55. Wie eine 80-Jährige seit 40 Jahren Nazi-Dreck aus dem Stadtbild putzt

Ein Gespräch mit antifaschistischer Aktivistin über Rechtsextremismus, Hassrede und Zivilcourage

12.02.2026 43 min

Zusammenfassung & Show Notes

Irmela Mensah-Schramm ist 80 Jahre und Aktivistin gegen Hass und Rassismus.

📢 Der feministische Podcast über Gender, Patriarchat & Popkultur
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🔴 DISCLAIMER: Diese Folge wurde vor den Vorfällen der Polizeigewalt bei den antifaschistischen Protesten in Gießen aufgenommen, deswegen gibt es dazu keine Bezüge.
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🎙️ Zu Gast: Irmela Mensah-Schramm
Irmela Mensa Schramm, geb. 1945, ist Aktivistin gegen Rechtsextremismus. Seit fast 40 Jahren entfernt sie rechtsextreme Sticker, übermalt Hassparolen und Nazi-Symbole und dokumentiert die alltägliche rechte Gewalt und Rassismus in Deutschland. Im Podcast spricht sie über antifaschistischen Aktivismus, Mut im öffentlichen Raum, politische Verantwortung und den Anstieg rechter Gewalt.

Sie bietet Workshops für Schulen an, um das Bewusstsein für Rassismus und Hass zu schärfen. www.hass-verbichtet 
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🎧 weitere Folgen zum Thema:
Folge 48: Über den Normalitätsbegriffs von rechts | mit Rebekka Endler
Folge 40: Warum sind Frauen rechts? | mit Susanne Kaiser
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Musik: Danke an Heyohmann!
Podcast-Logo: Danke an Scarlett Nimz
Ein Transkript dieser Folge findest du 👉 hier

Transkript

Eine fast 80-jährige Aktivistin, die bundesweit Nazi-Sticker und Schmierereien entfernt,
Irmela Mensah-Schramm
00:00:07
Übermalt und dokumentiert. Die Leute behaupten, das deckt die Meinungsfreiheit. Entschuldigung, jetzt werde ich aber rabiert.
Susi
00:00:15
Weil ich immer dachte, der Rechtsruck, der kommt von den Rechten. Die rückeln dann einmal und dann rückeln sie nach vorne. Aber was eigentlich passiert, ist ein Aufweichen von Haltungen, von Grenzen, von Widerstand und das Unsagbare immer weiter ins Sagbare hinein zu verschieben.
Irmela Mensah-Schramm
00:00:32
Meine Freundin sagte immer, warum lachst du, wenn du ein Hackenkreuz siehst? Da habe ich gesagt, weil ich weiß, dass es gleich weg ist.
Susi
00:00:42
Hallo erstmal, hier ist Susi von verbittert talentlos. Heute möchte ich euch eine ganz besondere Gästin vorstellen. Dazu muss ich mal ganz kurz erklären, wie ich auf sie gekommen bin. Und zwar durfte ich auf der Vorpremiere zu dem Kinofilm Die Möllner Briefe gehen. In diesem Film, bitte guckt ihn euch an, wenn ihr könnt, geht es um Ibrahim Aslan und seine Familie, die im November 1992 Opfer eines rechtsextremen Brandanschlags geworden sind. Ibrahim war sieben Jahre zu diesem Zeitpunkt. Er konnte von seiner Großmutter gerettet werden, die selber den Anschlag nicht überlebt hat, genau wie seine Cousine und seine Schwester. Es ist sehr bewegend. Und was dann aber passiert danach, ist so unglaublich. Denn es gab eine große Resonanz in der deutschen Bevölkerung. Viele haben Briefe geschickt mit Solidaritäts- und Beileidsbekundungen, mit kleinen Geschenken, Nachfragen, wo man spenden kann. Allerdings sind diese Briefe bei den betroffenen Familien nie angekommen, denn sie wurden an das Müllner Rathaus adressiert und die Verwaltung und der Bürgermeister haben sich dazu entschlossen, die Briefe zu archivieren, wie man das als brave Deutsche macht.
Irmela Mensah-Schramm
00:01:56
Verwaltet, verwaltet, ja.
Susi
00:01:58
Und nur durch einen Zufall wurden diese Briefe dann von Ibrahim Aslan fast 30 Jahre später dann gefunden. Und wie die Betroffenen auch jetzt noch mit diesem Trauma leben müssen und auch immer noch mit Gewalt konfrontiert sind, das kann man in diesem Film sehen. Es gab dann einen anschließenden Panel-Talk, Max Czollik war da, es war eine Vertreterin der Opferperspektive von Pro Asyl da. Auch der Protagonist Ibrahim Aslan war da. Und als es dann um das Thema Polizeigewalt ging, da meldete sich dann eine ältere Dame aus dem Publikum und erzählte eine unglaubliche Geschichte. Ich glaube, da kommen wir auch dann später nochmal darauf. Auf jeden Fall war sie wohl einigen schon bekannt in dem Raum, mir nicht. Und das ist Irmela Mensah-Schramm. Und sie ist Aktivistin seit, jetzt muss ich mal hier spicken, fast 40 Jahren. Sind sie 80 geworden dieses Jahr? Kann das sein?
Irmela Mensah-Schramm
00:02:58
Ich werde dich noch in drei Wochen. Jahrgang 45?
Susi
00:03:01
Oh mein Gott. Also, eine fast 80-jährige Aktivistin, die bundesweit losgeht und Nazi-Sticker und Schmierereien entfernt,
Irmela Mensah-Schramm
00:03:12
Übermalt, übersprüht. Und dokumentiert. Und dokumentiert.
