlich auch gearbeitet.
Ich will mal an diesem Monströsen auch bleiben. Also der Körper verwandelt sich
und wird zu einem Körper, den wir nicht mehr als ...
Ja, normativ, menschlich zivilisiert
erkennen können, sondern es gibt dann irgendeine Form von Monster.
Das können Hybridwesen sein, wie in Animale oder das kann sowas sein wie weibliche
Gewalt oder Aggressionen wie in Love-List-Bleeding.
In The Substance ist es eben die Doppelgängerin und das Öffnen des Körpers eigentlich,
aber wir sehen auch ein Monster.
Aber woran machen wir das Monster eigentlich fest? Weil wir wissen ja,
also auch als Zuschauerin, dass in diesem monströsen Körper ja sozusagen dieser
menschliche Geist oder auch das menschliche Wesen an sich noch drin steckt.
Also wie können wir das Monster greifen sozusagen als Figur?
Also innerhalb des Body-Horrors ist es, also wir haben natürlich,
wir müssen 90 Minuten in so einem Film füllen.
Das heißt, Monster kann sich ja auch nicht plötzlich in dieser Szene schon verwandeln.
Das ist ja ein Prozess, der wird super langsam gezeigt.
Je langsamer, desto besser im Grunde auch.
Die Frage ist, ob uns das schon reicht, im Grunde auch bei der Fliege,
nur dieses eine eklige Haar am Rücken zu spüren.
Also schon dieses erste Fliegenhaar, was, ich glaube, es ist während der Sex-Szene
sogar, was sie dann spürt oder kurz danach.
Und da merkt man schon so als Zuschauer und sie sticht sich daran,
sie pikst sich daran und denkt, ah,
das ist schon das erste Anzeichen und Monster, Monstrare,
Anzeigen in die Zukunft vorausweisen etwas, was wir noch nicht kennen,
was sie sich erst in der Zukunft sozusagen offenbart im Grunde auch,
es zeigt sozusagen Vorausweisendes, das ist sozusagen etymologisch immer schon
da in diesen monströsen Anzeigen.
Und das ist das Interessante oder das Wichtige auch zu klassischen Monster-Filmen,
sage ich mal, wo wir ein Monster schon von außen gegeben haben,
ja, oder das Alien als Monster, was immer schon da ist.
Und das ist, glaube ich, das Entscheidende für mich an der Fliege und bei The
Substance ist es dann natürlich ähnlich.
Es ist wirklich dann erst das Monster, wenn es komplett verwandelt ist.
Also meine Definition ist das Monster schlechthin dann wirklich,
wenn wir es vor uns sehen. Und dass das vollständig andere ist.
Dass Nullähnlichkeit oder nur noch ein bisschen Ähnlichkeit zu dem eigentlichen
Selbst oder dem eigentlichen menschlichen.
Ich glaube, das, was mich am Monster immer so interessiert, dass wir in den
modernen Monsterfilmen, neuerdings wieder Frankenstein, Neuverfilmung und so
weiter, immer auch in Frage stellen,
wer das Monster ist, wer das Monster erschaffen hat, woher es kommt.
Und das Monster erst mal vor allen Dingen darunter leidet, dass es eine bestimmte Norm nicht erfüllt.
Und dann können wir so den Bogen schlagen und sagen, dass ein Horror oder ein
Body-Horror Normalität und Normative verhandelt. Absolut.
Und damit ist es ein politisches Genre, was ich total abgefahren finde,
was ich jetzt wirklich erst durch The Substance verstanden habe.
Mich hat das vorher nie interessiert, so geisterbahnmäßig ein bisschen Gänsehaut zu haben.
In The Substance hat es mich einfach berührt. Ich habe ganz viel auf mich projizieren
können oder auf meine weibliche Körpererfahrung.
Und dachte, also das hat man ja auch an den Rezensionen gemerkt,
dass sich viele so schwer getan haben damit, so nach dem Motto,
oh ja, wir haben es kapiert, sie hat Angst zu altern, warum muss man da zwei
Stunden erzählen? Ja, warum?
Weil sie das an ganz vielen drastischen Motiven durchspielt,
was da eigentlich passiert und wo eigentlich die Definition von Monster sind
und wo sind die Grenzen und wann ist sie monströs und wann nicht und wen definieren
wir als Monster? Das wird da alles ständig verhandelt.
Und das finde ich total aufregend. Also Body Horror als einen politischen Film
zu verstehen, der uns immer erklärt, das ist normal, das ist unnormal.
Und da ist Gender natürlich ein Riesenfeld einfach.
Deswegen viele von euch oder ich könnte mir vorstellen, dass viele vielleicht
ein Problem haben, da jetzt so einen schönen Body Horror Marathon zu machen.
Aber mir hat es wirklich was gegeben, muss ich sagen, auch die Sichtbarkeit davon.
Wir sind bei Monstrare, das mal sichtbar zu haben, eine weibliche Körperlichkeit,
die nicht ein Ekel auf den Male-Gaze auswirkt, sondern wieder auf weibliches
Publikum zurückreferiert.
Und du guckst es an und denkst dir so, okay, jetzt mal ganz platt gesagt,
vielleicht lasse ich mir doch nicht meinen Magen verkleinern und irgendeinen
Schönheitseingriff machen, weil ich jetzt einmal das durchgespielt gesehen habe,
wie krass eklig das sein kann oder so.
Und es befriedigt einerseits, man darf nicht vergessen, es ist und bleibt Unterhaltung,
es ist Sensationslust, es gibt immer schon, deswegen ist das Genre prädestiniert
genau für solche Themen, weil es genau diese Sucht befriedigen will und wenn es klug gemacht ist,
dann hat es genau diesen gesellschaftspolitischen, kritischen Effekt,
dass wir über unsere alltägliche Wahrnehmung einfach viel genauer nachdenken
und uns viel genauer im Spiegel auf einmal betrachten.
Also den Effekt hatte das auf jeden Fall für mich.
Ich weiß nicht, ob es denselben Effekt auf die Hauptdarstellerin hatte,
unsere Damie Moore, weil wenn ich die manchmal bei Instagram jetzt so sehe,
das ist witzig, dass sozusagen sie als die Damie Moore und bisher auch Damie
Moore Spezialistin und wir tauschen uns ab und zu über die alten 80er, 90er Jahre Filme aus,
Also, dass die Drastik in ihrer realen Gestalt jetzt, dass das für mich wie
Real Body Horror aussieht.
Ja, sie ist noch in Character.
So die ganze Zeit. Ja, genau. Method Acting. Method Acting. Also,
wenn jemand was genau über Method Acting sehen will, dann kann man das jetzt beobachten.
Genau, dann ist es Demi Moore. So, ich bin wirklich, nachdem der Film rauskam,
hab ich gedacht, alter, Demi Moore ist back. Ist das krass.
Ich hab mich auch gefreut.
Ich war nie ein richtiger Demi Moore-Fan, aber ich hab natürlich hier ein unmoralisches
Angebot, die Akte Jane, eine Frage der Ehre.
Man, es gibt so viele Filme, die ich einfach geliebt habe und Demi Moore war
einfach immer da und jetzt ist sie zurück.
Und dann hatte sie ein Interview gegeben fürs New York Time Magazine,
stelle ich euch auch nochmal in die Shownotes, den Podcast, der ist super spannend,
wo sie dann gefragt wird, wie das für sie war.
Also onscreen, dann sie ist 60, als sie den Film gedreht hat und man sieht halt alle.
Sie ist komplett nackt like the whole time irgendwie und wird von allen Seiten
auch ein bisschen male-gazy Camera, Pen und so mäßig gefilmt und inszeniert
und wie das so für sie war.
Und dann sagte sie, ja, nee, das war alles total entspannt, weil ich war ja
die Hässliche in dem Film.
Und dann sagt sie, ich habe mein ganzes Leben lang immer den Love Interest gespielt
und musste immer on point sein und immer das Gewicht haben und immer schön sein
und immer die Brüste sind zu groß, die Brüste sind zu klein,
die Haare sind zu lang, die Haare sind zu kurz,
die Taille ist zu weit, die Taille ist zu dünn, die Beine sind zu dduh,
dduh, dduh, dduh, also auch dieses ständigen Wechsel von Schönheitsidealen und
in dem Film konnte sie so sein, wie sie ist, oh mein Gott,
dann guckst du den Film und denkst dir so,
Die ist 60? Willst du mich verarschen? Da sehe ich ja älter aus als die.
Und dann hast du eben die junge Doppelgängerin, Sue.
Und sie wird gespielt von der Tochter von Annie McDowell, Margaret Crawley.
Und da denkst du ja auch, wo haben sie die denn ausgebuddelt?
Was ist denn das für eine Elfe? Also geht es noch perfekter?
So ein starker Kontrast ist ja da gar nicht. Weil, wie gesagt,
die 60-jährige Demi Moore wahrscheinlich immer noch sieben Stunden am Tag trainiert.
Und dann habe ich mir die Biografie, die sehr lesenswerte Biografie von Demi
Moore geholt, die, glaube ich, Inside Out heißt.
Oh nein.
Ich muss nochmal nachgucken, stelle ich euch auch in die Show.
Die war super, weil es ist so ein bisschen der ganze Hollywood-Gossip natürlich
mit Bruce Willis und ihren FilmpartnerInnen.
Und dann hat sie eben natürlich die Problematik gehabt von, ich will gar nicht
fitnesssüchtig sagen, sondern die hat einfach trainiert bis zum Umfallen,
Hat dann aber super wenig gegessen, hatte eine Essstörung, eine Alkohol- und Drogenabhängigkeit.
