54. Von weiblichen Muskeln und weiblicher Dominanz im Roman Gym
Feministische Buchrezension mit dem Podcast DIE LESERINNEN
15.01.2026 53 min
Zusammenfassung & Show Notes
Die Powerfrau scheitert an ihrer Selbstoptimierung und unterwirft sich dem Spiel der Männer.
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🏋️♀️ Krankhaft kontrollsüchtig oder alles ganz normal?
Die namenlose Protagonistin im Roman Gym (von Verena Kessler) ist eine Powerfrau. Sie arbeitet an ihrer Selbstoptimierung bis alles außer Kontrolle gerät. Der Roman bricht mit binären Vorstellungen über Gewalt- und Dominanzfantasien und spitzt weibliche Anpassungsstratgien im männlich geprägten Neoliberalismus zu.
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🏋️♀️ Krankhaft kontrollsüchtig oder alles ganz normal?
Die namenlose Protagonistin im Roman Gym (von Verena Kessler) ist eine Powerfrau. Sie arbeitet an ihrer Selbstoptimierung bis alles außer Kontrolle gerät. Der Roman bricht mit binären Vorstellungen über Gewalt- und Dominanzfantasien und spitzt weibliche Anpassungsstratgien im männlich geprägten Neoliberalismus zu.
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🎙️ Zu Gast: der Podcast DIE LESERINNEN
Christina ist Host des feministischen Bücherpodcast DIE LESERINNEN. Mit ihr möchte ich über die Sehnsucht nach Kontrolle sprechen, über weibliche Selbstoptimierung, und Gegenentwürfe zur Leistungsgesellschaft.
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Transkript
Ich habe Gewaltfantasien. Ich sage es im Zimmer ganz klar.
Ich habe diese Sehnsucht nach Dominanz, nach Kontrolle.
Du wirst dich nicht wiedererkennen bis Weihnachten. Und ich so,
oh geil, bis Weihnachten. Das klingt interessant. Wenn die Hose dann wieder besser passt.
Bevor das Gym mein Wohlfühlort war, war die Arbeit mein Wohlfühlort.
Das Büro. Verstehst du? Erwachsene Menschen.
Kaffeemaschine. Ich muss keinen Mittag kochen. Gibt es noch was Schöneres auf der Welt?
Wenn wir nicht patriarchal leben würden, dann würden ja all diese Wettbewerbsdynamiken wegfallen.
Hi, hier ist Susi von Verbitter Talentlos. Heute geht es um den Roman Gym von Verena Kessler.
Mein persönliches Lieblingsbuch 2025.
Ein Buch über weibliche Muskeln, weibliche Gewaltfantasien und Kontrollzwang.
Mit dem konnte ich mich einfach total gut identifizieren.
Mich hat einfach dieses Scheitern am Ehrgeiz und diese Sehnsucht nach Dominanz
so beschäftigt. Ist bei mir auch ein kleines Dauerthema.
Es gibt übrigens dazu auch schon die Folge, die heißt, lasst mich kurz sagen,
leg dir einen inneren Mann an, verlinke ich euch nochmal.
Und es wird Zeit, dass ich einfach mal darüber sprechen kann. Es muss raus.
Und dafür habe ich mir heute eine lang ersehnte Gästin eingeladen.
Und zwar ist sie Host von dem Podcast Die Leserin. Sie podcastet regelmäßig
zu feministischen Büchern.
Ich sage immer ganz gerne, wir sind so Podcast-Schwestern, weil wir haben beide
im selben Jahr unsere Podcasts quasi gegründet und tauschen uns seither aus, unterstützen uns.
Die Leserinnen waren auch bei dem Happy Fucking Mother's Day am Start und haben
eine tolle Folge gemacht. Ich verlinke euch die auch gern nochmal.
Liebe Christina, endlich bist du bei Verbittertalentlos. Herzlich willkommen.
Ich freue mich, dass du da bist.
Vielen Dank für die Einladung. Ich bin ein bisschen erkältet.
Ich hoffe, es stört dich nicht da draußen beim Zuhören.
Susanne, ich würde sogar so weit gehen, dass ich finde, dass es eine Podcast-Freundschaft ist.
Oh, also mit deiner Erkältung, da passt du auch schon komplett gut rein ins
Thema, weil wir ja alle unterm Präsentismus leiden und nie Termine absagen und
immer alles durchziehen.
Ich habe auch, glaube ich, die ersten 20 Folgen alle mit Erkältung gepodcastet
und eine mit Corona und ich sage nicht welche, ihr könnt ja mal durchhören.
Und vielleicht merkt man den leichten Wahnsinn, der sich da schon breit macht.
Und da sind wir auch schon genau im Thema drin.
Christina, ich weiß, du bist eine sehr aufmerksame Leserin und du bist es ja
eh gewohnt in deinem Podcast, gute Kurzzusammenfassung zu machen.
Deswegen könntest du versuchen, kurz mal zu sagen, was wir in diesem Roman lesen, ohne zu spoilern.
Weil ich will natürlich, dass meine HörerInnen dieses Buch sich besorgen und
durchlesen. Und das hat so ein paar ganz gute Überraschungsmomente,
die wir vielleicht nicht im Podcast erwähnen wollen.
Nee, die Twists sind echt großartig und wer auch Filme und Serien mit guten
Twists mag, der wird das Buch lieben.
Verena Kessler hat mit Jim wirklich einen großartigen Roman geliefert.
Es geht um eine Frau, die, man weiß am Anfang nicht warum, im Moment arbeitslos
ist und auf der Suche nach einem neuen Job ist.
Und es ist irgendwie schon relativ klar, dass der Job, um den sie sich bewirbt
und wo sie reinschlittert, das ist nicht ganz so normalerweise ihr Level.
Man erfährt aber am Anfang nicht genau, warum.
Und sie ist auch nicht so richtig in Shape. Also sie hat sich ein bisschen gehen
lassen, aber sie steht also jetzt in einem Fitnessstudio ausgerechnet,
bewirbt sich und auf die Frage, ob sie sich denn auch identifiziert mit dem
Lifestyle und so, fällt ihr nichts anderes ein, als zu sagen,
Ja, sie hat ja gerade eben erst entbunden, also sie hat ein Baby und deshalb
ist sie nicht so richtig in Shape, aber eigentlich ist es halt total ihr Leben.
Fitness und Sport ist super ihr Ding und das ist auch so eine großartige Geschichte,
weil der Fitnessstudio-Besitzer Feminist ist, wie er sich selbst bezeichnet,
gibt er ihr also den Job und sie fängt an, am Tresen, da wo die Shakes gemacht
werden und so, in einem Fitnessstudio zu arbeiten.
Und allein der Anfang ist schon so subtil mit so Hints bestückt,
dass man schon da total neugierig ist und gleichzeitig ist es skurril,
weil man denkt, what the hell.
Also das erste Ding, was einen eigentlich gleich auf der ersten Seite reinzieht, ist diese Lüge.
Sie sagt zu dem Chef, dass sie an ihrem After-Baby-Body quasi gerade noch arbeitet
und da war ich schon komplett hooked.
Allerdings gab es bei mir noch so einen zweiten Aspekt und das war das Gym als Wohlfühlort.
Irgendwie hat man ja das Gefühl, sie lügt und dann, weiß ich nicht,
wird das so eine Kaskade und alles wird ganz schlimm und unangenehm.
Und du hast ja auch angedeutet, sie kommt eigentlich aus so einem White-Collar-Job,
also aus so einem eher gehobenen Job, wo man ein Studium braucht dafür und so weiter.
Dass das irgendwie jetzt alles ganz schlimm wird und dass sie sich da gar nicht
wohlfühlt und dann wird dieses Gym zu ihrem Wohlfühlort.
Und sie beschreibt die glänzenden Oberflächen, alles ist sauber,
es riecht nach frisch gewaschenen Handtüchern und das fand ich erstmal total
geil, weil wir hatten gerade das Thema Erkältung, also ich habe jetzt seit drei Jahren ein Gym-Abo.