Susi
00:03:18
An diesem Abend in dem Kino hatten sie von einer Konfrontation erzählt, wo sie in Berlin einen Sticker übermalen wollten und eine unangenehme Begegnung mit einem Polizisten hatten. Sagen wir es mal so. Mich hat das so einerseits inspiriert, ja, da sieht man dann so eine kleine Frau, die losgeht und Tag für Tag so widerständig sich gegen diese Zeichen wehrt und auf der anderen Seite noch mit diesem Aspekt von, dann macht man schon was und dann wird man auch. Auch noch, ich weiß auch nicht von der Polizei, dabei gestört, sich gegen Nazis zu stellen. Ich wollte unbedingt noch mehr wissen über ihren Aktivismus, über ihren Mut, aber auch über diese komische, verklärte deutsche Haltung, dass es scheinbar keinen Konsens gibt, dass wir hier keine Nazi-Schmierer rein wollen. Deswegen freue ich mich sehr, sehr, sehr doll, dass sie mich heute eingeladen haben. Ich bin heute zum ersten Mal out of home mit meinem Podcast bei Irmela Mensa Schramm zu Gast. Ich freue mich sehr, dass wir heute sprechen können. Herzlich willkommen bei Verbitter Talentlos. Jetzt will ich natürlich erst mal wissen, 40 Jahre Aktivismus, was war der Auslöser und wie muss ich mir das vorstellen? Gibt es so eine Drei-Tage-Woche oder mal so, mal so oder jeden Tag ein Stündchen? Sie sind ja auch in ganz Deutschland unterwegs.
Irmela Mensah-Schramm
00:04:42
Der Auslöser war genau dort, wo sie ausgestiegen sind aus dem Bus. Da klebte ein Stöcker die Freiheit des Hitler-Stellvertreters Rudolf Hess forderte. Ich war auf dem Weg zur Arbeit, frühmorgens, dreiviertel sieben, da denkt man an nichts Böses. Man schräumt noch ein bisschen vielleicht oder man denkt, was an einem Arbeitsplatz auf einen zukommt. Ich habe ja damals in einer Sonderschule für geistig Behinderte als heilpädagogische Lehrkraft gearbeitet. Und naja, der Schock war da. Ich konnte also nichts machen. Ich hatte auch nichts weiter dabei. Der Bus kam, ich musste einsteigen und das hat mir keine Ruhe gelassen. Und ich habe mich so geärgert, dass ich den dranlassen musste. Und als ich nach zehn Stunden zurückkam, sehe ich, meine Güte, der ist immer noch dran. an einer Haltestelle, wo alle 5 bis 10 Minuten zwischen 10 und 15 Leuten durchaus stehen. Diese Haltestelle wurde später immer wieder mein Aktionsort. Hier wohnt ein Nazi im Haus, wusste ich nicht. Gegenüber wohnte Nazi, es waren also mehrere Nazis. Ich habe dann meinen Schlüssel genommen, meinen Wohnungsschlüssel, und habe den so lange gekratzt, bis er ab war. Aber ich habe jetzt 159 Ordner voll.
Susi
00:06:09
Wie viele?
Irmela Mensah-Schramm
00:06:11
159 Ordner, dicke Leisordner mit Fotos und Stickern, aber ich habe immer nur einen Sticker, also einen pro Seite.
Susi
00:06:21
Also wir sind quasi in den 80er Jahren. Sie stehen an einer Bushaltestelle und die erste Schmiererei, die Sie da sehen,
Irmela Mensah-Schramm
00:06:29
Lässt Sie nicht mehr los. Und dann geht's los. Ich habe mich so geschämt von mir selber. Sag ich, sag mal, bist du wahnsinnig? Du hast die Sachen gar nicht wahrgenommen und musstest erst diesen Stecker vor der Nase erleben. Und dann bin ich ja nachts mit der Leiter hier immer rum und habe da die Sachen abgemacht. Nacht um eins. Und ich weiß noch, da stehe ich an der Ecke hoch oben auf der Zwei-Meter-Leiter. Und dann höre ich eine entrüstete Männerschimme von unten. Was machen Sie denn zu dieser nötigen Stimme hier oben? Und dann habe ich gesagt, da klebten die Aufkleber dann alle auf meinem Ärmel, weil sie so frisch waren. Ich habe es ja gesehen. Deswegen bin ich ja los. Und dann habe ich ihm gesagt, nur meine staatsbürgerliche Pflicht. Der sagte mir nämlich dann, ich würde Ihnen lieber helfen, als Streife zu fahren. Das wussten wir. Ja, es war also ein Polizist. Ja, Zivilpolizist. Das erlebe ich ganz selten, dass Polizisten mit meinem Tun sympathisieren. Und ich habe sowas auch nochmal erlebt, wenn ich das kurz gegenüberstellen darf. Werde täglich angegriffen von angeblichen Bahnhofs oder S-Bahn-Mitarbeiter, weil ich auf dem 70 Heil ausgestrichen habe mit Kuli. Geht da auf mich los, packt mich und will mich richtig mit Wurst aus der offenen Tür rausschmeißen. Ich habe mich gerade noch festhalten können. Dann ruft die Zugabfahrtgerin allen Ernstes in meinem Beisein, in ihrem Kapupfter, die Polizei mit den Worten, hier ist eine Frau, die hat Schmürereien beschmiert. Und dann habe ich in die Reihen gebrüllt, ich habe nur sie heil ausgestrichen, die Kohle, auf dem Setz. Dann kam die Polizei, ein junger Polizist, der hörte sie an, der hörte mich an und er guckte mich lächelnd an. Ich muss sie leider enttäuschen, sie haben vollkommen richtig gehandelt. Jetzt gehen sie runter wie Öl. Und ihr, habe ich dann gesagt, der Zugabförderin, Ihnen muss ich noch mal sagen, Sie sind ein Armutszeugnis der Demokratie. Er hat den Kopf runter gesagt.
Susi
00:08:57
Und können Sie denn aber immer quasi sicher sein, dass diese Menschen dann auch gesehen haben, dass das quasi Nazi-Schmierereien waren? Ich stelle mir das so vor, dass man irgendwann wahnsinnig wird.
Irmela Mensah-Schramm
00:09:06
Nein, die Leute behaupten, das deckt die Meinungsfreiheit. Deswegen habe ich ja den Spruch gemacht, Meinungsfreiheit hat Grenzen. Sie endet, wenn hasse Menschenverachtung beginnen. Entschuldigung, jetzt werde ich aber rabiert.