Also die hat ihren Körper da komplett fertig gemacht. Die hat in dem Buch beschrieben,
dass sie während ihrer Schwangerschaft auf Diät war.
Sie hat dann während der Schwangerschaft den Vertrag für eine Frage der Ehre
unterschrieben. Und da spielt sie in Uniform. Und die Uniform war schon fertig.
Das heißt, sie hatte dann Konfektionsgröße 34 und die konnte natürlich nicht
geändert werden. Nein, nein, das wäre viel zu teuer.
Das können wir wirklich nicht machen, Demi. Nee, da musst du dann gucken,
dass du dann dein After-Baby-Body da wirklich in die Uniform reinkriegst.
Wie doof ist das? Also ich hätte es ja verstanden, wenn es Striptease gewesen
wäre, dass man dann sagt, naja, mit deinem Baby-Bäuchlein Stimmt.
Den Film hat sie auch gemacht.
Ja, ja, genau. Nee, das war aber davor. Und dann eine Frage der Ehre,
wäre ja perfekt gewesen.
Zieh doch einfach ein Jackett über und keiner merkt es. Die hat ja nicht mal,
sie waren, da gab es so ein Techtel-Mächtel mit Tom Cruise, aber es war nicht ein Romance.
Es gab kein Sex und so weiter. Das war doch super.
Selbst für den Film musste sie sich wieder ganz schnell runter hungern und dann
die Akte Jane, wir haben es alle gesehen, wie krass sie sich auch transformiert
hat und sie wurde ja auch geschämt und Demi Moore beschreibt in dem Buch,
sie wurde immer geschämt.
Bei Die Akte Jane war sie zu muskulös, bei Striptease war sie zu sexy,
bei Eine Frage der Ehre war sie zu Bushikus.
Der Film heißt Striptease, wie kann man da zu sexy sein?
Sie hat sich die Brüste machen lassen für Striptease und es war ja eh eine Provokation schon an sich.
Dann hat sie als erste Frau ihren Schwangerschaftsbauch auf der Vogue, glaube ich, gehabt.
Sie hat so ein ganz ikonisches Porträtfoto machen lassen, die hochschwanger war.
Auch dafür wurde sie geschämt und alle fanden es nicht angemessen und, und, und, und.
Und jetzt wird es gefeiert mit Beyoncé und Rihanna.
Sie war die Vorreiterin. Wer hätte es gedacht? Und ich finde,
unter der Prämisse, jetzt festzustellen,
dass es heuchlerisch wäre, eine Demi Moore in einem Film wie The Substance zu
besetzen, weil sie das selber lebt, was die Protagonistin eigentlich durchmacht, denke ich mir,
hallo, habt ihr es überhaupt nicht kapiert?
Das ist ganz normale Lebensrealität von Hollywoodstars.
Von das, was wir onscreen irgendwie sehen wollen. und ich finde,
dass es eigentlich großartig, dass sie den Film gemacht hat,
man könnte es schon fast selbstironisch nennen auf eine Art.
Aber sie kommt da natürlich nicht raus,
Natürlich nicht, ich würde das auch gar nicht von ihr erwarten so,
jetzt haben wir den Demi Morte gemacht, jetzt will ich nochmal an dieses Ding
ran, das Innen und das Außen,
also was ich ganz auffällig fand nochmal war das Thema, weil ich vorhin auch
umgekrempelt gesagt habe, also Haut, ja,
Immer wenn Haut aufgeht oder sich entzündet oder sich verändert,
die Farbe verändert oder die Struktur verändert, da kommt so ein fieser Bodyhorror
rein, oder? Also Haut ist so ein ganz...
Ja, der beste. Ja, Dermatologie. Die Haut ist das zentrale Organ,
man darf es ja nicht vergessen, obwohl es nicht innen ist, sondern uns sozusagen
erst beschützt, unser Inneres.
Es ist die letzte Grenze, die uns sozusagen noch von der Außenwelt trennt.
Aber sie auch mit ihr verbindet, Schweiß, Poren, ja.
Und was mich immer interessiert hat, da habe ich mich noch gar nicht mit Bodyhorror
auseinandergesetzt, Claudia Bentin ist eine super kluge Germanistin,
Kulturwissenschaftlerin, forschende Hamburg und hat über Kulturgeschichte der Haut geschrieben.
Und sie ist ihm nachgegangen, wie...
Unser Umgang mit Haut generell, kulturgeschichtlich, anthropologisch,
eigentlich zu unserem Selbstbildnis führt.
Also wie eigentlich über die Definition von dermatologischen Prozessen,
also von Haut, dass es eigentlich eine Hülle ist, über die wir unser eigenes
Ich definieren. Also Ich gleich Haut.
Und das heißt, alles, was du gerade angemerkt hast, also gerade bei der Transformation,
wenn es um Fingernägel geht, aber auch kleine Risse in der Haut,
auch natürlich psychosomatische Dinge, Wir kennen bestimmt viele Neurodermitis, Schuppenflechte.
Also ganz viele Menschen haben das und jeder weiß, es ist zwischen Stress und
Psyche. Und die Haut zeigt aber alles. Du kannst die Haut nicht verstecken.
Du kannst dich natürlich operieren lassen, was auch immer. Aber früher oder
später, hinter jedem kleinen Botox-Stich, wird es früher oder später, kommt das Innere raus.
Und das Schöne an der Hautfunktion ist, sie schützt uns. Aber sie lässt natürlich
auch, weil sie so transparent ist, das Äußere rein.
Also Viren, Bakterien, alles mögliche Flüssigkeiten, die wir aufnehmen.
Und sie drückt das Innere nach außen. Talg. Wir wissen es, Mitesser.
Ja, ich hatte eine ganz schlimme Phase, als ich jung war. Weißt du, was ich so fies finde?
Ich habe auch so ein Thema mit Haut bei Stress. Also zum Beispiel während Corona.
Ich habe so ein Eczem bekommen.
So um den Mund rum. Und dann hat man halt sowas und guckt sich an und denkt, das ist halt eklig.
Und dabei sagt mein Körper oder zeigt mein Körper einfach nur,
Susi, die hat gerade Probleme.
Sie hat Probleme, sagen wir es mal so. Und ich schäme mich dann dafür.
Und wenn wir das jetzt in einem Bodyhorror weiterführen, wie bei die Fliege,
Seth Brundle, wo es ja auch mit Pickel anfängt, irgendwie komische Haare.
Und es geht aber in dieses Monströse über, dann könnte man ja auch zurückspiegeln und sagen,
dieses Eczem um meinen Mund war halt auch schon ein monströses Zeichen oder
Auswuchs, weil das ist halt nicht normal und das ist nicht schön und das ist
nicht ästhetisch, aber das ist ja total fies.
Genau, und normalerweise müsste man dann sagen, ich muss was dagegen tun.
Ja klar, was ich mir da alles draufgeschmiert habe.
Ja, also man will es auch wieder verstecken. Aber diese sich verstecken,
und das macht ja unsere Fliege ja dann auch, eine ganze Zeit lang ist die Transformation,
behält dieser Körper das mehr oder weniger für sich, will es gar nicht zeigen,
bis es dann doch Kontakt braucht zur Außenwelt und darüber irgendwie reden will.
Aber im Grunde, gerade dein Beispiel ist eigentlich perfekt,
sobald wir sehen, okay, da kommt jetzt was raus, ich fühle mich da gar nicht
wohl mit, ich will es verstecken, es soll wieder nach innen zurückgehen.
Das heißt, man hat dann auf einmal diese Angst und die Frage ist,
ist es wirklich die Angst, weil man das selbst nicht sehen will oder weil man
Angst hat, von den anderen so gesehen zu werden.
Und das ist ja meistens eher immer das Zweite, also das sozusagen die anderen,
diesen hässlichen Makel, man sagt ja, der Makel.
Ja, so und dann habe ich gestern noch so weiter rumgekaut an dem Inneren,
was nach außen kommt, also das finde ich ja wirklich super, die Haut als Transmitter
sozusagen von inneren Zuständen eigentlich schon fast,
weil wir können ja auch sagen, dass der Stoffwechsel beeinflusst ist durch unsere
Psyche und so weiter und es dringt nach außen so und dann wird es zum Zeichen.
So, und was ist jetzt dieses Innere? Wir haben natürlich, was ich gerade schon
unterschieden habe, die inneren Körperprozesse.
Und wir haben die inneren geistigen Prozesse.
Und dann habe ich mir auch so, weißt du, wegen dem Corona-Beispiel noch so überlegt,
was ist in unserem Inneren, was wir auf keinen Fall nach außen zeigen wollen?
Also es gibt so was wie ein Geheimnis, könnte man sagen. Es gibt Angst und Ekel.
Und es gibt aber auch Sehnsüchte. Das wären so meine drei Kategorien,
wo ich sagen würde, das sind alles Dinge, die in meinem Inneren vorgehen,
die nach außen kommen könnten.
Und wo ich dann Angst hätte. Und warum habe ich Angst, dass Leute es sehen?
Weil sie mich dann abstoßend finden könnten. So ist es.
Nur bei diesem Eczem zum Beispiel ist es ja so, hatte ich ja einfach nur Angst,
dass Leute mich ablehnen.
Weil du ansteckend sein könntest. Fällt mir gerade ein, oder?
Ja, genau. Das ist, glaube ich, auch das Infektiöse, das Ansteckende.
Das heißt, im Grunde ist, sobald dieses erste Zeichen das Innere nach außen
dringt über die Haut, ist es natürlich auch schon Warnsignal.
Bitte nicht anfassen. Outbreak.
Jetzt kommen wir mal zur Sehnsucht. Du hast es ja schon angeteasert in die Fliege.