Mach aber erst seit vier Wochen Sport dort.
Und zwar bin ich einfach so an den Geräten vorbei direkt in die Sauna gegangen
mit meiner Sporttasche.
Weil ich war so fertig.
Das war Babyjahre von meinem Kind, dann Corona.
Ich war dauererkältet. Ich hatte ein Eczem im Gesicht.
Ich hatte Entzündungen bis hin zum, ich hatte so an meinem großen Zeh so eine
Entzündung, dass ich nicht mehr laufen konnte.
Wo ich noch so dachte, so zum Thema Leistungsdruck.
Es kann nicht sein, dass ein C mich jetzt daran hindert, zur Arbeit zu gehen.
Weil bevor das Gym mein Wohlfühlort war, war die Arbeit mein Wohlfühlort. Oh.
Ja, das Büro. Verstehst du? Erwachsene Menschen.
Kaffeemaschine. Ich muss keinen Mittag kochen. Gibt es noch was Schöneres auf der Welt?
Hallo, also ich arbeite in einem Bürojob, das muss man dazu sagen.
Das ist natürlich schon privilegiert und ich habe sehr nette KollegInnen.
So und dann weiß ich noch, dass mein Kollege noch meinte, dass ich so ein bisschen
kränklich aussehe, was man natürlich nicht gerne hört, aber tatsächlich habe
ich die ganze Zeit so gesprochen, weil ich totale Schmerzen hatte.
Und dann meinte ich, ja, Entzündung und so weiter. Und dann sagte der,
Susi, du musst mal irgendwas machen jetzt.
Du musst mal raus da aus der Wohnung. Du musst dich mal ein bisschen erholen.
Du musst dich mal ein bisschen regenerieren.
Dann mach dir doch ein Gym-Abo und dann geh halt da einfach nur,
leg dich da hin, nimm dir ein Buch mit oder so und geh in die Sauna da.
Und dann dachte ich, scheiße, kann man das machen?
Kann man so ein Gym-Abo machen und dann nicht an die Geräte gehen?
Weil für mich war das so der schlimmste Ort der Welt einfach so, weißt du?
Also Leute gehen auf irgendwelche Geräte und es läuft noch Radsport im Fernsehen oder sowas.
Und dann habe ich das gemacht und dann habe ich da erst mal wieder, ich habe da geschlafen.
Schön Sauna, dann im Ruhrwild, dann habe ich einfach mal eine Stunde geschlafen.
Sowas. Ich meine, das muss man sich leisten können, dafür Geld zu bezahlen,
damit man so einen Raum hat oder so. Und deswegen würde ich sagen,
mittlerweile das Gym, also die sind auch so nett da alle.
Es ist so sauber. Ich wasche mir da die Haare mal in der Dusche schön in Ruhe. Weißt du, was ich meine?
Und das war schon so das Erste, wo ich so dachte, das Gym als Ort der Erholung,
gar nicht so sehr als Ort der Selbstoptimierung, sondern als Refugium für geschundene Menschen.
Körper des Neoliberalismus. Das fand ich schon so den ersten geilen Move.
Also erstmal das Gym als Wohlfühlort, dass du das gemacht hast, finde ich super.
Für mich war Gym immer hauptsächlich so ein Ort, wo ich versuche,
noch irgendwas reinzuquetschen und noch irgendwie so ein Ding durchzuziehen.
Weil, naja, aus schlechten Gewissen, gar nicht nur aus Selbstoptimierung,
sondern auch so aus gesundheitlichen Gründen und so. So rückenfit und so.
Longevity.
Genau, genau. Wir wollen Ja, alle alt und ganz gesund bleiben.
Und gleichzeitig irgendwie politisch würde man das natürlich dritte Orte nennen.
Wie traurig ist es, so eine nette Mama irgendwie, die zu Hause gar nicht entspannen
kann und dann sich so einen Ort suchen muss.
Und jetzt muss man aber mal überlegen, was gibt es da noch für Alternativen?
Da gibt es überhaupt nicht viele Alternativen, wohin man sich flüchten kann,
um einfach mal zu chillaxen, außer ins Büro.
Und da hast du absolut recht, irgendwie in Ruhe, sich nur auf eine Sache konzentrieren
zu müssen. Wenn du zu Hause bist, machst du ja automatisch drei,
vier, fünf oder zehn Sachen gleichzeitig.
Einen Kindergeburtstag planen, die Waschmaschine, sich um die Kinder kümmern,
noch eine Brotzeit, irgendwie nebenbei noch eine E-Mail beantworten.
Also ich meine, es sind so viele Dinge und im Büro muss man sich nur auf eine
Sache konzentrieren und man bekommt auch noch Geld dafür und Kaffee.
Aber meine erste Assoziation war so ein bisschen die Halbinsel von Christine Bilkau.
Wir haben also bei den Leserinnen im Buchclub darüber gesprochen,
über das Buch. Es ist ein Roman über eine Mutter und eine Tochter und die Tochter
hat auch so einen Jobverlust und die fängt dann in der Bäckerei an.
Und für die Mutter ist es in dem Buch total schrecklich.
Also sie hat jetzt irgendwie so viel geopfert für ihr Kind, damit das irgendwie
studieren kann und tolle Sachen machen kann.
Und jetzt fängt die in der Bäckerei an und findet es erst mal gut und will das
Kind jetzt für immer in der Bäckerei arbeiten.
Oh Gott, ja. Und diese Gedanken sind mir als erstes in den Kopf geschossen.
Und auch so, wie ich früher an die Sachen rangegangen bin, natürlich auch noch
ohne so großen finanziellen Druck, wo ich dachte, gut, ich meine,
wenn jetzt nichts geht, dann setze ich mich halt irgendwo an die Kasse.
Und so ein bisschen dachte ich, ist eigentlich gar nicht so übel.
Erstmal so ein Job, gerade wenn du aus so einem, du hast gesagt,
White-Collar-Job, so einem sehr anspruchsvollen Kopfjob vielleicht,
mit Verantwortung vielleicht auch, für viel Geld vielleicht auch.
Dann ist es vielleicht ganz schön, wenn du hauptsächlich dafür verantwortlich
bist, dass kein Staub in den Regalen liegt und dass die Proteinboxen schön dastehen
und dass der Shake irgendwie gemacht wird und danach der Mixer irgendwie sauber ist.
Das stelle ich mir manchmal auch ganz schön vor, wenn man nichts denken.
Ja, du hast nicht so viel Verantwortung. Das ging mir übrigens auch so und ich
hatte mir noch aufgeschrieben aus unserem Vorgespräch,
da hast du gesagt, manchmal will ich einfach nur Treadwife sein und in mir hat
es auch so geschrien, als ich das gelesen habe, weil das so aufgegangen ist
für sie, weil ich eben auch dachte,
ach du Scheiße, jetzt muss sie Shakes machen, jetzt muss sie putzen.
Das ist ja horrormäßig und die ganzen Leute, die da kommen und ja auf den Arsch gucken.
Aber es geht voll auch für sie und sie merkt auf einmal, wie was von ihr abfällt,
nämlich diese Verantwortung und dieser Druck, den sie vorher hatte.
Und dann habe ich auch so gedacht, also ja, ich liebe meinen Job,
aber es geht natürlich immer so darum, auch schwierige Aufgaben zu lösen,
sage ich jetzt mal, auch Konfliktsituationen vielleicht zu bewältigen,
sich weiterzuentwickeln.
So jetzt komme ich aus dem Kommunikationsdesign, dann gibt es diese Themen wie
KI und Bildgeneratoren und wie positioniere ich mich da jetzt mit meinen Fähigkeiten
und muss ich jetzt neue Programme lernen oder muss ich mich jetzt mit...