Susi
00:09:20
Nee, bitte. Das ist so schlimm. Ich habe auch auf ihrer Webseite ein bisschen recherchiert und es kamen ja immer wieder Situationen vor. Sie haben Anzeigen bekommen für Sachbeschädigungen. Leute müssen das ja auch anzeigen. Das heißt, die sehen das und die haben ein Problem damit, dass sie irgendwelche Nazischeiße wegmachen. Und das finde ich so komisch. Also ich kann mir das nur so vorstellen, dass die Leute vielleicht nicht gesehen haben, dass das Nazi-Scheiße war, aber sie scheinen sich da immer sehr sicher zu sein, dass die Menschen das schon wahrnehmen und trotzdem der Meinung sind, die Schmiererei, die sie in dem Moment, also in dem sie kratzen oder spüren,
Irmela Mensah-Schramm
00:09:59
Ist schlimmer als das.
Susi
00:10:01
Was vorher da stand.
Irmela Mensah-Schramm
00:10:03
Ja, ja. Nochmal mit Hinblick auf Ibrahim, er ist ja türkischer Stadtbürger. Ich war vorher im Krankenhaus und höre die Nachrichten, was in Dolingen ja dasselbe passiert war. Ich bin fast wahnsinnig geworden. Und dann wusste ich, ich weiß, ich war zwei Tage gerade, ich hatte die zweite OP hier am Hals. Bin ich losgezogen nach Friedenau, weil ich wusste, dass da immer wieder geschmiert wurde. Kamelficker, die Kanacken, Türkenvergasen und dergleichen. Und dann dachte ich, jetzt gehe ich sofort hin und gucke, dass ich da was tun kann. Das war mein Riesenbedürfnis. Und was finde ich wieder genau, das Türkenvergasen? Auf einem Papierplakat. Dann habe ich das ausschraffiert mit einem schwarzen Stift. Es steigt ein Sicherheitsbensch aus der S-Bahn und fährt mich ein, hören Sie auf zu schmieren. Er sagte, ich schmiere nicht, ich schreiche rassistisches Geschmiere aus. Und ich habe weitergemacht. Dann geht er auf mich los, wollte mir gewaltsam den Stift entreißen. Hätte er nicht tun dürfen. Ich fliege gegen die Wand voll, das hat mir auch weh. Ich meine, die OP-Narbe am Hals war ja auf dem ich vorschlacht. Dann bin ich zurück und habe ihm einen Kott und ich habe die Schulter gebockt. Ich habe gesagt, das lasse ich mir nicht von ihm bieten. Dann packt er mich und ich rutsche ihm auf den Händen raus, knall mit voller Wucht auf den Hinterkopf. Schädel-Hirn-Trauma hat er fallen an. Ruf die Polizei. Ich kriege eine Anzeige wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung und noch einer. Widerstand. Die Erfindung war. Meine Anzeige wegen Körperverletzung wurde sofort eingestellt. Bzw. ich bekomme einen Anruf vom LKA, wenn ich meine Anzeige gegen diesen Botsmenschen zurücknehme, würde die gegen mich auch eingestellt. Und dann habe ich gesagt, ich lasse mich auf keinen Viehhandel ein. Und wenn ich zehnmal verurteilt werde, die Anzeige bleibt. Und die haben sich das einfach trotzdem eingestellt. Und bitte glauben Sie, das habe ich all die Jahre immer wieder erlebt.
Susi
00:12:25
Ich muss mal kurz ganz doof fragen. Also es ist vielleicht ein bisschen blöd, aber jetzt sind sie auch eine Frau, die sind in einem gewissen Alter, sind jetzt kein bäriger Bodybuilder, wo man sagt, da muss man jetzt irgendwie so körperlich vorgehen. Und dann dieser komische, was ist das? Ist das so eine deutsche Pedanterie oder ist das schon...
Irmela Mensah-Schramm
00:12:45
Eine deutsche Krankheit.
Susi
00:12:46
Ist das eigentlich schon auch aus einer Haltung motiviert, dass dieser Polizist oder diese Polizisten, mit denen sie immer wieder konfrontiert waren oder Menschen, die sie dir angezeigt haben... Tatsächlich wollten, dass das da stehen bleibt. Ich verstehe das einfach nicht.
Irmela Mensah-Schramm
00:13:02
Muss ich Ihnen bitte zwei Beispiele noch erzählen? Die sind so spannend.
Susi
00:13:07
Hallo ihr Lieben, hier ist Susi aus dem Off. Es tut mir sehr leid, dass ich Frau Mensa Schramm an dieser Stelle so rabiat unterbrechen muss. Es ist mir wirklich eine Dringlichkeit, dass ich es schaffe, die Kosten des Podcasts zu decken. Ich bin ein Indie-Podcast. Ich mache das alleine. Ich habe momentan keine Möglichkeiten, hier irgendwie zu monetarisieren, Werbekunden und so weiter und so fort. Insofern finanziere ich alles selber. Meine Arbeitskraft, meine Zeit geht hier rein und es entstehen einfach Kosten. Es gibt ein Haus, es gibt Software und, und, und. Dafür brauche ich eure Hilfe. Ich muss auch sagen, dass ich allen meinen Mitgliedern, die schon da sind, extrem dankbar bin. Es ist nicht nur schnöder Mammon für mich. Es ist auch eine Art von sehr, sehr, sehr extrem gutem Feedback. Ich merke einfach, da ist so eine große Wertschätzung und insofern auch eine Verbindlichkeit irgendwie von zwei Seiten. Also guckt mal auf Steady. Link ist in den Shownotes. Es gibt verschiedene Pakete, angefangen bei drei Euro. Es ist alles sehr unkompliziert. Es ist ähnlich wie mit PayPal bezahlen. Ihr könnt jederzeit kündigen. Denn das ist alles sehr easy. Und im Februar gibt es einen fetten Drop für alle, die eine Mitgliedschaft im Februar abschließen, egal in welcher Höhe. Gibt es eine meiner begehrten Männerfantasien Tragetaschen oder wahlweise Hold the Mamas Tragetaschen? Also es lohnt sich. Und auf Steady findet ihr außerdem meinen Newsletter. Auch der ist kostenlos und auch ohne Abo lesbar. Der ist also auch nicht an die Mitgliedschaft gebunden. Könnt ihr euch Inspiration holen für feministische Bücher, Podcasts, Serien, Dokus. Alles, was mir so unterkommt. Der Newsletter ist jetzt nicht noch eine zusätzliche Möglichkeit, Mich mit kostenloser Content-Arbeit selber auszubeuten, sondern es ist auch ein Versuch, aus den Social-Media-Geschichten auszusteigen. Also ich habe gemerkt, es ist viel, viel schöner, einfacher und wirksamer, mit meinen HörerInnen quasi über den Newsletter zu kommunizieren, als das so in den Algorithmus reinzukippen. Ja, sorry nochmal für die kleine Unterbrechung. Jetzt geht's weiter mit Imola Mensa Schramm.