Haben wir eine Männlichkeitserzählung? Wir hauen das jetzt einfach mal so raus, die These.
Guckt euch den an, den Film. Und wenn ihr den mit der Genderbrille guckt,
werdet ihr die ganze Zeit Hinweise auf Männlichkeit finden.
Weil in dem Moment, wo er sich verwandelt, wird er vom Nerd-Guy,
wir sind in den 80er Jahren, wir haben
ein neues Männlichkeitsbild durch Technologisierung und neue Berufsfelder.
Wird er vom Nerd-Guy zum tierischen Super-Lover.
Also er wird erst horny, dann wird er aggressiv.
Er wird so super sportlich, fit und könnte so Bäume ausreisen, so agil.
Also du siehst so die ganze Zeit an dieser Transformation der Fliege. Er findet das auch geil.
Das macht ihn jetzt nicht irgendwie nervös oder so, dass er jetzt sexsüchtig
geworden ist über Nacht.
Sie kann auch schon nicht mehr. Ja, ja. Wie, nochmal?
Lass mich doch mal kurz nochmal austoben.
Nein, wir machen jetzt weiter.
Und er sagt dann noch in dem Restaurant, ich bin finally the real me.
Ich habe endlich zu mir selber gefunden. Er hat die ganze Zeit gegen seine Natur
gelebt und war der Nerd-Guy in seinem Labor.
Niemand hat ihn beachtet, er war ganz alleine und plötzlich hat er endlich was
an sich gefunden, wo er denkt, ach so, ja, jetzt, das ist meine innere Stärke.
Und da sehen wir eine ganz starke Sehnsucht nach einem Männlichkeitsbild,
was in den 80er Jahren sich langsam aufweicht und sich austauscht über zum Beispiel
intellektuelle Softboys.
Kurze Zeit später wird dann Metro kommen. Wir wissen alle, wir haben alle die
Beckham-Doku geguckt. Ich noch nicht. Dann wird es Zeit, meine Liebe.
Also das Männlichkeitsbild verändert
sich und für Männer entsteht ein Konflikt, weil was ist denn nun?
Also ich dachte, ich soll stark sein und jetzt soll ich auf einmal ein gefügsamer Bürokörper werden.
Und sowas wirkt dann ausgleichend, so ein Film, weil die Männlichkeitsanzählung ja am Ende scheitert.
Also die Fliege überlebt nicht und wir lernen, ach Seth Brundle,
der war doch eigentlich auch cool, so wie er war und der braucht den ganzen
Schmuh mit der Männlichkeit da nicht.
Da haben wir eine ganz krasse Sehnsucht. Wenn ich das jetzt auf Weiblichkeitserzählungen
beziehe, dann sehe ich da ganz doll den Aspekt der Selbstregulation und der Kontrolle.
Also, dass vielleicht eine Sehnsucht, und das sehen wir auch in The Substance
von weiblichen Körperrealitäten sein könnte, Kontrolle aufzugeben und Selbstregulation
aufzugeben, in den Exzess zu gehen.
Da stimme ich dir zu und die Frage ist halt Selbstdisziplinierung.
Michel Foucault, französischer Philosoph.
Jetzt kommt der Doktortitel.
Nein, müssen wir gar nicht drüber. Will sprechen. Ich finde es geil.
Es ist auch schon länger her, dass ich mich mit ihm so intensiv auseinandergesetzt habe.
Aber diese Selbstdisziplinierungstechniken, die ist schon eigentlich bei unseren
alten Griechen, antike Philosophen und so weiter.
Die Gymnastik, die neue Männlichkeit, die damals schon den jungen Körper trainiert hat und so weiter.
Also es gibt diese Kontrolle natürlich auch. Wir haben uns ja über Männlichkeit
und Bodybuilding und so weiter unterhalten auch.
Bei Frauen ist es natürlich dann noch mal, Wenn wir zu The Substance konkret
übergehen, auch nochmal so eine Art von, wie könnte man das sagen,
diese Hyper-Selbstkontrolle und Selbstdisziplinierung führt dann irgendwann zu diesem Hass.
Die Frage ist, ist Hass wirklich auf das eigene Selbst oder halt auf diese Kontrolle?
Und ich glaube, das ist etwas, was dann dieses Hass.
Und loslassen, vor allem in der Fressszene, wo beide Körper sich aneinander
eigentlich rächen wollen, das zeigt dann diesen,
ich verliere jetzt die Kontrolle, scheiß auf die Diät, ich koche jetzt so viel,
ich fresse alles, alle Burger, alle Hähnchen, alles, was ich finden kann,
stopfe ich in mich hinein, um zu platzen am besten.
Ja, auch wieder um so eine Entgrenzung, also diese Fresszene ist wirklich so
eine absolute Entgrenzungsszene,
die dann auch nochmal potenziert wird, wenn wir dann die junge Sue sehen,
die dann tanzt und dann sieht man diesen Hühnerknochen, der aus dieser Arschbacke raus will.
Finde ich jetzt auch nochmal einen wichtigen Begriff, den ich jetzt nochmal
unterstreichen wollte, weil Entgrenzung und Exzess, wenn eine Grenze irgendwie
aufgeht oder was reinlässt oder so, es kann beängstigend sein und kann eine
Bedrohung sein, aber es kann eben auch befreiend sein.
Und das wollte ich einfach nochmal rausstellen für The Substance,
weil genau was du sagst, wir haben beides.
Wir haben so einen ganz starken Selbsthass und eine Entfremdung mit dem eigenen
Körper und wir haben dann aber eben auch entgrenzte,
extrem frei agierende weibliche Körperlichkeit, die wir dann onscreen sehen,
die wir eigentlich fast nie sehen.
Und die auch ein bisschen beängstigend ist an sich, aber auch ein bisschen witzig
und die einfach Gender-Stereotype durchbricht.
Einen Punkt habe ich noch zu Innen und Außen, Körper und Psyche,
weil du hast ja schon ganz zackhaft Foucault erwähnt.
Mir ist so, als hätte ich mal auch irgendwie im Grundstudium von so einer Dichotomie
Körper und Psyche, Vernunft und das animalische Natur und Kultur. Ja, genau.
Der Trieb und die Vernunft. Könnte es auch sein, dass im Body-Horror eigentlich
so eine aufklärerische Idee von überhaupt Vernunft verhandelt wird?
Absolut. Und da ist schon wieder The Fly das beste Beispiel,
weil sobald er die Fliege isst, da ist nicht mehr sozusagen der Wissenschaftler
und er isst die Fliege, er denkt
wie eine Fliege, dass er dann von der Rationalität dieses Menschlichen,
Ja, aber er denkt auch noch wie ein Mensch teilweise Bis er dann.
Er sagt dann irgendwie Endlich habe ich das Wesen der Fliege verstanden Oder
sogar eine Politik Oder das Parlament der Fliegen Insekten
Haben keine Politik Das Gesetz ist stärkerin So.
Ist es Und das ist der Punkt sozusagen Die Grenze ist wieder gezogen Es gibt
nicht mehr dieses Fluide Scheiß
auf den menschlichen Körper Ich bin jetzt dieses Insekt Ich nehme mir,
Was ich will Und was will er?
Die Frau. Sehr schön.
Und ich habe jetzt aber noch einen Punkt, und zwar der Körper per se als animalische
Gegenform zu unserem zivilisatorischen, vernünftigen Ich als etwas Abstoßendes.
Also Körper als Natur, was wir nicht verstehen und was irgendwie immer eklig ist. Und weißt du warum?
Weil wir es nicht kontrollieren können. Also die Frage ist, ob wir den Geist kontrollieren können.
Das ist sozusagen die Aufklärung. Ich würde sagen, nein, weil sonst gäbe es
sowas wie Neurodermitis nicht oder so. Weißt du, was ich meine?
Und was hat der Mensch erfunden? Die Mode.
Ich dachte, die Psychotherapie.
Nee. Also das kann ich dazu sagen. Vor der Psychotherapie gab es die Mode.
Perücken, dann das Pudern.
Also die Maske.
Perfüm.
Die Kleider, die Überformen, die eine ganz andere Körperform produzieren.
Mode ist im Grunde jetzt, also es fällt mir jetzt einfach nur ein,
weil du das so schön alles aneinandergereiht hast, im Grunde ist das ja diese
unheimlich gute Kontrolle von allem, also sowohl Verstecken als auch.
Das Zecken vom Körper, da haben wir es wieder. Gestern war ich in einer Sauna
und da habe ich gedacht, wir können ja eigentlich gar nichts kontrollieren an dem Körper.
Also weil eigentlich habe ich mich so vorbereitet auf so einen schönen Rant
auf Schönheitschirurgie und wie kacke das alles ist.
Aber ich habe gedacht, ach lustig, ich kann das Wachstum meiner Haare nicht
kontrollieren. Ich kann nicht kontrollieren, ob ich schwitze oder friere.
Ich kann Speichelfluss nicht kontrollieren. Ich kann meine Menstruation nicht
kontrollieren. Ich kann meinen Ohrenschmalz nicht kontrollieren.
Und wenn ich jetzt weitermache und weiter und weiter, sind das alles nur eklige
Sachen. Mir fällt nicht eine Sache ein.
Fußnägel. Ich habe ein Fußnägelproblem. Die müssen so kurz sein,
dass man schon das Blut sieht, weil ich immer Angst habe, dass sie abknicken. Weiß ich auch nicht.
Oder altern. Falten. Also es sind alles eklige Sachen.
Sag mir eine gute Sache am Körper, wo man sagt, das finde ich richtig schön.