Also ganz viele Fragen und Sorgen und kann ich da überhaupt bis zur Rente irgendwie
bleiben und so weiter? Da habe ich da Aufstiegschancen, wie entwickle ich mich da und so weiter.
Und auf einmal die Vorstellung, ich wäre da in so einem Laden,
ich komme da hin, ich mache dann so ein... Das ist übrigens sehr gut.
Verena Kessler hat wirklich einen super Humor, weil die Shakes heißen dann so Muscle, Hustle und so.
Ganz niedlich machst du dann so einen Shake und trotzdem ist es als irgendwie
entspannt beschrieben.
Nicht so wie eine Aldi-Kasse, wo du wirklich Stress hast und die Leute dann noch rumpöbeln.
Das Problem merkt man natürlich relativ schnell. Es stellt sich eine Monotonie
ein und die finanzielle Situation ist eben auch eine andere.
Man verdient einfach nicht so viel Geld damit und da merken wir auch relativ
schnell, da kommen wir wieder ins Hamsterrad zurück.
Ich würde mit dir ganz gern mal über diese Weiblichkeit sprechen,
weil es kommen jetzt so verschiedene Komponenten dazu.
Das eine ist, sie fängt an zu trainieren. Jetzt denkt man erst mal so,
wenn ich höre, Jim, eine Frau fängt an zu trainieren, dann denke ich erst mal,
aha, Bauch, Beine, Po, sie will skinny werden.
Aber in diesem Fall ist es so, dass sie Bodybuilding macht.
Also sie baut Muskeln auf, richtig viele Muskeln auf.
Und das andere ist, dass man sich irgendwie immer fragt, was ist davor passiert?
Das ist so der Handlungsstrang, der dann quasi so hintenrum sich noch entwickelt.
Was ist in ihrem alten Job passiert? Warum hat sie diesen Job verloren und was ist da los?
Und da erfährt man dann, dass sie eigentlich komplett erschöpft war.
Und das Dritte ist, dass dieses ganze Buch, ohne dass ich jetzt sage,
wie, aber in einem völligen...
Exzess, nenne ich es mal, aufgeht.
Und da haben wir es so mit verschiedenen Körperbildern zu tun,
die alle für mich eigentlich mit einem weiblichen Stereotyp in einem Widerspruch
stehen und da eine Art von Protest oder Rebellion oder Ambivalenz aufmachen.
Aber da auch sehr, sehr viele Fragen für mich entstanden sind,
weil alle Körper auf ihre Art nicht funktionieren.
Ja, ich glaube, man muss vielleicht einen Schritt zurück machen.
Am Anfang geht es ja, wie Sie es nennen, nicht in Shape sozusagen.
Also es wird nicht näher beschrieben, was ich auch ganz schön finde,
dass da nicht näher drauf eingegangen wird, was diese Unzulänglichkeit genau bedeutet.
Aber es ist klar, dass sie optisch nicht sofort reinpasst als Angestellte vom Mega-Gym.
Das heißt, sie hat ja auch noch so einen geilen Namen.
Und da trifft sofort so eine Anspruchshaltung auf sie.
Also der Chef, der sagt dann, Mensch, ich mache dir einen Trainingsplan,
dann kannst du wieder anfangen und pass auf deinen Beckenboden auf und so.
Also richtig nett, will ihr praktisch da eine Hand reichen und denkt eben,
er schlägt da jetzt eh eine Kerbe, die sowieso schon da ist,
weil sie hat ja gesagt, das ist voll ihr Ding, Fitness, Lifestyle, super duper.
Und sie fängt also ganz langsam an und fängt an, sich zu transformieren und
ich habe auch eine Lesestelle dazu mitgebracht,
weil ich diese Transformation erstmal ganz interessant finde und da hat man
schon als Lesende erstmal so das Gefühl, okay, jetzt bin ich,
glaube ich, auf der Spur von irgendwas, weil sie fängt an,
sich anzupassen an diesen Job und auf Seite 58 wird es irgendwie ganz klar, ich lese mal was, ja?
Ja, gerne.
Von dann kannte ich keine Scham mehr. Jahrelang hatte ich hochgeschlossene Blusen
zur Arbeit getragen, knapp unter dem Schlüsselbein zugeknöpft,
war verschwunden in der Neutralität meiner angemessenen Kleidung.
Jetzt wurde ausgepackt. Ich
trug kein Top mehr, das nicht an irgendeiner Stelle Einblicke gewährte.
Manche am Rücken nur durch dünne, sich kreuzende Träger zusammengehalten,
andere hatten einen Schlitz zwischen den Brüsten oder waren an den Seiten transparent.
Die Farben waren feminin, lila, pink, rosa oder aufmerksamkeitserregende Signaltöne,
knallrot, neongrün, orange.
Immer waren meine Schultern frei, immer gab es den Streifen über dem Bund der Leggen.
Ich bewegte mich nicht mehr, um etwas zu erledigen, ich bewegte mich, um gesehen zu werden.
Wenn ich mich streckte, um etwas aus dem oberen Regal zu holen,
wenn ich mich bückte, um den Geschirrspüler auszuräumen, Wenn ich verträumt
über den Tresen wischte, meine Haare dabei wie zufällig über meine Schulter
fielen, die weichen Spitzen meiner Haare Haut kitzelten.
Die Wirkung zeigte sich schnell und natürlich waren es vor allem die männlichen
Mitglieder, die nun häufiger bei mir bestellten.
Ich war die Barfrau in einer Westernkneipe und sie waren die einsamen Cowboys.
Wenn ich fragte, wie immer, wenn sie dann nickten und sich an meiner Theke niederließen,
ich ihnen ihren Shake mixte und mich lächelnd nach ihrem Training erkundigte, dann spürte ich,
dass es da eine Spannung gab zwischen uns, eine knisternde Bestätigung,
nach der ich süchtig wurde.
Ich war mir sicher, dass ich in ihrer Fantasie eine wiederkehrende Rolle spielte
Dass sie sich vorstellten,
mich auf den Tresen zu heben Auf die Handelpunkt zu legen oder über den Gymnastikball
Kein Gerät, das nicht geeignet gewesen wäre Es seinem eigentlichen Zweck zu
entfremden Immer wieder schossen mir Bilder in den Kopf Trainierte Körper,
nackte Haut, die Duschen,
der Lagerraum Eine Hand über dem Mund, eine Zunge im Ohr Schnelle Nummern,
die einem Porno glichen und mich den ganzen Tag unterhielten
Dabei interessieren sie die Männer gar nicht. Da entwickelt sich jetzt keine
wilde Sexgeschichte oder romantische Liebesgeschichte.
Es kickt sie einfach. Sie sucht die Bestätigung.
Sie versucht in dem, was sie tut, perfekt zu werden.
Sie will die perfekte Vorlage, ich sag's das nicht, sein.
Sie will, dass sie wirkt, sie will genau wie ihre Kollegin schlank sein.
Sie liebt die Veränderung. Sie findet es geil, dass ihr Körper auf das Training
anspricht und sie will diesen Effekt auch zeigen.
Da ist schon so ein Moment, wo man denkt, okay, what's her problem?
Also was kriegt sie? Was ist das, was sie pusht, was sie will?
Bei mir ist das Stichwort ganz eindeutig Dominanz. Das habe ich die ganze Zeit
darunter gelesen, also in allen Szenarien.
Im Büroszenario versucht sie, eine Dominanz zu erreichen, und zwar indem sie
sich anpasst, indem sie das macht, was von Frauen im Büro erwartet wird.
Das Blüschen ordentlich gebügelt und hochgeschlossen, die Beine rasiert und
wahrscheinlich einen leichten Absatz und richtig High-Performance-mäßig.
Also sie will die Beste sein. Und dafür tritt sie auch eventuelle Konkurrenz weg.
Dann im Mega-Gym ist auch dieses, was du, das fand ich ganz schön,
es geht ihr gar nicht um das Begehren, weil sie einen Partner sucht.