Irmela Mensah-Schramm
00:15:28
Das eine war es noch nicht allzu lange her in Erfurt. Da war vor einer Polizeistation am Verkehrsschild von oben bis unten alles voller wirklich dreister Nazi-Stecker. Und ich bin da ran und habe die schön Stück für Stück abgeschafft. Da kommt ein Polizist rausgerannt und fährt mich an, hört sie sofort auf mit der Sachbeschädigung. Da habe ich gesagt, nee, das Kleben ist auch Beschädigung. Und wissen Sie was? Ich bin bekannt dafür, dass ich jetzt aufhöre, wenn ich fertig bin. Und er machte immer so einen Ansatz, als ob er mich angreifen wollte. Ich klinke den Rotsprech an und habe weiter immer abgeschafft. Und als ich fertig war, habe ich gesagt, ich möchte von Ihnen bitte die Dienstnummer. Hat er mir nicht gegeben. Dann sage ich, gut, dann zeigen Sie mich doch bitte an. Hat er auch nicht gemacht, weil er nämlich seine Dienstnummer angeben muss. Aber solche Sachen erlebe ich.
Susi
00:16:28
Aber in dem Fall ist es ja noch klarer. Also da sind Sticker mit irgendwelchen Nazi-Scheiß drauf. Wenn Sie die abmachen, das ist ja das Gegenteil von Sachbeschädigen. Das ist ja sowas wie Putzen. Also das ist ja nicht mal jetzt übergespräht oder mit einem Edding. Das ist ja tatsächlich eine Verbesserung des Zustandes.
Irmela Mensah-Schramm
00:16:48
Naja, das hat auch die Staatsanwaltschaft ja selber gesagt, als ich aus Demokratie ist Volkstod in Bautzen habe ich das gefunden und habe daraus gemacht, Demokratie ist Herz. Und da wurde ich auch angezeigt, da hat mich sogar der Polizist, der gerufen wurde, mich als kriminell bezeichnet. Und der Staatsanwalt hat aber dann die Anzeige eingestellt mit der Begründung, die Sachbeschädigung war ja vorher da.
Susi
00:17:16
Also es gibt so zwei Dimensionen. Das eine sind diese Zeichen von Hass, Hetze und...
Irmela Mensah-Schramm
00:17:24
Nee, Moment. Die unter Verbot stehenden Symbole müssen von Staats wegen sofort entfernt werden.
Susi
00:17:33
Ja, so dann haben wir diese Dimension von diesen Zeichen. Also Leute machen diese Zeichen, Hakenkreuze und so weiter und ekelhafte Sprüche. Ich muss zugeben, dass ich so ähnlich wie Sie das vorhin geschildert haben, auch kaum was wahrnehme. So in Potsdam. Also habe ich so eine Scheuklappe oder bin ich so ein Stubenhocker? Ich weiß es nicht. Oder es kann passieren, dass ich es jetzt überall sehe.
Irmela Mensah-Schramm
00:17:57
Das kann Ihnen jetzt nach dem Gespräch passieren. Das haben mir Leute jetzt immer wieder bestätigt, die mich kennengelernt haben, denen ich die Sachen gezeigt habe, mit ihnen gesprochen habe, dass sie plötzlich Sachen entdeckt haben, die sie nie gesehen haben. Und eine, die hat mir zum Beispiel mal gesagt, dass sie sich gefragt hat, warum sehe ich das nicht? Jetzt gucke ich mal wie Irmela. Und prompt hat sie die Sachen entdeckt.
Susi
00:18:26
Also es scheint schon eine gewisse Ignoranz zu geben. Ich weiß noch nicht genau, wie ich das beschreiben soll. Ich habe Angst, dass es vielleicht sogar schon Gewöhnung ist. Dass man gar nicht so sofort alarmiert ist oder bei jedem Hakenkreuz jetzt gleich Schnappatmung bekommt. Sie hatten mir mal einen Ordner gezeigt und auch ein paar Exponate aus ihrer Ausstellung. Wenn man das dann so geballt sieht, da wird einem dann übel. Aber wenn man so in der Bahn sitzt und gerade ein bisschen träumt und nochmal die Einkaufsliste durchgeht und das ist einfach irgendwie so en passant, dann kann man das wahrscheinlich ziemlich gut verdrängen mal schnell.
Irmela Mensah-Schramm
00:19:05
Das sind mal ein Beispiel. Ich habe ein ganz tolles Beispiel gerade, fällt mir ein. Ich sitze in der S-Bahn und ich sehe, beobachte einen Junge, der ganz entsetzt guckt. Ein Kind, was ganz entsetzt guckt. Da dachte ich, da muss was sein. Und dann gehe ich hin und sehe, was da steht. Er hat mir die Sprache zu schlagen. Ignaz Bubitz, alte Sau, ab nach Ausstitz-Bürgenau. Das war es. Und das sehe ich in dem Moment, wo die S-Bahn reinfährt, Oranienburger Straße. Ist auch makaber, wo die Synagoge da drüber ist. Ich kriege richtig Gänsehaut, so ich jetzt daran denke. Ich hatte leider meine Kamera nicht dabei, weil ich auch vom Dienst kam. Aber immer eine Flasche Nagellackentferner. Und dann habe ich laut in der S-Bahn gerufen. Leute, seht ihr das nicht? Und dann habe ich das vorgelesen, laut. Und dann die Reaktion der Leute. Haha! Ist das ein Grund zum Lachen? Ich war so geschockt. Okay, dann habe ich gesagt... Leck mich im Arsch. Also das ist gedacht, ja. Dann bin ich hin und habe vor dem Kind mit Nagellackenpann das wunderschön wegputzen können. Der Junge strahlte mich an. Ich stecke aus und finde dann noch am S-Bahnhof Oraniburger Straße auf dem Papierwerbeplakat ein Einmeter-Hakenkreuz. Den habe ich das ganze Plakat einfach ausgerissen. Und bin damit dann in die Synagoge, weil ich wusste, dass da Sicherheitspolizisten sind. Ich möchte, habe ich gesagt, eine Schrepanzeige. Hier, das Fund hier unten am Bahnhof, das ist überhaupt passiert, direkt da drunter. So viele Leute steigen ein und aus und gehen vorbei. Da fragt mich der Polizist, was für eine Anzeige soll ich denen aufschreiben.