Also vielleicht die Haut von meinem Kind zu berühren. So, oder?
Ja, Babyhaut.
Babyhaut. Genau, aber die ist noch frisch, die ist halt noch richtig unverbraucht.
Und dann irgendwann bist du halt Old Spice.
Und da habe ich gedacht, Körper ist ja, es ist wirklich, was du vorhin meintest,
es ist wie ein Gefängnis, die ganze Zeit passiert was, der produziert die ganze
Zeit. Und was haben wir noch?
Wir haben ja noch Verdauung, wir haben den Herzschlag, die Atmung.
Nichts davon können wir wirklich kontrollieren, außer wenn wir sagen,
wir verweigern das Essen.
Aber selbst dann können wir nicht kontrollieren, was der Körper dann verdaut.
Da kommen wir auch noch zu bei The Substance.
So Patricia, jetzt machen wir einen Punkt und müssen in die Filmanalyse kommen.
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Und jetzt gehen wir mal rein.
The Substance ist ja jetzt schon anderthalb Jahre alt, trotzdem mal ganz kurzer Abriss.
Elizabeth Sparkle, 50-jähriges Hollywood-Sternchen, hat eine Aerobicshow im
Frühstücksfernsehen und wird eigentlich Punkt 50.
Geburtstag dann abgesetzt von ihrem ekligen Produzenten. Sie bekommt durch einen
Zufall diese Substance angeboten und was passiert dann?
Aus ihrem Rücken kommt ein neuer Körper, ein besserer Körper,
ein jüngerer Körper und zwar Sue wird geboren, könnte man sagen.
Wir werden gleich noch über die Mutter-Trope sprechen. Und Sue und Elisabeth
haben jetzt jeweils eine Woche Zeit.
Das ist ein bisschen wie Aschenputtel, bis zum Glockenschlag um 12 Uhr,
dann verwandelst du dich wieder in einen Kürbis.
Sie müssen also immer eine Woche schlafen und wechseln sich dann immer ab.
Und sie sind abhängig voneinander. Sue nimmt eine Art Flüssigkeit aus dem Körper von Elizabeth.
Können wir die benennen, die Flüssigkeit? Also mein Mann hat das irgendwie Knochenmark
genannt, aber es ist nicht näher definiert.
Sie steckt so eine Spritze in die Wirbelsäule, zieht eine Flüssigkeit raus und
injiziert sich das und das ist dann sozusagen ihr Jungbrunnen und sie erneuert
sich davon und Sue übertreibt es dann ein bisschen sehr.
Ja, Elisabeth wacht auf und weil Sue scheinbar monatelang sich von ihr ernährt
hat, ist sie zu einer grotesken Greisin geworden. Sieht ein bisschen aus wie Dobby.
Und die beiden Frauen bekriegen sich dann schon fast.
Sie streiten um ihre Existenz bis zum Grand Final.
Wo Sue, also ich spoiler hier alles, tut mir leid, aber anders können wir das hier nicht verhandeln,
Sue tötet am Ende dann die vergreiste Elizabeth und merkt dann,
fuck, das war ja eigentlich meine Lebensgrundlage, denn ohne Knochenmark,
da kann sie nicht überleben. Und dann geht's bergab.
Sie soll eigentlich die Neujahrsshow moderieren in so einem Prinzessinnen-Glitzerkleid.
Und was passiert? Sie verfällt einfach innerhalb kürzester Zeit.
Dann kommen halt die Horrorszenen, die Fingernägel fallen raus, ihre Zähne fallen raus.
Ihr Körper verfällt. Und was macht sie in ihrer Not?
Sie denkt sich, okay, ich muss mich erneuern. Ich muss die Substance nehmen
und gebiert auch einen neuen Körper.
Allerdings ist das ein Monster. Es ist eine Art Fleischklumpen aus,
also in der Kapitelüberschrift steht Monster Elisa Sue.
Also wir sehen Demi Moores Gesicht am Rücken wie nach einem schlechten Lifting angebabbt.
Wir haben noch Züge auch von Sue.
Es gibt Brüste, die an den unmöglichsten Stellen des Körpers angepropft sind,
Und was ist eigentlich so monströs an dem Monster? Es ist einfach unproportioniert
und verklumpt und der Arm steckt nach hinten ab und es gibt keinen Hals,
es gibt keine Ohren, es ist unförmig.
Klumpen beschreibt es am besten, Fleischklumpen.
So, und dann gibt es noch das Grand Final mit einer Splatter-Szene und genau,
es geht schlecht aus, kann man schon mal sagen.
Was ich gerne mit dir als erstes besprechen möchte, ist das Doppelgängermotiv.
Also das war ja nun sehr auffällig.
Wir haben erst eine Frau, dann haben wir zwei Frauen. Diese zwei Frauen bekriegen sich.
Ich fand das eine richtig tolle Idee, weil man irgendwie nicht dahinter kommt,
warum schaden sich diese beiden Frauen eigentlich so?
Warum hätte das jetzt kein Happy End werden können? Es wird ganz oft in dem
Film gesagt, Remember, you are the same person. There is no she.
You are the same person. Das wird uns ganz oft gesagt, also so ständig in dem Film.
Als ich den das erste Mal geguckt habe, habe ich noch gedacht, das geht an Elizabeth.
Weil ihr wird das ja immer gesagt. Weil sie sagt so, ich will das statt.
Und dann sagt der Typ, der Dienstleister am Telefon, Remember, you are the same person.
Jetzt beim zweiten Mal gucken, habe ich gedacht, nee, nee, nee,
das ist gar nicht an Elizabeth gerichtet. Das ist an die ZuschauerInnen gerichtet.
Wir müssen uns die ganze Zeit wieder daran erinnern.
Es ist dieselbe Person,
Weil wir sehen ja zwei. Es ist so ganz schwer, weißt du, so dissoziativ zu kapieren.
Es gibt nicht zwei Personen dort. Es ist nur eine. Alles, was Sue macht,
ist Elisabeth und alles, was Elisabeth macht, ist auch Sue.
Nicht anders, als sich zu hassen, weil Elisabeth sich halt selbst...
So ist es. Eine Sache, die mir sozusagen, jetzt kommt noch mal so ein bisschen
Philosophie, aber es ist vielleicht ganz wichtig, weil ich habe schon von Anfang
an bei The Substance daran denken müssen.
Also es geht natürlich um die Droge, um das Medikament, was auch immer,
um diese, was da eingenommen wird, damit sie sich dann natürlich teilt.
Aber die Substanz, Philosophisch, das ist ja das Interessante,
das ist das Wesen eines Dings, was sich nie ändert, was sich selbst immer gleich bleibt.
Das heißt, die Eigenschaften, die Merkmale an einem Körper, die können sich
verändern, ja, aber die Substanz bleibt sich selbst immer gleich.
Das Wesenhafte sozusagen.
Das Wesenhafte, das Ding an sich, Kant und so, ja. Also, weil gerade dieses,
you are the same person, ja, also das Wesen von euch, ihr beide seid eins,
auch wenn eure Eigenschaften komplett, also sich ändern können und variabel
werden und das können wir alles anpassen.
Genauso wie alle Medical Enhancement, Surgery, was auch immer.
Die Akzidenzchen kannst du ändern, wie du willst. Mode, alles,
kannst du alles machen, wie du willst.
Aber die Substanz selbst, also das Wesen, das bleibt unveränderlich.
Und vielleicht ist das auch noch mal deswegen so witzig, das mit dem Doppelgängermotiv
zu kreuzen. Wie kann sich denn eine Substanz überhaupt teilen?
Ich würde ja auch sagen, ich hatte letztes Jahr das Buch von Naomi Klein gelesen,
Doppelgänger. Ich fand es hervorragend, weil sie geht halt durch die Bildtradition
des Doppelgängers und plötzlich kommt es auch überall auf.
Ja, wir hatten Mickey Seventeen und Severance und so weiter,
das Doppelgängermotiv trendet irgendwie.
Insofern ist es sehr, sehr erhellend, das zu lesen. Und ihre These ist,
wir haben eigentlich alle einen Doppelgänger oder eine Doppelgängerin.
Und ich musste auch so ein bisschen noch mal daran denken, das habe ich auch
erst nach The Substance gelesen, Eight Bites, Acht Bissen von Carmen Maria Magado.
Sie ist US-amerikanische Schriftstellerin. Und in Acht Bissen ist es so,
dass eine Frau ihren Magen verkleinern lässt und dann immer nur noch so acht
Häppchen nimmt und dann halt satt ist und stark abnimmt.
Und ihr größter Wunsch ist abzunehmen. Und sie wird dann, es geht auch in Bodyhorror,
sie wird dann von so einem Golem verfolgt, was quasi das Fett an ihrem Körper
als Figur kommt zu ihr zurück und lebt mit ihr.
Und sie wird das nicht los, diesen Fettbatzen, der dann da auf einmal auftaucht
und das ist ihr Fettdoppelgänger einfach.
Das Fett, was sie gehasst hat, was sie loswerden wollte, aber es ist immer da,
weißt du, weil da immer die Angst ist, Fett zu sein. Also so verstehe ich die Geschichte.
Das Verdrängte kehrt wieder.
Genau, genau, das Unbewusste. Wir sind heute so.
Wahnsinn, Wahnsinn. Schlag auf Schlag sage ich nur.
Und bei Elisabeth und Sue sehe ich das auch so, dass dieser ständige Selbsthass
ist der ewig währende Begleiter von Elisabeth und auch von Sue.
Für mich war das Wesen, was Elisabeth in sich trägt, vielleicht das Monster,
was sie in sich trägt, der Selbsthass.