Sondern es geht ihr um das Begehren, weil sie dabei eine Form der Dominanz spürt,
dass sie quasi in Control ist über ihren Körper und über die Wirkung, die sie auf andere hat.
Gleichzeitig passiert hier was, dass sie eigentlich in so einem weiblichen Ideal auch aufgeht.
Also ich würde sagen, in ihrem angepassten Bürokörper tut sie das auch.
Da versucht sie auch ein weibliches Stereotyp von, das ist ein selbstoptimierter,
funktionierender Bürokörper.
Nur da scheitert sie halt.
Und jetzt versucht sie es hier mit dem Training und für einen kurzen Moment zieht sie sich pinke,
weit ausgeschnittene Tops an, hat einen knackigen Po, trägt die Leggings und
man stellt sich sie so vor wie so eine Fitness-Influencerin,
wo alles am rechten Platz ist.
Das ist wie eine Rolle, das ist wie ein Kostüm, was sie anprobiert, auch an Weiblichkeit.
Das finde ich auch so spannend, weil Verena Kessler auch in allen Körpern,
die sie an dieser Figur ausprobiert, ja auch immer wieder sagt.
Es ist eine Performance.
Es ist nicht nichts Natürliches oder Gottgegebenes oder was Binäres,
sondern Weiblichkeit kann in einer großen Palette gedacht werden oder auch nicht.
Also das ist die Frage. Kann Weiblichkeit eigentlich dominant sein oder kommen
wir dann sofort wieder in so einer männlichen Leistungslogik raus?
Dominanz war gar nicht so das Thema, was ich da gesehen habe.
Ich habe vielmehr die Perfektionistin da gesehen.
Egal in was wir sie erleben und egal in was sie tut, sie will perfekt sein.
Sie will das perfekte Mädchen sein, die perfekte Frau. Und im Moment, wo sie sich da bewirbt.
Das ist eine Frau, die ist im guten Alter, irgendwo zwischen 30 und 40,
die hat schon was erreicht in ihrem Leben,
Die ist nicht dumm.
Die ist körperlich gesund und ihr Partner wollte eigentlich mit ihr zusammenbleiben
und das reicht aber nicht, es reicht nicht.
Und dann fängt sie da an und sie sieht, okay, ich kann da einfach nicht denken,
cool, aber dann kickt irgendwas rein, irgendwas legt wieder den Schalter um.
Und sie sagt, okay, wenn ich hier hinter der Theke stehe und Shakes mache,
dann will ich verdammt nochmal die beste Shake-Macherin sein, die es gibt.
Und das ist aber auch nicht genug. Auch dafür habe ich eine Lesestelle.
So, wir befinden uns auf Seite 71.
Manchmal, wie aus dem Nichts, überkam ich eine leichte Panik.
In den unvorhersagbaren Momenten völliger Ruhe, wenn gerade niemand in meiner
Sichtweite trainierte, niemand an den Tischen saß, Millie in der Berufsschule war,
Ferhat in seinem Büro, der Wischroboter auf seiner Station und das späte Nachmittagslicht
gleißend durch die Fensterfront fiel, wurde mir auf einmal bewusst,
dass ich kaltesiebte, keinerlei Halt hatte,
alles, wofür ich bisher in meinem Leben gearbeitet hatte, war nichts mehr wert.
Und was ich hier tat, hatte kein Ziel.
Und das finde ich super krass. Und das hat auch schon was in mir berührt.
Also, wann ist es genug?
Ja, wir wollen alle People Pleaser sein. Wir wollen alle geliebt werden,
akzeptiert, gelobt und verehrt oder bewundert, der in irgendeiner Form wenigstens
für kleine Dinge und sei es, dass wir die Einladungen für den Kindergeburtstag
besonders schön gestalten oder irgendwas, ja. Aber irgendwas muss besonders sein.
Wir wollen alle ein bisschen leuchten, aber wann ist es genug?
Und ich finde, an der Geschichte dieser Protagonistin wird es so ad absurdum
und in den Exzess und in das Extrem getrieben,
dass man sich so hart an die eigene Nase fassen muss und sagen muss,
wann ist bei mir eigentlich genug?
Wann ist genug Deko im Haus? Wann ist die Wäsche frei genug?
Wann sind die Kinder schlau genug?
Wann ist der Mann glücklich genug? Wann ist der Garten aufgeräumt genug? Also wann ist genug?
Wie erfolgreich will ich werden? Wer fragt mich hinterher, wie lange ich im
Büro war, wenn ich irgendwann mal alt bin? Also was ist wirklich wichtig?
Wonach streben wir hier eigentlich?
Wonach sehnt sich diese Frau in diesem Buch? Was will die eigentlich?
Worum geht es denn da eigentlich?
Das stimmt. Das habe ich mich ehrlich gesagt auch gefragt in Bezug auf die Exit-Strategien.
Also wenn man jetzt sagt, also der selbstoptimierte Körper funktioniert nicht,
der widerständige Körper funktioniert nicht und der exzessive Körper funktioniert auch nicht.
Was könnte dann eine Strategie sein? Und das Interessante ist,
dass die Protagonistin, die namenlos ist, das heißt, sie bildet ja auch schon
die ideale Projektionsfläche, dass sie ja nicht verheiratet ist.
Sie hat keine Kinder, sie hat einen richtig guten Job, eine hohe Bildung, richtig viel Kohle.
Das heißt, sie hat ja schon ganz viel erreicht, auch im Sinne sozusagen der
Gleichstellung des Feminismus.
Und irgendwie ist ja auch ein Widerstand auch schon in dem Lifestyle drin.
Sie ist nicht abhängig von einem Mann.
Und ich sage mal zum Thema Care-Arbeit, liest man da jetzt auch nicht viel.
Also wenn wir jetzt zum Beispiel sagen, Frauen leisten auch viel Care-Arbeit
im Büro, da würde ich sagen, sieht man eher das Gegenteil, so wie sie sich verhält.
Sie ist nicht so caring, sie kümmert sich auch nicht so gut um sich selber.
Aber sie ist auch keine, die irgendwelche Geburtstagskalender pflegt.
Also da ist sie schon relativ, jetzt könnte man sagen, gut angekommen in der Selbstermächtigung.
Und trotzdem ist sie unglücklich damit. Zum einen lese ich darin halt auch einen Trug,
eine Illusion, dass wir sagen, wenn wir jetzt einen guten Job haben und wenn
wir keine Kehrarbeit übernehmen und wenn wir nach dieser patriarchalen Leistungslogik
uns immer weiter nach oben hamstern auf dieser Karriereleiter,
das macht nicht glücklich.
Das würde ich einfach so als Experimentierlabor von Verena Kessler sehen,
dass sie gesagt hat, lass doch mal versuchen, was passiert, wenn wir Weiblichkeit
jetzt in eine patriarchale Leistungslogik aufgehen lassen. Aha, funktioniert nicht.
Und das andere ist aber, dass sie keine sozialen Beziehungen hat.
Es wird nicht von Freundinnen gesprochen. Auch die Beziehungen,
die sie im Gym pflegt, die sind sehr oberflächlich.
Sie hat so einen Boyfriend.
Ich glaube, sie mag ihn gar nicht so richtig, ehrlich gesagt.
Aber er, sie schon.
Aber du hattest gerade in deiner Lesestelle auch das Wort Halt und das Wort Sicherheit.
Also ich habe nicht das Gefühl, dass sie sich in diesem Bürojob sicher und stabil
fühlt oder wohlfühlt überhaupt.
Es gibt diesen Chef, den sie hasst und ihr Ziel ist irgendwie noch diesen einen
Karriere-Schritt, dann kriege ich mein eigenes Büro im Ausland,
dann habe ich die Abteilung, dann bin ich von diesem Chef weg und dann habe ich das erreicht,
dann kann ich ins Gestalten kommen vielleicht.