Susi
00:21:05
Wüsste ich jetzt auch nicht, ich muss das zugeben.
Irmela Mensah-Schramm
00:21:08
Verstoß gegen 86a und 131. Solche und ähnliche Sachen, die passieren mir sogar heute noch.
Susi
00:21:22
Also das war ja auch das Berührende in dem Moment, in dem Kino, im Zusammenhang mit dem Film, auch die Arbeit, was Ibrahim Aslan auch macht, dass wir verstehen müssen, dass wir in Deutschland einfach ein richtiges rechtes Problem haben, in allen Schichten Und sogar eine Art Schutz, wenn man sich die Geschichten von ihnen anhört oder auch gar kein richtiges Bewusstsein und Max Scholleck hat es dann auch noch gesagt an dem Abend und eine gleichzeitige Leugnung dessen. Ja, also es darf nicht sein, wir haben hier keine Nazis, wir haben hier kein rechtes Problem. Und deswegen kann man natürlich diese Probleme gar nicht sehen, weil sie dürfen ja nicht da sein, also sind sie auch nicht da. Und das ist eine Gleichzeitigkeit, die halt total fatal ist, Weil man als jemand, der sich aktiv dagegen bekennen möchte, gegen Nazis, gegen Hass, gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Nationalismus, wirklich das Gefühl bekommt, dass man irgendwie falsch gepolt ist oder sowas, ja? Oder Geister sieht oder so. Und auch eine Solidarisierung so schwer möglich ist. Also ich habe gemerkt, als sie das erzählt haben im Kino, dachte ich, boah, Die ist aber mutig. Also ich fühle mich nicht mehr so vergewissert in allen Räumen und in allen Situationen, dass ich mir trauen würde, jetzt zum Beispiel auf meinem Rucksack Fuck AfD-Sticker zu tragen oder an mein Haus Nazis rauszuschreiben, weil ich mir nicht mehr sicher bin, ob dieses Umfeld so homogen ist und ob da wirklich ein Konsens ist oder ob mir da ein Stein ins Fenster geschlossen wird und ob ich da noch sicher bin.
Irmela Mensah-Schramm
00:23:09
Das ist ja auch ganz unterschiedlich. Also das habe ich ja auch festgestellt, dass junge Männer, da suchen die eine Möglichkeit, direkte Einzwerfer. Bei mir, da ist komischerweise die Hemmschwelle noch erstaunlich hoch, weil ich alt bin. Aber die agieren mit Methoden, die einen ganz schön verletzen können. Deswegen habe ich ja auch meine Adresse auf dem Melderegister streichen lassen. Ich habe da wirklich Drohungen bekommen und andere schlimme Sachen erlebt, die nicht weniger heftig waren. Aber ich habe zum Beispiel in Rudow erlebt, wo ein Mann auf dem Motorrad, schwere Maschine, gesehen hat, wie ich einen PD-Aufkleber abmachte. Da hat er das ganz nah an mir hochgezogen und wollte das auf mich losschmeißen und hat mich beschimpft mit übelsten Sachen und massiv bedroht. Da habe ich gesagt, sie sind ein süßes kleines Arschloch, habe ich dann gesagt. Und das hat dann gefürgt? Nee, ich habe ihm dazu bewusst gesagt, dass er sieht, ich lasse mir keine Angst einjagen. Natürlich, ich habe schon Angst, aber ich zeige sie nicht. Und ich erzähle den Schülern immer zum Beispiel, als ein Junge mich trifft, als ich im Kopf putze, ein Hakenkreuz auf einem Poller mit Nagellackentferner wegputze. Und er fragt mich auch, was machen die da? Sag ich, ein Hakenkreuz weg. Warum? Sag ich, das ist ein Nazi-Symbol hier in Deutschland und das kommt ab. Das muss weg, das ist verboten. Er sagt, die sollen das aber dranlassen. Sag ich, nee, das kommt ab. putze weiter. Und dann wurde er richtig schon ein bisschen äh, ich habe ihm gesagt, das soll dranbleiben. Nein, das kommt ab, putze weiter. Und da war er so wütend und schreit mich dann an. Ich habe ihm gesagt, das soll dranbleiben. Auch habe ich gesagt, zu spät, das ist ab. Und dann sage ich auch den Leuten, wenn ich das erzähle, muss man genau aufpassen, wenn die sich umgucken, wollen die Zeugen ausschalten. Und selber ganz ruhig bleiben, ganz wichtig. Kein Geschrei, gar nichts, gar nichts. Das muss ich noch etwas ganz Wichtiges sagen. Also ich habe die Strategie, gegen Hass hilft nicht gegen Hass. Ich will was erreichen. Und die Nazis sind auch Menschen wie du und ich. Sind sie? Sind Menschen, ja. Und ich bin ja radikal-Pazifist. Das heißt, ich will anders überzeugen. Und was soll ich sagen? Ich habe mal in Lichtenberg eine massive Nazi-Bedrohung gerade überstanden. Es war mir noch richtig schwer im Magen. Und ich habe mir gesagt, so gehe ich nicht nach Hause. Ich werde das abarbeiten. Und dann bin ich von Lichtenberg nach Rudow. Da bin ich seit 1995 aktiv. Und da kommt mir einer, der mir das Leben dort schwer gemacht hat, der in die Hauswand ganz groß wohl geschrieben haben muss, Schramm, wir kriegen dich. Jetzt habe ich öfters gefunden, oder Zeckenoma, wir kriegen dich, habe ich auch gefunden. Der kommt auf mich zu und ruft mir entgegen, Frau Schramm, ich bin nicht mehr dabei. Und dafür will ich ihn danken. Glauben Sie mir, ich habe wirklich gedacht, ich werde ohnmächtig. Ich war dann auch ganz gerührt, da kamen die Tränen und dann sage ich, sie kommt in der Dinnenswandel. Ja, sagt er. Ich habe ihm viel Schleiz gemacht, aber sie haben trotzdem immer weitergemacht. Und das gab mir zu denken. Und dann habe ich ihm die Hand gegeben, gratuliert und Hilfe eingebunden. Ich hoffe, er hat es geschafft. Aber ist das jedenfalls?