Oder sie hat Angst, wenn sie ihr wahres Ich zeigt, dass sie gehasst wird.
Also sie ist schon entfremdet mit ihrem Körper.
Bevor sie die Substance sozusagen nimmt, ist sie schon zwei Körper.
Sie ist immer der Hollywood-Star, die Persona, die bewundert und geliebt wird.
Und immer die kleine hässliche Doppelgängerin, die in ihr drin steckt,
vor der sie immer Angst hat, dass sie rauskommt.
Ich hatte eben in der Vorbereitung, hatten wir uns kurz darüber unterhalten,
dass ich dann immer an diese Matroschka-Püppchen denken muss.
Die kleinen Puppen, die ineinander geschachtelt sind.
Und da kann man sich auch fragen, dass da vielleicht noch hinter der Stu noch
eine andere, auch die Stu wird vielleicht irgendwann mal wieder eine andere Stu brauchen.
Aber sie sind alle gleich an sich.
Ja, genau.
Remember.
You are the same person. Sie hat also gar nicht die Möglichkeit,
aus diesem Wertegerüst...
Das ist eine Wiederholung ohne Differenz.
Genau. Es ist einfach nur eine Schleife, die da gedreht wird.
Und jetzt wollte ich noch mal von dir wissen, sind wir da schon im Bodyhorror?
Also fandst du es gruselig, dass wir hier ein Doppelgängermotiv haben?
Weil es kann ja durchaus gruselig sein.
Nein, nein. Ich fand das Doppelgängermotiv nie wirklich. Dr.
Jekyll und Mr. Hyde, wir haben das in der deutschen Romantik ja auch.
Selbst mir als Literaturwissenschaftlerin, also ich habe mich jetzt nicht wirklich
tiefsinnig mit dem Doppelgängermotiv beschäftigt.
Obwohl es zur Schauerliteratur auch natürlich irgendwie gehört,
fand ich es überhaupt nicht gruselig. Ich fand es auch im Film nicht gruselig.
Ich fand es wirklich dann spannend, sobald die Transformation anfängt.
Also der Hexenfinger, dein Hexenfinger. Du hast so oft über diesen Hexenfinger
einfach gesprungen. Und das ist der wichtigste Moment im Film.
Ich muss noch mal kurz erklären. Also als Sue sozusagen ihren ersten Zyklus
hat, da verlängert sie, glaube ich, so um eine Stunde, sage ich mal.
Sie will Sex haben und dann Elisabeth liegt da schlafend und ihr Food-Package
ist schon aufgebraucht und Sue denkt sich, aber komm, die eine Stunde,
das macht jetzt nichts, bevor die switchen.
Und Elisabeth wacht auf und ein Zeigefinger von ihr, meine Freundin,
mit der ich es geguckt habe, hat zur Hexenfinger gesagt, ist gelb,
verkrumpelt, alt, ganz, ganz verknöchert und meine Freundin und ich,
wir haben geschrien in dem Moment.
Also man muss sagen, davor war ja schon die Geburtsszene aus dem Rücken,
da war schon Blut, da wurde schon der Rücken zusammengenäht,
da haben wir schon ganz viel Haut gesehen und so weiter.
Klar, da bin ich so ein bisschen aber der Hexenfinger, da waren wir so nein,
oh mein Gott, oh mein Gott.
Der war richtig Hysterie schon bei uns.
Erstmal, weil der Makel, es ist so schlimm, wenn alles ist picobello und dann
hast du einen Makel und dann scheiße, ich bin doch eigentlich schön und was
mache ich jetzt mit diesem scheiß Makel?
Und weil es so drastisch war, gerade innerhalb dieser schönen Demi Moore.
Also so einen gelben Fingernagel und das wird ja dann immer,
immer schlimmer, Aber dieser Hexenfinger, du hast absolut recht, das war,
so schlimm, weil es noch so nah ist.
Da ist der Unterschied noch am größten. Bei den Fleischklubben ist alles scheißegal.
Alles nur noch Deformation. Aber in dem Moment ist der Unterschied so groß und
das Problem ist ja auch, du weißt ja nicht, was passiert noch?
Das Zeichen ist schon da.
Und diese eine kleine Marke an diesem wunderschönen, perfekten Körper,
das ist der Psychoterror-Horror. Dann wurde es tatsächlich spannend.
Und das ist sozusagen dann der Auftakt. Also da würde ich sagen,
da fängt das klassische Body-Horror-Transformationsspektakel statt vom Bekannten ins Unbekannte.
Da fängt es auch an, du meintest eben, wir haben eben über Kontrolle gesprochen.
Da weiß sie nun, okay, hier gerät was außer Kontrolle.
Naja, genau, aber das ist ja der Knackpunkt. Sie ruft ja dann da an bei dem
Hersteller und sagt so, mach es rückgängig. Das soll rückgängig werden,
das war ein kleiner Fehler.
Upsi, nee, es geht nicht rückgängig, what is done, is done.
Und wollen sie aufhören, dann müssen sie halt Bescheid sagen.
Aber sie kann nicht aufhören, weil sie eine Person ist.
Und wenn man jetzt darüber nachdenkt, wie dieses Altern über sie hereinbricht,
was sie ja ihr ganzes Leben versucht hat zu konservieren und aufzuhalten,
auch wie die echte Demi Moore eben, und plötzlich passiert es dann ganz,
ganz schnell, wie in dem Bildnis von Dorian Gray,
also dieser alte Doppelgänger, den wir ja da auch noch haben,
der hinter dieser ganzen...
Botox-Fassade ist, der bricht dann durch, mehr oder weniger.
Und da könnte man ja auch sagen, auch ein bisschen kitschig,
aber das Altern kann man nun mal nicht aufhalten.
Weißt du, was ich meine? Also wir reden jetzt in der Plot-Logik darüber,
warum hat sie nicht gestoppt und, und, und, und.
Aber wir wissen ja auch, dass sich das Alter in dem Sinne nicht aufhalten lässt.
Apropos, ich glaube, das hat auch dazu geführt, dass es im Moment eine ganz
neue Tradition von Aging-Body-Horror-Filmen gibt.
Also alte Leute, die diese Body-Horror-Transformationen durchmachen.
Also die per se schon als von einer Gesellschaft schon fast nicht brauchbar.
Und die dann zu sich monströsen, alternden Menschen verwandeln.
Was auch natürlich ganz interessant ist.
Aber der alte Mensch schon an sich wie ein Monster dargestellt wird.
Und das wird dann sozusagen noch überdramatisiert mit den Elementen des Body-Horrors.
Und deswegen ist es interessant, dass Substance das im Grunde auch, man könnte sagen,
ausgelöst hat, dass die Alterungsthematik nochmal, also der 70-,
80-jährigen Großeltern, die auf einmal in dieses Body-Horror-Genre mit reinkommen
und ganz neu gesellschaftspolitisch jetzt auch verhandelt wird.
Gebrechlichkeit, Vulnerabilität und so weiter.
Ja klar, wir leben in einer alternden Gesellschaft. So ist es. Oh mein Gott.
Und bei den Spaniern ist das ein ganz großes Thema gerade. Da gibt es ganz viel in diesem Bereich.
So, und jetzt haben wir Elisabeth, die jetzt langsam in so einen Greiskörper
rüberkommt und die Kontrolle verliert.
Und eine Sue, die total rücksichtslos mit dem Körper von Elisabeth,
Schrägstrich ihrem eigenen Körper, umgeht.
Und sie aussaugt, Schrägstrich ausbeutet und wir eigentlich Sue als unsympathisch erstmal wahrnehmen.
Also wir haben dann Mitleid mit Elizabeth als Protagonistin,
die sich mehr und mehr grotesk entwickelt zu so einem, ja, es tut mir so leid,
dass ich sage, wirklich alten Menschen. Es sieht so schlimm an, wenn ich das sage.
Ja, sie sieht halt gruselig aus, so wie alte Menschen in unserer Kulturtradition so konnotiert sind.
Die Hexe und, weißt du, wie die Hexe in Robin Hood mit Kevin Costner. Ja.
So ist es. So. Also wir haben
Angst vor alten Menschen. Warum eigentlich? Wir könnten ja auch sagen,
das ist ja Wahnsinn, dass sie so alt geworden sind. Toll oder so. Nee.
Aber das ist, ich weiß nicht, ist jetzt zu groß für mich. Auf jeden Fall wird sie zu dieser Greisen.
Und das Monster an der Stelle ist ja erst mal Sue. die das einfach übertreibt.
Verschwendung, pure Verschwendung.
Genau, das ist erst mal nicht weiblich, das ist irgendwie auch gar nicht sozial
und es ist eine Art von Missbrauch an dem anderen leblosen, schlafenden Körper
da, wo man sagt, das ist aber nicht in Ordnung.
Ich denke mir so, irgendwie war sie doch auch total bemitleidenswert,
weil sie hat zwar an Elizabeths Raubbau betrieben, aber dann gibt es die Hühnerknochenszene.
Sie hat dann diese Aufnahme. Also Sue macht dann so ein Fresh-Up von diesem Aerobic-TV-Show.
Sie hat dann so einen aufregenden Botti an, ist da halbnackt und schwingt ihre Hüften.
Und die Regisseurin, das wurde auch viel kritisiert, filmt das wirklich aus
einem Male-Gaze. Also der Körper wird fragmentiert, abgefilmt.
Wir sind ganz nah dran. Wir sind wirklich so schon in ihrer Muschiritze mehr oder weniger.
Also der Arsch von hinten. und also schon auch ein bisschen pornografisch fast, also lustvoll.