Auch das ist, glaube ich, eine Illusion.
Noch dieses eine Ding, noch diese eine Aufgabe abgeben, noch die eine Woche
schaffen, noch ein bisschen mehr Gehalt und dann schaffen wir das.
Aber das ist natürlich auch eine ganz große Sinnfrage.
Wo wollen wir hin im Leben? Und ich glaube, dieser Aspekt des Gestaltens,
also wie doll fühle ich mich von äußeren Umständen eigentlich eingezwängt und
der Versuch, sich davon zu befreien, hat ja ganz viel mit Privilegien zu tun
und in dieser Welt mit männlichen Privilegien.
Und so lese ich das so ein bisschen. Dieses Es reicht nicht ist.
Ich will ins Gestalten kommen. Ich brauche eigentlich die männlichen Privilegien.
Und das endet aber in einer Katastrophe sozusagen.
Ja, ich glaube, das ist wirklich sehr philosophisch.
Aber wenn so ein Buch schon so viele Fragen aufwirft, dann ist es genau vielleicht
das, was das Buch uns mitgeben will.
Also wo ist dein Okay und kann es ein feministisches Okay geben in der patriarchalen
Welt? Da empfehle ich auch von Theresa Bücker alle Zeit, wo genau darüber auch
nochmal nachgedacht wird.
Also wie viel Zeit ist okay zu haben?
Wie viel Zeit ist okay zu arbeiten?
Und was hat es mit Feminismus zu tun? Wenn wir nicht patriarchal leben würden,
dann würden ja all diese Wettbewerbsdynamiken wegfallen.
Wer sieht am schnellsten die Schuhe an? Wer hat den größten Job?
Wer hat den längsten Hahaha?
Das ist ja alles genau diese Logik. Ich finde, dass es eben in dem Buch auf
mehreren Ebenen gespielt wird.
Einmal eben durch diese Backstory, durch ihre Karrieregeschichte und dann durch
diese körperliche Geschichte, was ja ihre neue Karriere ist sozusagen.
Wo sie immer weiter will, wo sie auch kein Ziel sieht, wo man nicht weiß,
wohin soll das gehen, wo sie anfängt, nur noch Proteine zu essen,
wo sie anfängt, Anabolika zu nehmen,
weil sie will noch den nächsten Schritt und den nächsten Schritt. Und es ist so männlich.
Und es wird, glaube ich, gerade in diesem Bodybuilding wird es so krass deutlich, wie männlich es ist.
Du warst ja auch zweimal bei mir im Podcast bei die Leserinnen,
da haben wir über Männlichkeit gesprochen. Da hatte ich kurz vorher im Internet
diese Studie gesehen, dass man Frauen gefragt hat, welchen Typen findest du sexier?
Den, der so ein bisschen soft ist, mit so einem kleinen Mini-Bauchansatz oder
den, der so super durchtrainiert ist?
Und da war klar, okay, die Männer finden den Durchtrainierten erstrebenswerter und geiler.
Und die wollen so aussehen und die Frauen haben gesagt, das gefällt uns gar
nicht. Das ist genau das, was ja auch durchkommt irgendwie.
Männer streben hier nach einem Ideal, das es gar nicht gibt.
Aber was sind denn dann die Ideale, die wir haben? Und haben wir überhaupt für
unser Leben solche Ideale? Wir können ja nur das Spiel der Männer mitspielen.
Wir können nur die Karrieren der Männer mitleben.
Oder wie Theresa Bücker sagt, es gibt keine atmenden Lebensläufe,
die Zäsuren, die Care-Arbeit,
die Schwangerschaften, die Erziehungszeiten mit berücksichtigen oder auch Pflegezeiten,
also die in Wellen funktionieren, sondern eine männliche Karriere oder eigentlich
im Moment die menschliche Karriere ist immer nach oben.
Es muss immer eine Entwicklung nach oben sein und auch eine wirtschaftliche
Entwicklung, da wären wir wieder bei Öko-Feminismus, auch eine wirtschaftliche
Entwicklung muss immer nach oben sein.
Es gibt nie ein Genug, sondern es ist immer nur erfolgreich,
wenn es wächst, wächst, wächst, wächst. Es muss immer mehr sein.
Aber warum? Warum muss es immer mehr sein? Also wo ist der Punkt,
wo wir sagen und da nehme ich mich nicht raus.
Ja, das ist ein großes Thema, vor allem, weil ich immer so viele Dinge gleichzeitig
tun will und das Gefühl habe, meine Stunden und Tage sind zu kurz und mein Leben vielleicht.
Was ist okay? Also was will ich denn sein oder erreichen in meinem Leben?
Wo lege ich wirklich die Schwerpunkte und schaffe ich das durchzuhalten?
Und wenn nicht, woran liegt es? Liegt es wirklich an mir?
Also haben wir in diesem Roman eine Frau, die einfach Coco in der Loco ist,
einfach ein bisschen Bananas in der Birne?
Oder es ist eine Frau, die einfach diese Systeme so krass verinnerlicht hat,
dass sie wie Blut durch ihre Adern fließen und überhaupt nicht raus kann.
Also in einem Extrem und das muss ja der Roman, dafür wollen wir,
dafür lieben wir Literatur, dass sie uns Extreme vorhalten wie Spiegel.
Aber das steckt in allen von uns. Und du sagst auch, ich gehe ins Büro und da
will ich mich doch weiterentwickeln in meinem Job und da habe ich neue Anforderungen,
da muss ich mit klarkommen, da muss ich mich anpassen.
So, aber wo ist denn das okay? Also, wo ist okay viel Geld?
So, damit können wir gut leben. Wir fahren einmal oder zweimal im Jahr in Urlaub
und wir haben ein Auto und wir haben eine Wohnung, die cool ist und die Kinder
können auch mal beim Einkaufen sich eine Zeitschrift aussuchen.
Also wo ist okay? Wann haben wir den Punkt erreicht, wo wir sagen können,
relax, du bist an deinem sweet spot im Leben.
Das ist der Ort, an den du wolltest, wo du Freiheit hast, wo du selbstbestimmt sein kannst.
Aber wir sind nicht selbstbestimmt, wir sind fremdbestimmt durch diese Ziele,
die einfach auf uns drauf ploppen.
Wir können gar nichts dagegen tun, sondern das fällt einfach auf uns. Das ist total verrückt.
Ja, ja, aber das meinte ich ja, dass das größte Ziel erstmal eine Form des Sicherheitsgefühls ist.
Also ich fühle mich sehr instabil in meinem Leben.
Also sowohl von einer ökonomischen Situation, weil ich bin freiberuflich,
das kann immer jederzeit sehr schwierig werden. Und aber auch diese Erschöpfung, diese unbändige.
Ich glaube, dass der Konsum oder tolle Urlaube und so weiter ja auch Kompensationsmaßnahmen
sind eben für Erschöpfung.
Das heißt, wäre ich nicht so erschöpft, würden sich ja auch ganz andere Ansprüche
wahrscheinlich auch wieder entwickeln.
Und ich glaube, dass ein Vergleichen natürlich immer passiert.
Also man guckt ja, wo stehe ich hier irgendwie auch in dieser Gesellschaft?
Wo sind diese Abstiegsgefahren und was gibt es dann noch für Lebensstile,
die denn erstrebenswert erscheinen, sage ich jetzt mal und diese Illusion von
Gestaltung und von Sicherheit sozusagen ausstrahlen.
Und das ist ja auch das, was den Kapitalismus so reizvoll macht,
immer dieses so nach oben hinschauen und du kannst es schaffen,
du musst dich nur genug anstrengen und dabei verschleißen wir uns dann alle zwischendurch.
Und was ich ganz, ganz wichtig fand, was du gerade gesagt hast,
die Frage nach, ist es eigentlich pathologisch oder ist es normal?
Also das ist jetzt in dem Roman sehr schwierig, das nicht zu enthüllen.