Susi
00:27:11
Ja, jetzt haben Sie schon ein bisschen vorweggenommen, weil ich habe mich ehrlich gesagt gefragt bei den Anfeindungen, die Sie erleben und Bedrohungen. Es sind 40 Jahre auch eben einer Sisyphus-Arbeit. Sie hatten mir vorhin auch eine Karte gezeigt mit ganz vielen Pünktchen,
Irmela Mensah-Schramm
00:27:26
Wo sie in Deutschland überall war. Und Fund- und Tatorte.
Susi
00:27:29
Und dass man da nicht resigniert, sage ich mal. Es kommt ja immer wieder Neues und scheinbar, darüber haben wir jetzt noch nicht gesprochen.
Irmela Mensah-Schramm
00:27:36
Wird jetzt sowieso wieder geklebt. Ich komme auch sowieso wieder.
Susi
00:27:40
Und wir haben auch noch nicht über die Kontinuität gesprochen. Also es hat ja auch den Eindruck, so wie wir manchmal über den Rechtsruck sprechen und auf einmal kommt der Rechtsruck wieder, dass sie eine ganz andere Erzählung erlebt haben. dass es nie weg war. Also in meiner Erinnerung ist es so wie 90er Jahre, Baseballschlägerjahre und dann war es irgendwie ruhig und auf einmal ging es 2015 irgendwie los. So ist ja irgendwie diese deutsche Erzählung und davor hatten wir überhaupt kein Problem. Das war überhaupt kein Thema in Deutschland, dass irgendjemand da rechts war. Und da muss man ja bei Ihrer Arbeit sagen und bei Ihrer Dokumentation, äh, doch, es war nie weg.
Irmela Mensah-Schramm
00:28:20
Immer. Es war immer. Und es gab zwei Wellen, die Kuratorin vom Zentrum für Antisemitismusforschung. Wie die meine Doku durchgeblättert hat. Die war ja völlig schockiert. Sie sagte mir, aber sie hat nirgendwo so eine umfangreiche Dokumentation gesehen wie bei mir. Und wenn ich den neuesten jetzt zeige, ich habe wieder völlig neue Sachen gefunden, wo ich wirklich sage, das ist gruselig. Und ich kann mich daran nicht gewöhnen. Übrigens, ich bin ja gefragt worden mal früher, wie die Aufkleber ich denn entfernt hätte. Und ich konnte nie antworten, weil ich mir nie Gedanken gemacht habe, Hauptsache, die waren weg. Und dann habe ich am 3. Januar 2007 angefangen zu zählen. Es ist also 21 Jahre später. Und jetzt, soll ich Ihnen sagen, es sind 97.568. Und wenn ich jetzt die anderen Sachen, die ich auch weggemacht habe, Nazi-Plakate und so weiter, sind so an die 140.000 Zahlen.
Susi
00:29:32
Sie haben natürlich durch dieses Langzeitprojekt jetzt diese Dokumentation und diese ganz schmerzhafte Wahrheit quasi auch verbildlicht. Und dann haben wir so ein Aufzeigen, ein Spiegelvorhalten auch der Ignoranz. Also ich sage Ihnen im halben Jahr mal Bescheid, wie viele Nazi-Schmierereien ich dann ab heute wahrscheinlich sehen werde. Und trotzdem, ich hatte mich schon auf dem Weg hierher gefragt, was bedeutet es, diese Sticker abzumachen oder diese Schmierereien wegzumachen? Es ist einerseits brillant, weil es ist pazifistisch.
Irmela Mensah-Schramm
00:30:06
Das ist ein gutes Gefühl, dass es weg ist, ja.
Susi
00:30:08
Ja, aber es ist auch so klein. Wissen Sie, was ich meine? Also noch ein Sticker und noch ein Sticker und noch ein Sticker.
Irmela Mensah-Schramm
00:30:16
Das Interessante ist ja, es wird immer behauptet durch die Internetgeschichte, durch diese Vernetzung der Nazis. Die Sticker kleben und schmieren, kein Thema mehr. Das stimmt so gar nicht. Zum Beispiel habe ich jetzt zweimal erlebt, einmal in Rudow und einmal bei Magdeburg, da bin ich ja jeden Monat, Da hatte ich gerade an einer Laternenaufkleber abgemacht und da sind die Typen, denen mich, gehen hin und einer kam die Straße rüber und hat vor meiner Nase einen neuen geklebt. Und dann habe ich Postwenden geschnackt, auch abgemacht. Ich habe gesagt, Nazi-Dreck kommt weg. Aber das Fatale jetzt ist, was ich in Rudolf wiederum erlebte, da haben Taxifahrer Partei ergriffen für die Nazis, die mich massiv bedroht haben. Ich rufe die Polizei, zwei Polizistinnen kommen und sagen zu mir, sie hören sofort auf.
Susi
00:31:15
Aber wie bewerten Sie das? Warum bleibt das dran? Warum sind Leute echauffiert, wenn sie einen Schriftzug Ausländer raus überpinseln? Ich verstehe das nicht. So eine Dreistigkeit auch, das ist ja nicht so viel oder irgendwie verrätselt oder irgendwelche Codes.