Ja, penetrierend, die Kamera,
Total die Penetration auf jeden Fall. Und dann wird es aber durchbrochen,
weil dann kommt so ein kleiner Body-Horror-Moment rein, irgendwas ist da.
Sie macht so einen Schwung nach vorne und auf einmal kommt da sowas,
Aus ihrer Haut so, weiß ich nicht, als ob da was lebt unter der Haut.
Und dann zieht die sich so ein Hühnerknochen aus dem Bauchnabel.
Natürlich super eklig, aus dem Bauchnabel. Ich finde, Bauchnabel ist die vulnerabelste
Stelle des ganzen Körpers. Tut mir leid.
Und das Interessante ist, in dem Moment, wo da dieser komische Hühnerknochen
da an ihrem Körper rummeandert, bricht sie ab und irgendwie der Regisseur sagt,
stopp, stopp, stopp, irgendwas, was komisches.
Und dann sehen wir so die Nahaufnahmen und Sue denkt sich so,
Wenn die jetzt sehen, dass da was ist.
Und ich meine, jetzt kann man sagen, drastisch, Body-Horror, Hühnerknochen, eklig.
Aber ganz ehrlich, wenn du halbnackt irgendwo stehst und du hast so einen Body,
der fast gar nichts bedeckt und du schwingst das Bein hoch.
Oh nein, wir haben ein Schamhaar gesehen, schnell rausschneiden.
Das meine ich, da kann ja alles verrutschen.
Du kannst Arschfrist Hose haben oder die Schamlippe, die kann da aus Versehen
mal rausgucken oder da ist ein Pickel an irgendeiner Stelle.
Das heißt, diese Kontrolle über die gesamte Hautoberfläche in dem Moment zu
behalten, das ist ja eigentlich der Horror in der Szene.
Das ist eigentlich wie der Hexenfinger von Elisabeth, ist das diese Hühnerkeule,
die da irgendwie aus der Haut raus, aus dem Bauchnabel, wie auch immer.
Also beide, beide Körper machen dieselbe Erfahrung, nämlich die Angst vor diesem,
was auf einmal herausfällt, vor dem Makel, dieser Makel, der auf einmal so ist.
Und das Interessante an dieser Szene ist, wie du gesagt hast,
die Kameraarbeit, grandios gemacht, also der Mailgaze, also Kamera gleich Penis,
der Penis bohrt sich sozusagen in diese Haut rein und es ist eigentlich super
anstrengend mit anzusehen.
Ja, ist unangenehm.
Meinem Freund hat es gefallen.
Genau, ich habe viele Rezensionen gelesen, in denen das kritisiert wurde,
dass die Regisseurin eben eine Male-Gaze-Kamera anwendet und ob das ein angemessenes
Mittel ist für eine feministische Bildsprache sozusagen.
Ja, sie zitiert es ja. Also für mich ist die ganze Kameraarbeit ein absolutes
Zitat auf Pornofilme, auf Aerobikfilme, auf Horror, genau.
Bei The Substance weiß ich nicht, ob ich jetzt so ein bisschen quasi heuchlerisch
daherkomme, weil ich würde das an der Stelle nicht kritisieren,
weil es bei mir ein absolutes, unangenehmes Gefühl erzeugt hat.
Also ein Grusel und ein Ekel, den ja eine Mail-Gaze-Kamera nicht zum Ziel hat.
Also schauen wir in normale Männlichkeitserzählungen rein und gucken,
wie Frauenkörper abgefilmt werden.
Da würde ja keiner sagen, oh Gott, ist das cringe.
Da wundert sich ja keiner, warum die Frauen unter der Dusche fragmentiert abgefilmt werden.
Warum sie dann noch kokett ihre Handtücher sich gegenseitig auf den Popo klopfen
oder sowas. Ich habe noch nie so eine Frauendusche erlebt, ganz ehrlich.
Es erzeugt gar keinen Widerstand oder Widerspruch im Sehverhalten.
Da muss man erst darauf hingewiesen werden, sozusagen in der feministischen Bildung.
Aber ich würde sagen, wenn man diesen Film sieht, weil es hat ja was Bedrohliches.
Irgendwie ist die Szene so nah und so gonso, dass du denkst,
irgendwas passiert gleich. Irgendwas ist hier ganz.
Ganz falsch.
Das ist Suspense, was sie da macht. Mit diesen Male Gaze.
Sie erzeugt durch eine männliche Bildtradition ein Störgefühl hier.
Und alle Rezensentinnen, die das aufgegriffen haben, bei denen hat es ja funktioniert.
Sie haben sich ja daran gestört. Und dann würde ich sagen, okay,
das hat doch ganz gut geklappt.
Und ich muss auch sagen, dass ich nach dem Film das Gefühl hatte,
also ja, bei Elisabeth denkt man so, okay, ihr Beauty-Treatment ist nicht so
ganz gut für sie ausgegangen.
Vielleicht hätte sie doch lieber ein bisschen mehr Selbstliebe-Treatment machen sollen.
Aber ich habe auch einen Ekel vor dem Körper von Sue bemerkt für mich.
Also ich habe irgendwie gedacht, ach weißt du, ey, lieber ziehe ich mir irgendwie
meine Konfi-Hose an und dann ist da alles ein bisschen chubby oder so,
als den ganzen Tag mir Sorgen darüber zu machen, ob Arschhose frisst,
so weißt du, was ich meine.
Nein, so Liebe, ich möchte zu der zweiten These kommen, zum Thema,
was ist denn eigentlich der Body Horror in the Substance, du hast jetzt den
Hexenfinger reingebracht und ich habe gedacht,
ist es das Altern, es wurde ja immer über das Altern geschrieben, oh wir haben es kapiert.
Eine Frau darf nicht sagen,
Das ist doch nicht das Altern, was da so eklig ist, was ist es denn,
was ist es denn und dann habe ich gedacht,
Es ist dieser Konsum und zwar haben wir neben Remember, you are the same person,
ist noch ein anderer Satz, der ganz wichtig ist,
nämlich als Elizabeth einen Mann trifft, der auch die Substance nimmt,
auch einer, der schon dem Verfall anheim gefallen ist, der dann sagt,
hat sie schon begonnen, dich aufzuessen.
Und das ist mir irgendwie ein bisschen entfallen zwischendurch,
aber wir sehen hier natürlich, was so extrem eklig ist,
ständig eine sehr, sehr lange Nadel, die in den Rücken von Elisabeth sticht
und die dann Eid hat, eine Wunde, die schon quasi zu einem Eitervulkan wird
und das aber gleichzeitig mit diesem Altern und dem Prozess des Monströsen zusammenhängt.
Und ich fand diesen Aspekt, also dieses, sie macht dann zwischendurch,
nimmt sie sich so ein Weckgläser und zieht immer mehr raus aus Elisabeth und
das fand ich wirklich eklig, das war für mich Horror.
Du sprichst jetzt von Kannibalismus, Vampirismus ist das eine,
da wären wir auch wieder in so einem ganz bestimmten Genre und Zombies,
ja, also im Grunde verbinden sich Vampirismus, Zombies und Kannibalismus irgendwie,
also diese drei Aspekte, Weil auch diese Flüssigkeit rausziehen,
raussaugen, was das Vampirische ja auch wieder zeigt, dass sich von anderen Körpern ernähren.
Es hat alles, es hat das Parasitäre, das Monströse, da würde ich auf jeden Fall zustimmen.
Das wäre die eine Seite davon, von diesem Ekel.
Aber mir ist dabei nochmal eingefallen, dass wenn Menschen magersüchtig sind,
ja im Prinzip mangelernährt sind und der Körper beginnt dann erst die Reserven
zu verzehren und später dann das, was noch da ist und später dann immer mehr.
Und im Prinzip sich selbst. Also diese Körper verzehren sich selbst.
Das ist ja der absolute Horror und führt ja auch zum Tod, ist ein bisschen ungesund.
Und insofern finde ich, ist dieses Schlankheitsdiktat in Zusammenhang mit dem
Versuch, immer von seinem Körper was wegzunehmen und zu verkleinern,
absolut plausibel als ein spezifisch weibliches Horrorelement.
Und die saugt sich selber aus.
Weil du eben auch von Mutter-Tropes und Mutter-Tochter-Beziehungen und so weiter,
im Grunde macht das ein Embryo, ja, also der Körper im Körper.
Sie macht ja nichts anderes, als wäre sie so ein Fötus noch und ernährt sich
von diesem, ist in diesem Körper drin und ernährt sich halt noch von diesem
Körper. Und anders kann dieser Körper halt nicht leben.
Das ist nicht meine Idee. Rosie Bradotti hat über diesen Kannibalismus des Embryos
im Mutterkörper geschrieben, was total interessant ist.
Sag mal, kennst du den Spruch, wenn Frauen schwanger sind, dass man dann irgendwie
sagt, ach, wenn es ein Mädchen wird.
Dann raubt sie die Schönheit der Mutter? Ja, kenne ich.
Meine Mutter hat früher immer gesagt, ich weiß nicht, ob das so ein polnischer
Spruch war oder so, aber wenn du als Schwangere total hübsch aussiehst und so
weiter, wird es ein Junge.
Und wenn es ein Mädchen ist, dann saugt sie dich von denen schon aus.
Das ist der Vampirismus.
Also die Schönheit wird dann weggesogen. Aber wenn du super hübsch aussiehst
und wenn es dir gut geht, wenn du keine irgendwelche emotionalen Schwankungen
hast und so weiter, ist das ein Junge.
Das passt ja auch so gut mit diesem Schneewittchen-Syndrom zusammen.
Also die Stiefmutter, die dann eben nicht mehr die Schönste im Land ist.