Aber ich sage mal, sie flippt wirklich aus. Das geht in eine Richtung.
Das ist also gewalttätig. Ja, so.
Wo man jetzt sagen würde, naja, das ist ja nicht normal, das kann sie ja nicht machen.
Und auf der anderen Seite würde ich sagen, dass alle Strategien,
die sie anwendet, innerhalb dieser neoliberalen Logik Anpassungsverhalten sind,
die total nachvollziehbar sind.
Also die Perfektion, dieses absolute Leistung bringen, dieses immer weiter,
immer mehr, immer höher, die Beste sein wollen und so weiter.
Muskelaufbau, sobald wir das auf Männlichkeit übertragen und Anabolika und die
ganze Bodybuilding-Szene, haben wir überhaupt keine Pathologie-Diskurse mehr.
Das ist jetzt auf einmal einfach nur eine Kunstform oder eine Sportform.
Es hängt eben ganz stark auch an ihrem Gender, dass wir irgendwie spüren,
sie ist komisch, das ist irgendwie merkwürdig.
Ich habe so ein feministisches...
Theoriebuch über Körper und Weiblichkeit,
eine gute Stelle gefunden von Susan Bordeaux und sie hat eigentlich geforscht
zu Anorexie und das ist ja auch eine krasse Körpertransformation und sie beschreibt
darin ein krasses Anpassungsverhalten von weiblichen Körpern an diesen Anspruch,
klein zu sein, leise zu sein, wenig zu sein,
unauffällig zu sein und natürlich begehrlich zu sein, also schlank zu sein,
dünn zu sein. schön zu sein.
Das könnten wir im Prinzip auch auf Jim übertragen, nur dass sie nicht in dieses
schlank, dünn, schön reingeht, sondern sie transformiert ihren Körper auf eine
ganz exzessive Weise dann in die andere Richtung.
Susan Bordo sagt, es ist eine Machterfahrung, es den Körper zu transformieren,
jetzt in die eine oder andere Richtung, aber eben auch zutiefst gefährlich und illusionär.
Den eigenen Körper in Richtung eines männlichen Körpers umzuformen,
bedeutet nicht, nicht männliche Macht und männliche Privilegien anzunehmen.
Es ist, als würden diese Körper, also diese transformierten,
in ihrem Fall anorektischen Körper, aber wir könnten es auch auf diese Bodybuilding-Körper beziehen.
Zu uns sprechen von der Pathologie und Gewalt, die unter der Oberfläche der
normalen Weiblichkeit schlummern und jederzeit hervorbrechen können.
Sie sagt, dass Gewalt und krankhaftes
Verhalten schon Teil des weiblichen Körpers ist, egal was wir tun,
halten wir Diät, nehmen ab und versuchen unseren Körper sozusagen zu verkleinern,
dann bedienen wir diese Erwartungen an weibliche Körper, die aus der patriarchalen
Gewalt stammen und in der anderen Richtung aber auch, weil es immer aus diesem Gefühl geboren ist,
mein Körper muss anders sein, als er ist, aus einer Feindschaft mit dem eigenen Körper.
Dann sagt sie, kein Wunder also, dass ein beständiges Motiv in der feministischen
Literatur über weibliche Störungen jenes der Pathologie des verkörperten Protestes ist.
Unbewusster, ungeformter und kontraproduktiver Protest.
Ohne wirksame Sprache, Stimme oder Politik. Aber dennoch Protest.
Und das ist das perfide, finde ich, was an dem Roman so, so,
so eine tolle Sogwirkung hat. Dass ich finde, sie ist widerständig in allen
ihren Formen des Scheiterns.
Sie scheitert an dem neoliberalen Körper, sie scheitert an diesem Bodybuilding-Ding irgendwie.
Aber sie bricht auch immer aus weiblichen Stereotypen aus und sie übt ja auch
eine Form von Dominanz und Macht aus.
Und das finde ich so spannend, weil wenn wir es einfach nur als Roman lesen
über eine kranke Frau, dann ist es langweilig, finde ich jetzt.
Also dann könnte man es ins Genre Thriller oder so einordnen.
Aber ich finde es eher spannender, wo sind denn die Stellen,
die eben auch in mir drin sind.
Deswegen habe ich auch so als Hook gesagt, ich habe Gewaltfantasien.
Ich sage es jetzt immer ganz klar.
Ich habe diese Fantasien, diese Sehnsucht nach Dominanz. ich habe diese Sehnsucht nach Kontrolle.
Auch zu lesen, wie das auf einmal aufgeht, das Training und dann plopp,
plopp, plopp kommen die Muskeln da raus.
Da habe ich so gedacht, das könntest du auch machen, Susi.
Mach doch einfach so drei Mal. Das könntest du auch. Das würde sich so geil
anfühlen. Ich habe das alles in mir drin. Voll.
Selbst diese ekelhafte Ernährungskur, die sie dann macht.
Also sie macht sich dann im Thermomix rohe Hühnerbrust. Da macht sie sich einen Brei.
Sie isst Harzer in rauen Mengen.
Und ich habe so gedacht, es ist so geil, wenn man das überwinden könnte,
irgendwie mittags zu denken, was esse ich heute? Und einfach so...
Also sich irgendwas reinziehen, dann satt sein, so Astronautennahrung.
Es ist doch alles auch ein Wunsch, den Körper zu überwinden und dahinter steckt
so eine krasse Feindschaft mit dem Körper.
Ja, ich glaube aber auch das wieder systemisch. Ich glaube, das ist eine Feindschaft mit dem System.
Du bist in einem System, in dem du keine Kontrolle hast. Frauen leben in einem
System, in dem sie doch relativ wenig Kontrolle haben.
Selbst wenn sie das Gefühl haben, sie haben Kontrolle, so wie es der Protagonistin
ja auch in ihrem Job erst geht. Sie denkt, sie hat alles im Griff.
Sie hat auch diese Kollegin im Griff. Und sie macht alles perfekt.
Und sie sitzt abends und nachts.
Und ihre Beziehung ist ja eigentlich zweitrangig, kann man noch nicht mal mehr sagen.
Ja, also es ist ja eigentlich Wumpe. Sie macht alles und sie will Kontrolle.
Sie will absolute Kontrolle.
Und als sie diese Kontrolle wieder spürt durch diesen Sport,
dann geht es genau wieder los.
Also dann hat sie halt ein anderes Outlet, einen anderen Kanal gefunden.
Und was ich so interessant finde, ist, sie tauscht sich nie aus.
Ist dir das auch aufgefallen?
Also sie hat dann ein Vorbild in diesem Mega-Gym. Da taucht eine Bodybuilderin
auf und sie findet es geil.
Und sie sagt, okay, okay, das ist der nächste Schritt.
Und auch interessant, sie sieht nicht die Männer und sagt, das ist der nächste
Schritt, ich will, dass es definierter ist und weniger fett,
sondern sie sieht die Bodybuilderin.
Aber anstatt hinzugehen und zu sagen, hi, wie machst du das?
Das sieht ja irgendwie mega cool aus, vielleicht hast du ein paar Tipps für mich?
Stattdessen will sie das ganz alleine durchziehen.
Sie schaut aus der Ferne, wie viel die drauflegt und sagt sich,
so viel will ich auch schaffen.
Habe ich eine Lesestelle, die ich krass fand, Seite 132.
So also war das, wenn man nachhalf, wenn man die Regeln losließ,
die nie für alle gegolten hatten.
Ich wuchs über mich hinaus.
Plopp, plopp, plopp. Ich war breit, so breit.
Ich nahm keinen Raum ein. Ich war der Raum.
Ich spürte die Kraft, wenn ich die Treppe hochstieg, wenn ich Obst schnitt,
wenn ich Getränkekisten im Lager verräumte.
Schob ich die Shakes über den Tresen, musste ich aufpassen, dass sie nicht überschwappten.