Irmela Mensah-Schramm
00:31:30
Und da kann ich Ihnen nur sagen, das kann nicht wahr sein, in einem Land, was angeblich aus unserer Nazi-Zeit gelernt haben will, ich denke mal sollte, dass in diesem Land sowas überhaupt noch möglich ist und ich immer noch kriminalisiert werde, in einer Art und Weise angefeindet werde. Da muss ich auch was sagen. Da habe ich jetzt hier im Tunnel in Zehlendorf, da übrigens eine große Herz ist immer noch dran von mir, da bin ich nicht erwischt worden. Ich habe da gesehen, Merkel muss weg. Es war ja wegen der 2015 dieser Flüchtlingssache lang, ich sage bewusst nicht Welle. Da war ich so wütend. Da habe ich gesagt, jetzt nicht nur unkenntlich machen, lass dir was einfallen. Und ich hatte eine tolle Idee. Aus Merkel muss weg. Merkel, Hass muss weg. Ach, ich war so stolz drauf. Und werde von Leuten beschimpft. Ich sage, Beschädigung, dafür habe ich mal die Bundesverdienstmedaille bekommen. Also was wollen Sie? Und dann beim zweiten Mal, jetzt wie gesagt, bei einem wiederholten Mal, da haben die die Polizei gerufen. Und dann kamen zwei Polizisten und das ist jetzt ganz interessant. Der Jüngere, ein sympathischer, fast empathischer Typ, sagte, ich kann sie so gut verstehen, da wird nicht raus, warte mal. Und dann kommt der andere, würden die dann die Merkel wählen? Sag ich, die muss sie doch gar nicht wählen. Aber auch sie hat ein Recht auf Wörter. Es war bei ihr ganz starke Frauenfeindlichkeit. Wenn sie wüssten, was ich ein Aufgeber mit der Merkel gefunden habe, also ich bin nie ein Fan von ihr gewesen, aber eine splitternackte Frau, Beine breit, dann ihr Gesichtspotos, also Fotokollage, sie lässt jeden rein. Also Sexismus, Rassismus, manche Leute meine Inhalteordner gesehen, die haben gesagt, sie können nicht mehr, ihnen ist schlecht. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, mein Bedürfnis ist Einfach da das zu dokumentieren, um der Welt zu zeigen, wozu die Menschen billig sind.
Susi
00:33:57
Also ich habe auch, ich muss zugeben, dass ich den Begriff Rechtsruck jetzt auch nochmal besser verstanden habe, seit Friedrich Merz unser lieber Kanzler ist. Weil ich immer dachte, der Rechtsruck, der kommt von den Rechten und die rücken, die rückeln dann einmal und dann rückeln sie nach vorne. Aber was eigentlich passiert, ist ein Ausbreiten und ein Aufweichen von Haltungen, von Grenzen, von Widerstand und ein langsames Tränken und ein Selbstbewusstsein aufbauen und das Unsagbare immer weiter ins Sagbare hinein zu verschieben. Nämlich nicht von den paar radikalen Leuten, die sozusagen versuchen, so habe ich es mir immer vorgestellt, diesen Ruck zu schaffen, wie mit so einem Rambock durch die Tür. Nein, von den anderen werden sie immer weiter reingelassen.
Irmela Mensah-Schramm
00:34:47
Ich muss Ihnen noch was erzählen, damit wir noch lachen können. Also die Strategie, es ist alles so furchtbar, top. Tränchen runter, das ist schrecklich. Das lähmt. Ich sage mit Lust und Laune gegen Braune. Ich lache. Meine Freundin sagt immer, warum lachst du, wenn du ein Hackenkreuz siehst? Das habe ich gesagt, weil ich weiß, dass es gleich weg ist.
Susi
00:35:13
Also ich bewundere das, dass Sie da diese Strategie haben, sagen wir es mal so, mit absoluter Hartnäckigkeit und auch mit der Prise, kann man Humor sagen, Oder vielleicht ist es auch Sarkasmus, da ranzugehen. Ich bin extrem wütend und vielleicht bin ich aber auch schon ein bisschen in der Lähmung. Ich stelle mir auch so vor, so wie heute, ich bin im Bus und irgendwie total gestresst und aufgeregt. Wäre ich dann noch aufgestanden oder wäre ich noch eine Runde weiter mit dem Bus gefahren, um mir die Zeit zu nehmen? Ich meine, bei einer Verabredung mit ihnen wäre das angemessen gewesen. Aber es gibt ja jeden Tag, man geht zur Arbeit, das Kind muss zur Schule, der Alltag. Ich sage es mal ganz blöd, ich habe keine Zeit für die Nazi-Scheiße. Ich habe meine eigenen Probleme. Das ist ja auch etwas, was so aushöhlt, weil man denkt, eigentlich, also der Podcast ist ja natürlich auch meine Form des Versuchs aufzuklären und auch des Widerstandes. Aber irgendwie habe ich auch das Gefühl, sind das Ausreden? Müssten wir jetzt alle stehen und liegen lassen? Oder wie? Also ich fühle mich da wirklich überfordert, jetzt irgendwie in meinem Alltag sowas einzubinden und zu sagen, so wie kann ich jetzt mich noch solidarisieren gegen rechts und noch eine Demo und jetzt noch was abkratzen. Wissen Sie?
Irmela Mensah-Schramm
00:36:33
Ja, aber schauen Sie mal, wenn Sie zum Beispiel auf dem Zählendorf machen, um was abzumachen. Und da hat sich auch ein Zugabfahrtiger damals, empört. Diese Aufkleber gegen die Geflüchteten bin ich auf keinen Fall, Und dann sagt er, wieso? Für die mache ich mir meine Hände gespritzt.
Susi
00:36:54
Machen Sie eigentlich Unterschiede zwischen Nazis, Rechtsextremen, Rechtsradikalen, gesichert Rechtsextremen, Mitläufern? Also gibt es für Sie da Unterschiede? Die Passanten, die Sie zum Beispiel anzeigen oder beschimpfen, die Polizisten, die vielleicht Sie hindern wollen und die Menschen, die diese Schmierereien machen, machen Sie da Unterschiede? Sind das alles Nazis für Sie? Also die Leute, die diese Schmierereien machen und die Leute, die Sie davon abhalten wollen?