Und dann ihre eigene Tochter.
Und wir wissen, im Märchen ist die Stiefmutter immer die Mutter.
Also ihre Tochter dann umbringen will, damit sie wieder die Schönste ist.
Und wir haben schon so ein Mutter-Tochter-Motiv.
Absolut. Es lässt sich nicht leugnen, weil sie halt zwei Generationen von Frauen
verkörpern, die voneinander abhängig sind.
Und die eine aus dem anderen Körper gekommen ist, was ein Muttermotiv ist.
Aber es gibt auch noch eine Komponente, die mit diesem Konsum und diesem Kannibalismus
zusammengeht, nämlich wieder dieses Verlangen und die Sehnsucht,
was wir vorhin hatten mit dem Inneren, was nach außen bricht.
Denn während Sue sich aus Elisabeth ernährt und scheinbar gar nichts isst,
wir sehen sie nie essen, währenddessen…
verfällt Elisabeth in eine Fressorgie. Also da kommt so ein Verlangen raus,
wo, finde ich, diese zwei Motive so schön zusammengehen.
Die eine schlingt, verschlingt und frisst und verleibt sich etwas ein.
Und die andere verleibt sich den anderen Körper ein.
Also das fand ich irgendwie auch wieder so schön zwei Seiten eigentlich von
einem und demselben Motiv.
Aber eine Sache, weil wir nur über diese beiden Ladies gerade sprechen.
Dennis Quaid, jetzt weiß ich nicht mehr, also der Showmaster,
der die ganze Produktion...
Das schneide ich raus.
Weil meine ekligste Szene hat weder mit Sue noch mit Elisabeth zu tun,
sondern wo er diese ekligen Schrimps isst.
Und er strieft und wieder die Akustik einfach auch. Das war meine Ekelszene.
Ich wollte in seine Fresse schlagen. Entschuldigung. Er frisst diese
Schrimps mit Mayonnaise und wir sind halt quasi in der Perspektive seiner Zunge
mehr oder weniger. Es ist wirklich sehr ekelhaft.
Und aber dann auch verschnitten mit einer Elizabeth, die davor sitzt und an
einem Glas Wasser ohne Sprudel nippt.
Ich möchte euch nur ein Zitat noch von Lori Penny mitgeben, weil ich finde,
das passt auch zu diesem Moment mit Daniel Craig, weil sie sich so stark reguliert,
während er sich überhaupt nicht reguliert.
Das ist ja das, warum man Gewaltfantasien an ihm auslebt.
Lori Penny schreibt in Fleischmarkt, wir leben in einer Welt,
die den unwirklichen weiblichen Körper anbietet und echte weibliche Macht verachtet.
Diese Kultur verurteilt Frauen dazu, immer so auszusehen, als seien sie verfügbar,
während sie nie wirklich verfügbar sein dürfen und zwingt uns,
sozial und sexuell konsumierbar zu erscheinen,
während wir selbst sexuell so wenig wie möglich konsumieren sollten.
Unsere drastische Vergeltung dafür besteht darin, uns selbst zu konsumieren,
sich selbst zu verzehren.
So wie der Verfall auch von Elisabeth und Sue passiert, da ist ja auch noch
was drin, was wir noch gar nicht hatten und zwar das Thema Schmerz.
Was sie sich dazu führt, diese ganze Prozedur mit der Substance,
das ist ja jetzt nicht harmlos, das ist ja jetzt nicht die gute Fee wie bei
Asch und Puttel und dann Bippidi-Bappidi-Buh, so ist es nicht,
sondern das ist schon extrem körperlich und extrem schmerzhaft.
Und ich hatte mich nochmal in Bezug auf Schmerz und Gender gefragt,
ob es eine Bildtradition zu weiblichen beziehungsweise männlichen Schmerz gibt.
Also ich würde jetzt nur rein von meinen Seherfahrungen sagen,
dass Männlichkeit immer damit konnotiert ist, dass man Schmerz aushalten kann,
während das Weibliche für empfindlich und schutzbedürftig und so weiter gilt.
Und da würde ich jetzt zum Beispiel das auch als sehr, sehr politisch sehen
in The Substance, weil wir eine Frau sehen oder weibliche Körper sehen,
die sehr viel Schmerz aushalten.
Und es ist kein Schmerz ins Porno, das ist so en passant, das kriegen wir so
ein bisschen nebenbei, das könnte auch wehtun oder so.
Weil das gar nichts mit The Substance zu tun hat,
sondern weil das schon vorher Elisabeths Lebenserfahrung war oder Demi Moores
Lebenserfahrung wenn du es schaffen willst,
dann musst du diesen Schmerz überwinden, dann musst du den Hunger überwinden,
dann musst du in dieses Kostüm passen, dann hack dir halt die Zehen ab,
damit der Schuh passt ich bin heute im Aschenputtel-Modus.
Du bist die Königin der Verweise das wollte ich damit mal sagen also
Im Grunde, der Schmerz ist mit das Wesentlichste.
Und der Schmerz, auch wenn man ihn jetzt nicht sieht oder er nicht so erzählt
wird, der ist im Zuschauer.
Also der Schmerz wird im Zuschauer ausgelöst. Und das ist eigentlich,
innen und außen verbindet sich nur über den Schmerz.
Schmerz ist immer unsichtbar, ob es psychisch ist oder physischer Schmerz.
Mir kann ja auch physisch, also irgendein Organ wehtun, aber der andere sieht es ja nicht.
Der andere sieht diesen Schmerz nicht. Und ich selbst fühle ihn zwar oder nehme ihn wahr.
Wie groß ist ihr Schmerz auf einer Skala von 1 bis 10?
Jede Endometriose-Patientin muss sich ja heutzutage in der Charite,
wenn sie diese Skala durchgehen muss, das ist ja lachhaft.
In welchen Situationen begreifen sie sich? Im Vergleich zu was.
Das ist genau das Problem. Und das ist ja auch das Schlimme,
dass Schmerz zu kommunizieren ist so schwierig.
Ist medizinisch super schwierig, gerade als Frau, Gender-Health-Gap und so weiter.
Da hört einem keiner ja zu, sozusagen. Weil er auch gesagt hat,
naja, Frauen übertreiben wieder den Schmerz, das ist wahrscheinlich gar nicht
so schlimm, ja, all solche Sachen und das ist sozusagen sublim irgendwie in
diesem Film auch alles mit enthalten.
Das Problem ist dann nur, dass dieser Schmerz, wenn er von anderen gesehen werden
muss, übertrieben werden muss.
Erstens muss er an Sichtbare treten, deswegen die Körpergrenze,
die Hautgrenze überschreiten.
Und dann muss er noch drastischer, als er eigentlich schon ist,
wiedergegeben werden, damit er überhaupt erkannt wird.
Und das kennen bestimmt ganz viele Patienten, wenn sie von ihren Ärzten,
Ärztinnen gehört werden wollen. Sollten sie es.
Zwölf sagen.
Genau. Und auch da wieder Body Horror. Und im Body Horror steckt ja auch immer
viel Wissenschaft, Technologie, Medizin.
Ständig werden ja Medizindiskurse dort auch verhandelt. Aber im Grunde ist das
mit der wichtigste Punkt, diesen unsichtbaren Schmerz, zu kommunizieren.
Sub-Sins war für mich da einfach ein Meilenstein, weil ich auch dachte,
hier wird sich ein männliches Genre auch angeeignet.
Und zwar, was ein Genre aus männlicher Perspektive was ganz anders erzählt.
Zum Beispiel auch in Bezug auf Frauenkörpern. Also ich habe auch gelesen bei
einer Filmwissenschaftlerin, dass im Horrorgenre und Bodyhorrorgenre Frauen ganz oft die Opfer sind.
Die werden gefoltert, abgeschlachtet, getötet, vergewaltigt.
So ein toter Körper hat keinen Schmerz mehr.
Und dann habe ich wirklich so überlegt, dass halt auch eine extrem körperpolitische
Aussage ist, auch zu zeigen, dass weibliche Körper Schmerz haben und Schmerz
aushalten, extrem resilient sind auch.
Und das ist ein Bruch mit einer.
Bildtradition man sieht auch schon den inneren Schmerz ich finde auch nochmal
die Szene wo Elisabeth eigentlich daten will wo sie dann merkt,
sie hat keinen Bock sich eigentlich irgendwie so krass rauszuputzen und das
Gesicht wir sprechen ja vom Body aber wir wissen,
es geht um ganz verschiedene Teile des Körpers und das Gesicht ist
The Personality, das ist die Identität. Und das verschmiert sie sich,
macht sie sich kaputt und will diese Maske einfach, will das einfach,
dieses Make-up, so wie es schön heißt.
Ganz toll, dass du jetzt die Szene nochmal angesprochen hast,
weil kurz davor, bevor sich Elisabeth zum Date fertig macht,
wurde noch eine Szene gezeigt aus einem Late-Night-Interview, wo Sue aufgetreten ist.
Und Sue wird dann so gefragt, und das kennen wir ja wirklich,
also ich würde sagen, in jeder Late-Night-Show, in jedem Red Carpet werden Frauen
gefragt so, sag uns doch mal dein kleines Beauty-Geheimnis.
Und Sue sagt dann, you know, also man muss einfach nur ein gutes Herz haben, be a good person.