Alles war so leicht. Alles gehörte mir. Niemand kam an mich heran.
Liebe diese Stelle.
Ich war der Raum. Und da sind wir wieder an so einem Punkt, wo sie denkt,
jetzt bin ich wieder da. Aber sie ist immer noch nicht da.
Es entgleitet ihr wieder alles. Und es ist auch tragisch, ihr dabei zuzuschauen.
Aber mir ging es genau wie dir.
Ich dachte auch so, okay, also ich meine, bei der scheint es offensichtlich super easy zu laufen.
Wenn ich jetzt auch dreimal die Woche einfach diese, kann man auch zu Hause
machen einfach, so ein paar Übungen.
Und wenn man das dreimal die Woche wirklich 20 Minuten macht,
dann würde sich was verändern.
Und ich kriege auch nur so Programme gerade ausgeliefert.
Ich muss zweimal falsch abgebogen sein. Jetzt werde ich die ganze Zeit re-getargetet
von so Calinetics, Military Drill.
Du wirst dich nicht wiedererkennen bis Weihnachten. Und ich so,
oh, geil, bis Weihnachten ist auch nicht mehr so lang.
Das klingt interessant, wenn die Hose dann wieder besser passt.
Und dann ertappe ich mich wieder selber dabei und denke so, okay,
aber du hast eine Hose, die passt. Die andere, die passt halt jetzt gerade nicht.
Und ist es jetzt gerade schlimm? Für wen genau ist es schlimm?
Das ist ja nur in meinem Kopf. Und was in meinem Kopf ist, ist wieder schlimm.
Was ich halt gefressen habe als ideal, als das, was ich sein sollte.
Und wo ist denn da wieder der Sweet Spot? Du kannst es auf alles übertragen.
Wann ist es genug Geld? Wann bist du dünn genug? Wann bist du berühmt genug?
Ich meine, wir machen Podcasts. Wann sind wir groß genug? Wann haben wir genug HörerInnen?
Wenn wir monetarisieren. Ach, da fällt mir gerade ein, da wir gerade so schön
übers Geld reden. Ihr Lieben, ich mache diesen Podcast kostenlos und ich muss
wirklich sagen, das ist echt schwierig.
Ich bin alleine, ich bin in die Podcast.
Ich mache wirklich alles von der Recherche bis zur Produktion Gästeakquise alleine
und ich muss wirklich gucken jetzt nach fast fünf Jahren Podcasten,
wie kann ich diesen Podcast auch kostendeckend gestalten? Wie komme ich hier weiter?
Und dafür brauche ich bitte, bitte eure Hilfe.
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Inhalten, die es sowieso auf allen Plattformen, egal auf Spotify oder Insta
oder sonst wo, im Discovery Mode einfach gerade sehr schwer haben.
Also da würde ich mich sehr freuen, wenn ihr da vorbeischaut.
Link ist in den Shownotes.
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Danke an dieser Stelle und das möchte ich gerne an euch weitergeben.
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Alle Infos auch nochmal in den Shownotes.
Und dann wünsche ich euch ganz viel Glück. Jetzt muss ich erstmal wieder reinkommen ins Thema.
Ach genau, wunderschöne Stelle. Ich war der Raum, mein absoluter Lieblingssatz
in dem ganzen Buch. Und jetzt weiß ich auch, warum mich dieses Buch so begeistert hat.
Denn sie ist an keiner Stelle irgendwie selbstmitleidig.
Es gibt ja so Romane, auch wenn es um Mutterschaft geht oder um Körper,
dass man dann einfach, du hast den Schmerz, du hast die Erschöpfung.
Aber sie ist immer so, okay cool, dann arbeite ich noch mehr.
Okay cool, dann trainiere ich noch mehr. Und sie ist immer so,
wenn man dann, man merkt schon, das geht so leicht ins Kippen über,
aber sie ist immer noch so, ah, das ist alles super geil.
Und deswegen liebe ich diese Stelle auch, weil ich finde, diese Begeisterung,
die sie selber auf einmal über sich und über ihren Körper spürt und ich finde,
da ist auch ein Überfluss.
Also wenn sie beschreibt, dass sie quasi so stark ist, dass die Flaschen anfangen
so überzuschwappern, da denke ich mir,
das ist ja nicht so ein Überlebensmode, wo ich jetzt bin, wo ich sage,
naja, ich mache jetzt so einen erhaltenen Fitnesskurs, dass ich einfach,
wenn ich mal in die Knie gehe, dass ich einfach die Beweglichkeit habe, sondern nein,
das ist so ein Überschuss von Kraft, wo man sagt,
ich könnte Bäume ausreißen, so habe ich mich. Ich weiß nicht,
wann ich mich mal so gefühlt habe.
Ey, ganz ehrlich, also es muss Jahrzehnte her sein.
Und daran habe ich auch eine sehr große Lust empfunden, sowas zu spüren.
Einen Überfluss von sozusagen körperlicher Kraft und Energie.
Und dann aber auch, also das finde ich, kann man in allen Phasen bei ihr auch
immer so nachvollziehen.
Auch in dieser Bürojob-Situation, wo man schon merkt, oh fuck,
die ist ganz schön durch, merkt man immer noch so eine verbissene Lust am Verschleiß
dann auf der anderen Seite.
Und an keiner Stelle ist sie so, ach, es ist so schrecklich,
ich bin so erschöpft und ich bin so allein.
Sondern sie versucht immer so nach vorne noch zu starten und noch einen Schritt.
Und ich glaube, das ist auch etwas, was die Identifikation mit ihr für mich
auch so erleichtert hat.
Ja, aber was...
Irgendwann dann doch wirklich sehr in den Vordergrund drängt,
dass die Frau wirklich 0,0 Spaß in ihrem Leben hat. Also die will keinen Spaß.
Da gibt es auch so eine Stelle, weil Ferhat, ihr Chef, der Feminist,
der sagt ja dann, Mensch, das klappt ja alles so toll und dein After-Baby-Body
und so. Du kannst doch hier so einen Kurs anbieten.
Das ist auch so herrlich.
Und es geht halt auch, also es funktioniert nicht so richtig gut.
Und auf Seite 135, das ist auch so eine geile Stelle. Da wir heute eine etwas
kleinere Gruppe seien, sagte ich, ohne die Frau direkt anzusehen,
könnten wir ja das Programm ein wenig anpassen.
Es sei in der Zeit, endlich richtig zuzupacken.
Schluss mit Larifari, Rumgehobse und Kaffeekränzchen. Wir würden heute an die Handeln gehen.
Ordentlich was wegstemmen. Das Nullgesicht hob so zaghaft die Hand,
dass ich die Meldung am liebsten ignoriert hätte.
Sorry, aber ich glaube, ich bin im falschen Kurs.
Ich musterte sie. Ihre Milchbrötchenhaftigkeit. Wie gewöhnlich konnte man sein.
Ja, offensichtlich bist du hier falsch. Hier und überall sonst. Guck dich doch mal an.
Ich fragte trotzdem, wie sie darauf kam.
Ehrlich gesagt wollte ich eigentlich mal wieder raus. Andere Mütter treffen?
Mich bewegen ein bisschen? Spaß haben?
That's me.
Spaß? Etwas stieg in mir auf. drückte von innen gegen meinen Brustkorb,
schnürte mir die Kehle zu, trocknete meinen Mund aus. Ein leises Keuchen entfuhr mir.
Spaß, sagte ich schließlich, ist hier nicht. Also die will keinen Spaß.
Also wir haben schon zwei Exit-Points rausgefunden. Wir haben Sicherheit,
Und Spaß und Beziehung. Drei Exit-Points haben wir eigentlich schon definiert im Roman.
Und das mit dem Spaß finde ich einen ganz wichtigen Punkt, weil man gar nicht
so leicht darauf kommt, weil sie das ja alles so exzessiv auslebt,
dass man glaubt, es würde ihr
Spaß machen. Also sie ist in der ständigen Selbstbeherrschung Disziplin.