Irmela Mensah-Schramm
00:37:21
Also sage ich mal so, rechts, diese Parolen, die ich jetzt bekämpfe, sind ja von den Resten. Wer jetzt so einen Aufkleber klebt mit Sprüchen gegen Migranten und Juden und so weiter, dann sind das keine Demokraten. Auf keinen Fall. Und die Nazis haben ja früher auch andere eben ausgegrenzt. Und die Leute müssen sich wirklich dann fragen lassen, wenn sie das gut finden, was sie tun, wo sie dann eben pflanzen.
Susi
00:37:55
Aber das ist ja genau das, womit dieses Aufweichen, also was gerade passiert, dass Leute dann dazu stimmen und man dann im Fernsehen Debatten sieht, wo darüber gesprochen wird, ob das Meinungen sind, die legitim sind oder nicht. Und sie hatten mir vorhin in ihrem Ordner oder in ihren Ausstellungsunterlagen nochmal sehr eindrücklich gezeigt, worum es den Nazis eigentlich geht bei diesen Spierereien. Dieses Signal zu setzen, wir sind da und wie wir diese kleine vermeintliche Lappalie und das, was wir so leicht ignorieren können, eigentlich verstehen müssen, wie so eine Vorhut auch zum Handeln.
Irmela Mensah-Schramm
00:38:37
Also ich habe ja auch manchmal die Sachen mal jetzt auch wieder angeguckt und habe versucht auch mir zu erklären, warum sie jetzt diese Wortwahl nehmen und jede Wortwahl. Und es hat sich auch sehr verändert. Und zwar, glaube ich, sagen zu können, durch die weiteren Gruppen, die dazu gekommen sind, diese intellektuellen Nazis, die von den Identitären, die da ganz stark sind und bei dem 1%, also da merke ich schon, diese Parolen, die sie da haben, die sind ziemlich abgehoben. Die verstehen auch manche Leute noch nicht mal. Das fällt mir gerade ein, jetzt im Nauen. Ein Mann mit Noten, ein Mann, wo ich meine, der Bildung hat, und ich gerade ein Hackenkreuz am Bahnhof wegmachte. Warum machen die das weg? Kommen die an den Schiff, ich mache die Neues. Also ich denke wirklich, eine Landschaft, eine Umgebung, ein Stadtbild.
Susi
00:39:45
Das wollen wir jetzt auch nochmal kakern.
Irmela Mensah-Schramm
00:39:48
Ja, das Stadtbild ohne Aufkleber ist einfach ein menschenwürdiges Stadtbild. Ich habe jetzt die Tasche bestellt, wie ich es neu beschriften lasse. Ich bin gerne kriminell in Gänsefüßchen für die Menschenwürde im Stadtbild, weil ich ja immer wieder angegriffen, angemacht, kriminalisiert werde, dass ich im Stadtbild Verschädigung begehe. Und ich mache es für die Menschenwürde. Die Menschenwürde ist für mich viel wichtiger als das, was dabei kaputt geht. Und ich sage auch immer, alles, was bei mir kaputt geht, kann man doch wieder reparieren. Die verletzte Menschenwürde jedoch nicht. Das war ein Schlusswort.
Susi
00:40:40
Das ist ein schönes Schlusswort. Ich möchte aber auch nochmal erwähnen, weil das haben Sie so en passant gesagt. Sie machen Workshops in Schulen,
Irmela Mensah-Schramm
00:40:48
In Vereinen.
Susi
00:40:49
Man kann sie beauftragen. Und ich glaube, die Internetadresse von Ihnen ist hass-vernichtet.de.
Irmela Mensah-Schramm
00:40:56
Ist das richtig? Ja, hass-vernichtet.de.
Susi
00:41:00
Da findet man dann den Kontakt zu Ihnen, kann Sie anfragen. Macht es wirklich auch Eigeninitiativ. initiativ, informiert die KlassenlehrerInnen oder die Schulleitung, dass man Frau Emelah-Menser-Spramm einlädt, bitte. Und Ibrahim Aslan hat das übrigens auch als Angebot, auch deutschlandweit. Besucht er Schulen, versucht aufzuklären. Mich hat das sehr berührt, beeindruckt und ich finde es auch toll, dass es Menschen gibt, die das machen. Ich habe ja auch ein Kind, was sieben Jahre jetzt ist und es ist auch schwer, finde ich, mit Kindern darüber zu sprechen. Ich habe da auch manchmal Bedenken und was kann man sagen und was nicht und was können die vertragen und was nicht. Und deswegen finde ich das auch toll, wenn man das so ein bisschen, ich will nicht sagen auslagern, aber auch im Kollektiv macht, mit den MitschülerInnen zusammen und eingebettet in so einer Aktion, weil mich das alleine auch, muss ich wirklich zugeben, auch überfordert teilweise.
Irmela Mensah-Schramm
00:42:00
Also, dieser Workshop, der ist ja 90 Minuten. Ich sage auch, was ich tue, warum ich es tue, erzähle von den Begegnungen mit den Nazis und sage auch immer, bitte bedenkt gegen Hass, selbst wirklich nicht gegen Hass. Und dann als letztes ist dann das anonyme Feedback, hat mir einer geschrieben, ich weiß ja, dass ich solche Sachen nicht mehr hinschreibe. Hat man was bewirkt.
Susi
00:42:27
Ihr Lieben, ich hoffe, ihr konntet was mitnehmen aus diesem spannenden Gespräch. Ich glaube, es war die erste Folge, wo dann doch mal meine Gästin mehr Redeanteil hatte als ich. Normalerweise bin ich hier die Quasselstrippe. Und wie immer, wenn euch der Podcast gefällt, ihr könnt mich unterstützen, indem ihr davon weitererzählt. Wenn ihr gerne Sternchen und Kommentare da lasst in eurer Podcast-App, wenn ihr eure Social-Media-Kanäle anschmeißt.

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