So Gwyneth Petra würde jetzt sagen, also Rosenwasser. Und Selma Hayek ist so
eine, was weiß ich, spanische Wurzel, die in ihrem Heimatdorf wächst und hat
dann aber auch noch ein passendes Produkt, was sie noch verkaufen kann,
weil das ist alles kein Hexenwerk,
nein, nein, nein, es ist einfach nur ein guter Charakter,
gute Ernährung, healthy Lifestyle, wissen wir ja alle die Beauty Secrets der
Stars und bei Sue wissen wir ja nun, was ihr Beauty Secret ist,
nicht nur, dass sie ein Klon ist, eine selbstoptimierte Version eines anderen Körpers,
was aus einer Technologie hochartifiziell hergestellt wurde,
Noch dazu ernährt sie sich aus einem anderen Körper.
Und würde quasi zerfallen, wenn sie das nicht mehr hätte.
Da ist ja auch ein gewaltsamer Akt dahinter. Das heißt, sie ist komplett fake.
Und das Problem ist aber, diese Fassade, die man vor sich her trägt,
daran gewöhnt man sich. Absolut.
Person heißt Maske. Persona Maske. Aus dem Griechischen und Lateinischen auch
zusammen Personare hieß die Maske bei den Griechen natürlich auch,
weil man konnte keine Mimikzeiten.
Man hat auf dem Theater nur diese Maske aufgehabt.
Aber aus dem Mundloch kam natürlich die Stimme, die man dann moduliert hat.
Also mit der Maske kreiere ich die Person.
Genau.
Und Elisabeth entscheidet sich am Ende dann eben nicht zum Date zu gehen,
weil sie es zusieht auf diesem Riesenplakat, sich im Spiegel sieht und denkt,
ich kann machen, was ich will.
Ich kann es nicht mehr aufrechterhalten, diese Maske. Ich kann es einfach nicht.
Ich kann nicht die Person sein, die ich sein will.
Und da ist dieses Maskenthema halt drin.
Denn am Ende sehen wir ja die Maske fallen. Im wahrsten Sinne des Wortes,
sie kommt ja sogar noch, also Sue klont sich nochmal, dann kommt dieser Blob,
ne, dieser Fleischklumpen.
Und endlich können sie koexistieren, ne, aber sie sind halt die anderen, also das andere.
So, und was macht der Fleischklumpen als erstes? Zieht sich das hübsche Prinzessinnenkleid
an, was überhaupt nicht zugeht, was ja an so einem Körper ohne Taille gar nicht funktioniert, ne.
Und denkt sich dann, ach, weißt du was, ich schneide einfach aus so einem Poster
von Elisabeth, schneide ich jetzt das Gesicht auf, mach mir eine Maske.
Das wirkt natürlich total albern und denkst dir so, als ob niemand bemerkt,
dass du ein Fleischklumpen bist.
Aber natürlich ist das eine Referenz auf die Maske, die wir sowieso den ganzen Tag tragen.
Und die sind eben mal besser und mal schlechter. Also wenn Demi Moore sagt so,
ganz ehrlich, ich habe ein bisschen am Kinn machen lassen, aber mehr nicht.
Dann denke ich mir, Demi, hör auf, please.
So, ich will das nicht mehr hören, diesen Scheiß. Wir sind in dem letzten Teil
angekommen. Dann kommt dieses Monster auf die Bühne.
Ich glaube, die Hysterie bricht in dem Moment aus, wo aus dem Auge von diesem
Blob eine Titte sich rausquetscht.
Ja. Und dann rausfällt. Also aus ihrem Gesicht kommt eine Titte raus.
Und dann fangen alle an zu schreien. Und dieses Monster schreit ganz oft,
it's me, it's me, ihr braucht keine Angst haben, it's me.
In dem Moment, es sind ja zwei Sachen, die hier gesagt werden.
Das eine ist, ich bin kein Monster, sondern ich bin's.
Und das andere ist aber auch, dass sie sich selbst als it's me bezeichnet.
Denn sie hat davor auch Sätze so wie, so ein bisschen schizophren,
so stop it, stop it, stop it und I hate myself und diese ganzen Dinge.
Und auf einmal gibt es ein bestimmtes Selbstverständnis und Selbstbewusstsein,
dass sie sagt, ich stehe hier, das ist mein wahres Ich.
Können wir sagen, dass das Monster, dass es hier irgendwie auch eine Freiheit bekommt?
Die absolute. Das ist, was wir ganz zu Anfang gesagt haben, die Endform,
diese End-Fucking-Form der Transformation, wo endlich die komplette Entfesselung,
wo es nicht mehr nur schrittweise eine Transformation,
Battlestritt nochmal zurück und so weiter, sondern endlich ist es befreit und
endlich ist diese Koexistenz beider Körper gleichzeitig in einem da.
Und natürlich ist es sozusagen absolut außerhalb jeglicher Form von Norm.
Und das ist gleichzeitig der Schönste. Und gleichzeitig, das hat so eine Form auch von Melancholie.
Weil auf einmal Mitleid. Haben wir mit diesem Objekt Mitleid?
Hat ja keiner.
Hat ja keiner.
Sie hat doch gar nichts Aggressives gemacht. Ich frage mich,
warum gehen die alle auf sie los? Weil sie quasi entstellt ist, entgrenzt ist.
Ist es die Freiheit am Ende? Also weißt du, was ich meine? also wofür das Monster steht.
Im Grunde, was total schade ist, und deswegen können sie mir diesen Monster
auch nicht in irgendeiner Form mitleiden,
weil das ist eine Ästhetik, die seit der Aufklärung in uns, also sozusagen auch
männliche Philosophen natürlich drinsteckt, Laoka und Lessing,
wir können nur mit dem mitleiden, was schön ist.
Wenn etwas hässlich ist, entstellt ist, und dann so sagt, it's me,
it's me, ich bin doch jetzt endlich das, was ich schon immer sein wollte,
besten Version von mir jetzt vereint, können wir nicht mitleiden, weil es hässlich ist.
Man hat immer gesagt.
Sobald eine Figur, eine Person, ein Charakter, ein Charaktertypus im Film,
Literatur, Statue, was auch immer, ist das Gesicht schon zu hässlich,
können wir nicht mitleiden, weil es uns nicht mehr ähnlich ist.
Wir können sozusagen nur mit dem uns in das hineinversetzen,
was in irgendeiner Form die Norm, die Ähnlichkeit, das, was wir kennen,
sozusagen widerspiegelt.
Und deswegen wird dieses Monster dann am Ende natürlich zu das absolut andere, der Fleischklumpen.
Ein letzter Punkt, bevor wir dann aussteigen, nach dem längsten Podcast ever
von Verbittertalentlos.
Ich fand es schön, dass es auf einer Bühne geendet ist in The Substance,
weil es natürlich was mit Sichtbarkeit zu tun hatte. Das ganze Problem von Elizabeth
ging ja damit los, dass sie unsichtbar wurde.
Eigentlich auch ein Horrormotiv kennen wir, Hollow Man und so weiter.
Du bist doch auch Kevin Bacon Fan. Es gibt so wenig Kevin-Bacon-Fans,
einfach, wir beide haben uns so gefunden. Ja, mega.
Also Unsichtbarkeit an sich kann eine Superpower sein, kann aber auch ein Horrormotiv
sein und ist hier der Katalysator, der ja alles ins Rollen bringt.
Elisabeth verschwindet in der Unsichtbarkeit.
Sie wird nicht gesehen. Und können wir sagen, dass wenn man nicht gesehen wird,
auch nicht mehr existiert?
Wahrscheinlich schon ein Stück weit.
Also was sind Beziehungen, wenn man sich nicht gesehen fühlt oder so?
Und was ich aber so schön fand, war, das nochmal mit der Fliege abzugleichen,
weil Seth Brundle ja auch gesehen werden will, nämlich als Mann.
Also es geht eben auch bei diesen Monstrare und Monster und Zeichen und Zeigen
auch immer um die Sichtbarkeit in dem Moment.
Wo sich die Figur zu einem Monster verwandelt, kann erst nicht mehr ignoriert werden.
Also das Monster ist quasi der größte Hilferuf, der größte Aufmerksamkeitsmoment,
den man eigentlich kreieren kann, um zu sagen, it's me, hier bin ich, guckt mich an.
Das Schöne auch immer ist an diesen Filmen, gerade mit der Genderbrille gelesen,
Bodyhorror, es ist von Anfang an immer schon da gewesen, Dass es uns jetzt erst auffällt im Grunde,
dass man genau diese frühen Sachen schon auch als eine Form von frühen Geschlechterstudien
sehen kann. Es sind ja fiktionale Experimente.
Also bevor das an den Unis überhaupt losging, haben sozusagen diese Regisseure,
in diesem Fall natürlich die männlichen, jetzt kommt ja auch natürlich viel,
viel mehr weibliche Regisseure mit rein, die dieses Thema queeren.
Natürlich, das Monster ist queer. Wir können es nicht mehr gegendert lesen. Oh mein Gott!
Gut, damit können wir jetzt wirklich rausgehen, das ist so gut.
Ich packe euch in die Shownotes.
Ein kleines Körbchen mit feministischen Body-Horror-Filmen.
Ich stelle euch die Referenzen zusammen, die ich hier für diese Recherche auch
benutzt habe und die Buchtipps, die wir hier erwähnt haben.
Und wie immer, wenn euch der Podcast gefällt, dann sagt es doch bitte euren Freundinnen weiter.
Und gebt mir auch mal Feedback, wie fandet ihr diese Folge?
War es euch irgendwie zu akademisch oder möchtet ihr am liebsten noch mehr Filmanalysen,
noch mehr Patricia vielleicht auch, lasst es mich wissen per Mail oder per DM.
Und Patricia, ich danke dir für diesen Podcast-Marathon. Und ich freue mich,
wenn ihr nächsten Monat wieder reinhört und bleibt unbequem,
ihr Lieben. Ciao, ciao. Tschüss.
Patricia
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