In dem Moment, wo sie über sich selbst Kontrolle ausübt und sich reguliert,
erfährt sie auch eine Form der Genugtuung und eine Form der Kontrolle in der
Wirkung sozusagen auf andere.
Und genau diesen Mechanismus würde ich ja als patriarchal beschreiben.
Wenn wir versuchen, in eine Dominanz zu kommen, indem wir uns regulieren,
beherrschen, disziplinieren, dann sind wir sofort in dem patriarchalen Game drin.
Ich sehe wirklich die geborene Boss-Bitch in ihr, die auch so ein Pick-Me-Girl
sein will. Ich bin anders als die anderen.
Ich bin stärker als die anderen. Ich bin hartnäckiger als die anderen.
Ich kann mich besser durchsetzen als die anderen. Ich mache nicht so schnell
schlapp wie die anderen.
Ich sehe sie sehr stark in diesem Männerspiel verhangen.
Und wenn man jetzt das so völlig banal binär sehen möchte, dann fehlt ihr,
finde ich, so der Zugang zu ihrer Weiblichkeit.
Bei der einen Lesestelle, die ich vorhin gelesen habe, da geht es ja nicht darum,
dass sie sich schön findet, sondern sie performt es ja.
Sie findet geil, dass sie sich verändert. Also sie findet den Erfolg geil und
sie findet geil, wie sie wirkt. dass sie jetzt irgendwie da auch jemals einen
Kick draus bekommt, jemandem anderen was Gutes zu tun.
Das steht da nirgendwo. Auch die Versuche von ihrer Kollegin,
sich anzufreunden oder auch von Ferharts Schwester, das gibt ihr gar nichts.
Da kommt nichts. Sie sieht nur immer, ja, Svetlana, die hat doch eigentlich
nur diesen geilen Hintern und ansonsten ist sie so, aber warum ist sie so erfolgreich?
Was kann man sich abgucken? Was kann ich mir da rausziehen?
Aber dass irgendwie sie einen positiven Effekt auf andere haben könnte,
dass es vielleicht für einen Exfreund schön ist, sie zu sehen,
dass es nett wäre, irgendwas Freundliches zu sagen.
Da kommt nichts. Sie ist wie eine Maschine.
Also das war auch etwas, was mich extrem angezogen hat an dem Roman,
dass sie sich, wie du sagst, selber gar nicht, glaube ich, mit der eigenen Weiblichkeit
verbunden sieht, sondern spielt.
Das ist wie ein Schauspiel und sie studiert. Wie kann ich jetzt das Beste aus
der Situation rausholen, indem ich mich möglichst angepasst verhalte?
Und das finde ich auf eine Art und Weise erfrischend, einfach mal auszustellen,
alles was wir tun ist sozusagen performativ, wir spielen das,
um irgendeine Wirkung zu haben und das könnte auch anders sein,
wir könnten andere Ideen haben.
Und das mag ich irgendwie ganz gerne an der Figur. Und auch,
dass sie sich so komplett von Kehrarbeit entledigt, finde ich erst mal.
Dass sie das Spiel der Männer so spielt, findest du Widerstand?
Also den Körper auch zu formen und zu transformieren entgegen eines weiblichen
Stereotyps, finde ich schon eine Form des Protests.
Aber wenn das dann ankommt, wieder
in einem männlich kodierten Idee von Macht, dann ist es nicht genug.
Dann werden wir uns selbst beschädigen. Und da kommt diese Pathologie rein, glaube ich.
Insofern finde ich es ambivalent. Es ist ein weird girl irgendwie.
Es fällt ihr dann halt auch auf die Füße.
Also das merkt man dann schon, dass diese Entledigung von Fürsorge als Währung
auch bedeutet, dass sich niemand um einen selbst kümmert.
Das macht ja das Buch wieder so spannend. Dadurch, dass sie eben das Weird Girl
ist, hast du die Chance, mal diese ganzen Dinge dir so anzuschauen,
wie du sie sonst nie siehst.
Du siehst sie durch die Augen von diesem Weird Girl.
Gleichzeitig sind da so viele Dinge, die einen total abstoßen oder befremden.
Und das ist genau dieser spannende Blick.
Sie hat auf jeden Fall eine psychische Erkrankung in dem, was wir als normal
betrachten. Aber auch das wieder.
Wir haben über Binarität gesprochen und über Rollen.
Auch das ist ja wiederum, was ist überhaupt normal?
Ja.
In diesem System ist sie absolut nicht normal.
Klar, der Roman verhandelt eben auch diese Grenzen der Normalität.
Und wo kippt es in eine toxische Richtung?
Und interessant ist eben, also für mich ist der Zugang extrem übers Gender,
weil wenn du hier einen Genderflip machen würdest, das würde alles auseinanderfliegen.
Und ich würde auch den Roman in so eine Tradition der Weird Girl Fiction stellen.
Also wenn man sowas liest wie die Vegetarierin von Hang Kang,
Night Bitch von Rachel Yoder, dann versteht man auch so ein bisschen dieses
Experimentieren mit Körperlichkeiten, die trotzdem in der Ambivalenz bleibt.
Also weil am Ende von Night Bitch kann ich ja jetzt auch nicht sagen,
ach cool, dann verwandle ich mich doch jetzt einfach in einen Hund, dann geht es mir besser.
Sondern ich habe einfach nur mir mal bestimmte Fragen gestellt,
auf die ich anders nicht gekommen wäre.
Oder auch bei der Vegetarien hat man schon fast das Gefühl, weil die Vegetarien
am Ende in einer Klapse landet, dass es eine Erlösung ist für sie.
Im Vergleich zu dem, wo sie vorher ist.
Also auch da, es wird einfach alles so, das, was wir als normal stehen lassen,
wird nochmal durchgemischt und wir kommen ins Gespräch.
Und das Überlegen, an welchen Stellen hätte sie anders abbiegen können,
an welchen Stellen kann ich in meinem feministischen Widerstand und in meiner
patriarchalen weiblichen Sozialisierung irgendwie eine Form von Sicherheit finden.
Das ist so eine Lebensaufgabe, an der wir uns halt abarbeiten und deswegen.
Ja, aber daran arbeiten ja nur wir uns ab. Du hast es ja vorhin schon gesagt,
gäbe es den Gender-Flip.
Ansgar, der vielleicht sich bewirbt
und behauptet, er hätte eine Knie-OP gehabt, hat er aber gar nicht.
Der dann anfängt zu trainieren und Anabolika zu nehmen.
Das ist der langweiligste Roman der Welt.
Ja, genau.
Aber die Person, um die es da geht, die wird sich nicht ändern können.
Also egal, was passiert in ihrem Leben, welche Katastrophen und...
Sie wird nicht anders leben können. Also es ist schon was Getriebenes und da
kann man in der Lektüre einfach wahnsinnig viel mitnehmen.
Da möchte ich mich dir absolut anschließen.
Ihr Lieben, wenn euch der Podcast gefällt, dann sagt es doch bitte euren Freundinnen weiter.
Ihr wisst, Mundpropaganda ist die beste Form des Weitersagens.
Außerdem ist es eine feministische Praxis, sich natürlich mit anderen zu verbinden,
zu vernetzen und auch über diese Themen zu sprechen, die Community aufzubauen.
Ansonsten findet ihr mich auf Insta.
Ich freue mich, wenn ihr liked, wenn ihr shared. Lasst doch mal einen Kommentar auf Spotify da.
Und dir, Christina, danke ich sehr, dass du heute ausnahmsweise mal für Verbitter
Talentlos gelesen hast.
Ich hoffe, dass wir es auch nochmal schaffen.
Christina
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Susi
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Christina
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Susi
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Christina
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Susi
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Christina
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Susi
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Christina
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Susi
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Christina
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Susi
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Christina
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